Wie mit der Angst umgehen?

  • Es ist 2h Nachts und ich bekomme kein Auge zu. Mittlerweile kan ich an nichts anderes mehr denken. Egal was ich tue, ich kann keine Freude mehr empfinden, jeder Moment wird von dunklen Schatten überlagert.

    Und ständig die Frage, wie lange habe ich noch?


    Gibt es denn wirklich Menschen die nur mit Tropfen über Jahrzehnte stabil sind? Wenn ich so lese habe ich das Gefühl, dass es sich immer verschlechtert, immer OPs nötig sind usw.

    Und am Ende steht die Dunkelheit?


    Mein AA behandelt mich wie ein Kind: "Das ist nichts schlimmes, das können wir alles so erhalten wie es ist" - na klar. Man weiß doch nichtmal ob die Therapie überhaupt anschlägt.


    Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich je wieder glücklich und unbeschwert sein werde, diese Diagnose zerstört gerade wirklich mein ganzes Leben...


    Oft wünschte ich ich wäre nicht zum AA gegangen. Dann hätte ich in einigen Jahren wohl Symptome gehabt, aber bis dahin hätte ich zumindest noch ein normales Leben führen können, jetzt ist irgendwie alles im Eimer...


    Tut mir leid, dass ich so emotional werde, aber wie soll ich damit umgehen? Das ist gerade einfach zuviel für mich...

  • Alex, jetzt komm mal wieder runter! Unnötige Ängste helfen dir nicht.


    Bei mir wurde leider das Glaukom viel zu spät erkannt und behandelt, u.a. weil die Augenärztin offensichtlich nie von einem NDG gehört hatte. Bei mir waren schon zwei Drittel des Gesichtsfeldes verloren, als ich zum ersten Mal in der Glaukomsprechstunde der Augenklinik war. Dort wurden mir weitere Tropfen verschrieben. Da sie nicht ausreichend wirkten, wurde mir eine OP empfohlen (Kanaloplastik).


    Die OP ist jetzt über zehn Jahre her, seitdem ist bei mir alles stabil. Ich musste seit diesen zehn Jahren nicht mehr tropfen (außer zur Benetzung), noch erneut operiert werden (außer Katarakt).


    Ich hatte Glück, die OP-Methode ist nicht immer so lange wirksam. Aber es gibt noch immer die Möglichkeit, zu tropfen.


    Was ich dir sagen will: Selbst bei sehr fortgeschrittenem Glaukom kann es aufgehalten werden. Ich habe einen Visus von 90-100 %. An die Ausfälle habe ich mich gewöhnt und gelernt, damit umzugehen. Damit kann ich nahezu alles machen, fahre allerdings kaum noch Auto und nur in der Nähe und mache keine allzugefährlichen Bergtouren mehr wegen Absturzgefahr.


    Gibt deiner Angst keine Chance. Heutzutage ist die Medizin so weit fortgeschritten und wir leben in einem so weit entwickelten Land, dass fast niemand mehr bei uns aufgrund eines Glaukoms erblindet. Solange du selbst die Notwendigen Maßnahmen ergreifst (regelmäßige Arztbesuche, Tropfen nehmen etc.) kann eigentlich nichts schiefgehen.

    Glaukom mit Gesichtsfeldausfällen, Trabekulotomie an beiden Augen (04/11 + 08/11), vor Katarakt-OP (11/21) stark kurzsichtig.

  • Hallo Alex!


    Jetzt sind wir dann genau da, was ich meinte, als ich von der Angstspirale geschrieben habe.


    nd ständig die Frage, wie lange habe ich noch?


    Gibt es denn wirklich Menschen die nur mit Tropfen über Jahrzehnte stabil sind? Wenn ich so lese habe ich das Gefühl, dass es sich immer verschlechtert, immer OPs nötig sind usw.

    Und am Ende steht die Dunkelheit?

    Wie quälst Du Dich eigentlich selbst so?


    Die Dunkelheit steht am Ende von gaaaaaaaaaaaaanz schweren Fällen und das auch nur selten!

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich je wieder glücklich und unbeschwert sein werde, diese Diagnose zerstört gerade wirklich mein ganzes Leben...

    Warum? Man kann auch mit Glaukom ein normales Leben führen. Man hat seine Kontrolltermine, ggf. seine Medis, die eingenommen werden müssen, vielleicht manche Dinge, auf die man besser verzichtet. Aber das tut man dann für sich und diese Einschränkungen sind so minimal, dass man damit ein wirklich gutes Leben führen kann.


    Eine Glaukomdiagnose zerstört keine Leben. Du bist nicht sterbenskrank! Du wirst an einem Glaukom definitiv nicht sterben!


    Also, atme durch und entspann Dich!

    Oft wünschte ich ich wäre nicht zum AA gegangen. Dann hätte ich in einigen Jahren wohl Symptome gehabt, aber bis dahin hätte ich zumindest noch ein normales Leben führen können, jetzt ist irgendwie alles im Eimer...

    Darf ich sagen, was ich denke?


    Sorry..... so ein Bullshit! Alles im Eimer? Hör auf damit!


    Das ist echt nicht böse gemeint, aber hör auf damit Dich selbst zu quälen!

    Tut mir leid, dass ich so emotional werde, aber wie soll ich damit umgehen? Das ist gerade einfach zuviel für mich...

    Das ist ganz einfach. Du nimmst Deine Medis, wenn Du welche verordnet bekommst, Du gehst zu Kontrollen, wenn Du einen Termin hast und ansonsten kommst Du runter und führst Dein Leben weiter! Und manchmal braucht eine Diagnose einfach auch ein bisschen Zeit, um damit umgehen zu können.


    Ansonsten können wir Dir mit Deiner Angsterkrankung nicht helfen. Wenn Dir all unsere Worte, unsere Erklärungen, unser Trost nicht helfen können, dann suche Dir bitte professionelle Hilfe.


    Viele Grüße

    Sabine

  • Hallo Alex,


    mit der Angst umgehen, heißt ja wohl, sie loswerden wollen.


    Oder sehe ich da was falsch? - Man kann sich natürlich auch darin einrichten.


    Also überlege Dir bitte, welche Option die Deine ist.


    Falls Du Dich weiter von Deinen Ängsten in Geiselhaft nehmen lassen möchtest, dann kann ich Dir nicht helfen.


    Deine Entscheidung, Alex!


    Ansonsten wäre mein Rat: Lass' Dir von Deinen Ängsten nicht den Blick verstellen.


    So blind für die Realität, wie Du gerade bist, kannst Du durch ein Glaukom gar nicht nicht werden!


    Versteh' mich nicht falsch: mir geht hier nicht gerade die Empathie verloren. Die habe ich durchaus.


    Und als redlicher Angsthase weiß ich auch, wovon ich da rede!


    Mein AA behandelt mich wie ein Kind: "Das ist nichts schlimmes, das können wir alles so erhalten wie es ist" - na klar. Man weiß doch nichtmal ob die Therapie überhaupt anschlägt.


    Du willst ja wohl nicht als schonungsbedürftiges Kind behandelt werden.


    Manchmal, so meine Erfahrung, hilft einem eine kräftige Kopfwäsche auf den Boden der Realität zurück.


    In dem Sinn kann ich Dir nur raten - Faktencheck gegen Panik!


    Du hast noch keine gesicherte Diagnose, stellst Dir aber schon die schlimmsten Konsequenzen einer Krankheit vor, die Du möglicherweise gar nicht hast!


    Es ist doch noch gar nicht gesagt, dass bei Dir überhaupt ein Glaukom vorliegt!


    Der einzige Verdachtsgrund bislang ist eine Auffälligkeit an den Sehnerven plus ein NCT gemessen leicht zu hoher AID.



    Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich je wieder glücklich und unbeschwert sein werde, diese Diagnose zerstört gerade wirklich mein ganzes Leben...


    Nicht diese Diagnose zerstört Dein Leben, sondern Dein verengter Blick auf die Fakten, das ist Dein Problem.


    Hast Du übrigens mal nachgelesen, wie viele (auch jüngere) Glaukomverdächtige hier im Forum ständig neu ankommen? Genau so wie Du, mit ganz ähnlichen Verdachtsgründen und unabgeschlossener Diagnose.


    Mach' Dir doch mal die Mühe zu lesen, was aus diesen Verdachtsgründen wird! Das ist nämlich sehr interessant!


    Oft wünschte ich ich wäre nicht zum AA gegangen. Dann hätte ich in einigen Jahren wohl Symptome gehabt, aber bis dahin hätte ich zumindest noch ein normales Leben führen können, jetzt ist irgendwie alles im Eimer...


    Dass man so einem Verdacht nachgeht, ist vernünftig und auf jeden Fall besser, als den Kopf in den Sand zu stecken.


    Selbst wenn Du ein Glaukom haben solltest, (bitte beachte den Konjunktiv) dann wäre das so früh entdeckt worden, dass bei konsequenter Therapie die Wahrscheinlichkeit, dass Du daran erblindest viel geringer ist als die, dass Du dich mit 100 Jahren noch sehend an der Welt erfreust.


    Gibt es denn wirklich Menschen die nur mit Tropfen über Jahrzehnte stabil sind? Wenn ich so lese habe ich das Gefühl, dass es sich immer verschlechtert, immer OPs nötig sind usw.

    Und am Ende steht die Dunkelheit?


    Lies richtig, Alex, und nicht selektiv!


    Glaubst Du denn, die Mitglieder hier im Forum sind allesamt chatbots?


    Das sind ganz reale Menschen, die teilweise schon seit Jahrzehnten Glaukom haben.


    Natürlich gibt es darunter auch Patienten, die hart zu kämpfen haben. Genauso aber gibt es viele, die schon lange mit dieser Krankheit leben, mit der Therapie gut zurecht kommen, noch keine OP hatten, bzw. die durch einen Lasereingriff oder eine OP tropfenfrei wurden.


    Und dabei vergiss bitte nicht die altbekannte Tatsache, schreiben tun eher die, die ein Problem haben, die anderen haben besseres zu tun....


    Also komm' aus dieser Angstspirale raus, Alex, die ist viel schlimmer, als es ein im Anfangsstadium diagnostiziertes Glaukom je sein könnte!


    Liebe Grüße und mal wieder - nicht nur so dahingesagt - ein schönes Wochenende.


    Chanceline

    2 Mal editiert, zuletzt von Chanceline ()

  • Danke euch allen.


    Ich hatte mich die letzten Tage einigermaßen im Griff, hab Abends Sport gemacht und meditiert, aber gestern kam irgendwie der komplette Zusammenbruch und heute fühle ich mich wie benommen, es fühlt sich alles gerade irgendwie surreal an...


    Mein Arzt hat ja aber die Diagnose schon gestellt. Er hat mir ja direkt ins Gesicht gesagt, dass ich grünen Star habe. Der Mann ist wohl Ü60 und ich kann mir vorstellen, dass er erfahren genug ist um das auch ohne OCT usw. beurteilen zu können.


    Es ist wirklich sehr schwer mit allem klarzukommen, aber ich werde versuchen es nicht mehr ins Forum hinein zu tragen...

  • Alex, wie Chanceline schon schrieb, in so einem Forum wie hier, schreiben überwiegend Menschen, die Probleme haben. Diejenigen, die schon seit Jahren tropfen und nichts weiter erleben, als einmal im Jahr die Kontrolluntersuchung, findest du hier nicht. Das ist aber die Mehrzahl.


    Du schriebst an anderer Stelle, dass du eine Angststörung hast. Vermutlich solltest du aktuell da ansetzten und dich stark darauf konzentrieren, was du direkt gegen deine Ängste tun kannst. Hast du ein Handwerkszeug an Übungen, was du tun kannst, wenn dich die Angst überrollt? Konzentriere dich auf diese Möglichkeiten und wende sie an.


    Ich habe selbst einige Ängste, die mir immer wieder Probleme machen, von daher versteh ich dich etwas. Mir hat schon mal die Klopftherapie sehr geholfen. Kennst du die? Oder in akuten Situationen den Atem unter Kontrolle zu bekommen und die Muskulatur zu lockern. Versuche das, was dir am besten hilft.

    Es ist sehr beglückend, sich mit kompetenten Menschen auszutauschen.


    Ein lieber Gruß


    memory

  • Hallo Alex,

    wie Du das beschreibst, hattest Du eine Angst- und Panikattacke. Wie memory gerade geschrieben hast, wirst Du da von der Angst überrollt. Der Verstand wird ausgeschaltet, das Gefühl liegt wie eine dicke Wolke über allem.


    In dem Moment hast Du keinen Zugang mehr zu rationalen Erklärungen.


    Insofern werden Dir auch weitere Aufklärungen, Ermahnungen, Tröstungen nicht helfen können, mit der Erkrankung umzugehen.

    Du müßtest wirklich bei der Bewältigung der Angst ansetzen.

    Vielleicht gibt es auch ein Forum, wo man sich zu Strategien gegen die Angst austauscht.


    Ich frage mich, ob in dieser Phase das Glaukomforum wirklich das richtige für Dich ist. Wie Du selbst schon beobachtet hast, läuft das nicht immer so glatt mit der Glaukombehandlung. Bei allem Optimismus bleibt das eine noch sehr wenig verstandene und auch schwierig zu behandelnde Erkrankung. Wenn Du jetzt von vielen Problemen liest, die für Dich noch gar nicht relevant sind, zieht Dich das nur noch mehr runter.


    Viellicht ist es das beste, Du hälst Dich vorerst an das, was Dein Augenarzt Dir sagt. Und wenn Du konkrete Fragen hast, werden die Dir hier gerne beantwortet.




    Und dabei vergiss bitte nicht die altbekannte Tatsache, schreiben tun eher die, die ein Problem haben, die anderen haben besseres zu tun....

    Nicht unbedingt. Ich denke, es gibt sowohl als auch. Also bezogen auf das Glaukom mit schweren Problemen und auch Menschen mit wenig Befunden aber Ängsten und die sich durch das Forum stabilisieren.



    Diejenigen, die schon seit Jahren tropfen und nichts weiter erleben, als einmal im Jahr die Kontrolluntersuchung, findest du hier nicht.

    Würde ich nicht so sehen, es gibt auch user, die sich in großen Abständen immer wieder mal melden und von ihrem Stand berichten.

    Und es ist sogar schön, wenn man dann gute Verläufe mitverfolgen kann.


    Viele Grüße - Malve

  • Danke auch euch beiden. Ja Memory, ich kenne ein paar Techniken, nach der Klopftherapie muss ich googeln, vielen Dank für den Tipp!


    Und du hast sicher mit allem Recht Malve. Ich weiß nur nicht so recht wohin ich mich wenden soll, es ist leichter sich Menschen anzuvertrauen die auch betroffen sind...


    Heute fühle ich mich eher deprimiert und niedergeschlagen. Wahrscheinlich durchlaufe ich gerade sämtliche Phasen. Ich werde versuchen mich in Zukunft zusammen zu reißen, eure Tipps und Informationen sind mir sehr wichtig.

  • Hallo Alex!

    Es ist wirklich sehr schwer mit allem klarzukommen, aber ich werde versuchen es nicht mehr ins Forum hinein zu tragen...

    So ein Forum wie dieses hier ist auch dafür da, dass man sich auch einfach mal auskotzen kann, auch mal sagen kann, wie schlecht es einem gerade geht. Man wird verstanden, ohne groß erklären zu müssen. Das ist der Sinn von Selbsthilfe und den leben wir hier auch!


    Was wir hier ganz sicher NICHT machen, Leute in ihrer Angst noch unterstützen, wenn sie sich im Kreis drehen!

    Dann mache ich hier, und das zum Schutz dieser Person selbst (!), den Deckel drauf und ich habe auch schon solche User gesperrt. Und das ist nicht auf meine mögliche Bosheit zurückzuführen!


    Verstehst Du, das ist das, was wir hier meinen!


    Wir Alle hier kennen Ängste, das ist keine Frage!

    Aber wir Alle mussten lernen damit umzugehen. Und wenn Du in Deine Angstspirale kommst und immer noch mehr und noch mehr in Angst und Panik verfällst, dann ist Dir hier nicht mehr geholfen, dann benötigst Du Schutz!


    Bitte, such Dir wirklich professionelle Hilfe!


    Viele Grüße

    Sabine