Glaupax zur Pupillenerweiterung?

  • Hallo in die Runde,


    heute war ich zum ersten Mal am neuen Wohnort beim neuen Augenarzt. Er fragte mich, ob ich Glaupax vertragen würde, was mich einigermaßen irritiert hat.

    Hier im Forum habe ich von Glaupax immer nur bei Druckentgleisungen gelesen. Auf meine Nachfrage erklärte er mir, dass er beim nächsten mal eine Untersuchung mit Pupillenerweiterung vornehmen wolle, Netzhaut begutachten.


    Ist es üblich, dass Glaupax auch für diese Untersuchung verwendet wird? Ich habe den AA darauf hingewiesen, dass ich in der Uniklinik manchmal bestimmte Mittel zur Pupillenerweiterung nicht vertragen habe, Herzprobleme. Beim Augenarzt hatte ich allerdings nie ein Problem bei solchen Untersuchungen, weiß nicht, was da allgemein verwendet wird.


    LG

    gabrilla

  • Hallo Gabrilla,


    Glaupax wird als Notfallmedikament bei Druckentgleisungen eingesetzt, anders kenn ich das nicht.

    Ich dachte das Zeug zum Pupilleerweitern wird in Tropfenform verabreicht und nicht als Tablette (erhielt ich mal glaub zu ner SLT getropft) ?


    Gruß, Gisa

    Wenn wir wollen, dass alles so bleibt wie es ist, müssen wir zulassen, dass sich alles verändert.

    Einmal editiert, zuletzt von Gisa ()

  • Liebe Gabrilla,


    ruf die Praxis noch einmal an, was da gemeint ist. Weist Du noch, welche du in der Klinik nicht vertragen hast?

    Glaupax = Tablette bei Druckentgleisung


    Atropin = Tropfen zur Pupillenerweiterung. Es gibt sie konserviert und unkonserviert.


    https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Atropin_63

    LG


    Jenat

    Ohne Musik wäre alles nichts. (frei nach Mozart)

  • Hallo Gabrilla,


    dass Glaupax zur Pupillenerweiterung Verwendung findet, habe ich noch nie gehört.


    Möglicherweise zielte die Frage darauf ab, dass die Gabe von Glaupax nötig sein könnte - falls es durch die Pupillenerweiterung zu einer Verengung des Kammerwinkels nebst Druckanstieg kommen sollte.


    Das wäre natürlich ziemlich um die Ecke gedacht und ist pure Spekulation meinerseits - aber anders kann ich mir diese Frage nicht reimen.


    Am besten Du fragst nochmal gezielt nach - ist denn bei Dir der Kammerwinkel irgendwie problematisch? - ich habe das leider nicht so auf dem Radar.


    LG


    Chanceline

  • Danke, ihr Lieben,


    für eure schnellen Antworten.


    dass Glaupax zur Pupillenerweiterung Verwendung findet, habe ich noch nie gehört

    Eben, ich auch nicht, deshalb meine Irritation.


    Möglicherweise zielte die Frage darauf ab, dass die Gabe von Glaupax nötig sein könnte - falls es durch die Pupillenerweiterung zu einer Verengung des Kammerwinkels nebst Druckanstieg kommen sollte.

    Chanceline, ich glaube, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Als ich deine Worte las, fiel mir wieder ein, dass der AA, der zum Abschluss meines Besuchs mit rausgekommen war, zu seiner Mitarbeiterin in der Anmeldung auf meinen nächsten Termin hinwies, bei dem er die Netzhaut inspizieren möchte, und dann als Abschluss-Gemurmel: "Das ist alles so eng da." Ich bin mir sicher, er meinte meinen Kammerwinkel.


    Ich habe 2015 eine SLT auf beiden Augen bekommen, ein Jahr lang erklärte meine AA bei kurz darauf wieder ansteigendem Druck "Macht nichts, können wir ja jederzeit wiederholen."


    2016 war es dann so weit, neue SLT sollte stattfinden. Sie machte nur 3, 4 Stöße (wie nennt man das exakt?) und hörte dann auf.

    Kommentar: Das geht nicht, Ihr Kammerwinkel ist viel zu eng. In der Uniklinik habe ich das angegeben, aber nie eine Bestätigung bekommen.


    Ich werde in Tübingen nachfragen, welches Mittel für Pupillenerweiterung in meiner Akte vermerkt ist, die wußten, was ich nicht vertrage.


    LG

    gabrilla

  • Hallo Gabrilla,


    die Frage wäre, ob die Pupillenerweiterung wirklich unbedingt sein muss.


    Manche AA machen das halt routinemäßig, weil sie sich die Netzhautperipherie anschauen wollen.


    Liegt denn bei Dir derzeit eine Problematik an der Netzhaut vor?


    Bei engem Kammerwinkel ist das Weittropfen - soweit mir bekannt - doch irgendwie immer mit einem Risiko verbunden.


    Wurde denn bei Dir mal der Kammerwinkel untersucht, also eine Gonioskopie gemacht - bitte entschuldige, falls ich Dinge frage, die Du möglicherweise schon berichtet hast!


    LG


    Chanceline

  • Hallo Chanceline,


    von einer Gonioskopie kann ich in meinen Unterlagen nichts finden, auch Netzhautprobleme unbekannt. Und wie gesagt, die Uniklinik hat sich nie zu einem zu engen Kammerwinkel geäußert.


    Den nächsten Termin beim AA habe ich in gut 3 Monaten, bis dahin habe ich genug Zeit, mich bei der Uniklinik zu erkundigen, was für Mittelchen für meine Pumpe nicht so gesund sind.


    Glaupax werde ich auf jeden Fall ablehnen, da habe ich schon viel zu viel Grausliches drüber gelesen. :O


    LG

    gabrilla

  • Hallo Gabrilla,


    irgendwie scheint mir das mit dem Kammerwinkel bei Dir aber doch verwirrend:


    Ich habe mal in Deinem Thread "Noch ein NDG Verlauf" nachgelesen. Da schreibst Du gleich im ersten Post:


    Zusammenfassender Bericht:


    Papillen beiderseits 0,8 exkaviert

    Gesichtsfeld : absolute Defekte am RA, auch am LA deutlich erkennbare Ausfälle

    Kohärenztomografisch beiderseits ein Verlust der retinalen Nervenfaserschicht, vor allem inferior und temporal superior

    Freier Kammerwinkel bis zur Schwalbe-Linie


    Normalerweise wird der Kammerwinkel in Grad Shaffer 0 - IV angegeben.


    Diese Grade entsprechen der Sichtbarkeit bestimmter Strukturen im Auge - ich zitiere aus Wikipedia:

    • Grad 0 (0°): verschlossener Kammerwinkel (irido-kornealer Kontakt).
    • Grad I (10°): sehr enger Kammerwinkel (nur Schwalbe-Linie sichtbar), Verschluss sehr wahrscheinlich.
    • Grad II (20°): mäßig enger Kammerwinkel (Trabekelwerk sichtbar), Verschluss möglich.
    • Grad III (20–35°): offener Kammerwinkel (bis hin zum Skleralsporn einsehbar), Verschluss unwahrscheinlich.
    • Grad IV (35–45°): sehr weiter Kammerwinkel (Ziliarkörperband sichtbar), Verschluss unmöglich.

    Kammerwinkel – Wikipedia
    de.wikipedia.org


    Kann sein, dass ich mich täusche, aber das liest sich für mich, als sei Dein Kammerwinkel Grad 1, also sehr eng!


    Das würde die Frage Deines AA bzgl. Glaupax so wie vermutet erklären: für den (Not)Fall, dass der IOD durch die weitgetropfte Pupille stark ansteigt, will er Dir Glaupax zur schnellen Senkung geben!


    Entschuldige Gabrilla, ich will da jetzt absolut keine Pferde scheu machen!


    Aber, da Du sowieso vorhast, in der Uniklinik anzurufen, vielleicht erfragst Du auch gleich nochmal den Befund des Kammerwinkels.


    Wenn der wirklich Grad 1 ist, dann stellt sich wirklich die Frage, ob Du ohne Not das Risiko mit dem Weittropfen für eine Routineuntersuchung eingehst.


    LG


    Chanceline

  • Liebe Chanceline,


    erst mal ein ganz dickes Dankeschön an dich, du kniest dich immer mit allen Vieren in die Thematik rein und bringst so oft Klarheit in ratlose Köpfe. Danke!!! :o* Auch in meinem Oberstübchen ist jetzt mal wieder ein Schimmer von Erkenntnis angekommen.


    Habe noch mal meine Klinikberichte zur Hand genommen, bei meinem ersten stationären Aufenthalt (Tages-/Nachtdruckmessung) versteckte sich dieser Satz in einem fetten Monoblock:

    "Eine beidseits durchgeführte Gonioskopie zeigte einen freien Kammerwinkel bis zur Schwalbe-Linie." Hörte sich für mich damals positiv an, und Erklärungen kamen von keiner Seite.


    Was ich aber nicht so ganz nachvollziehen kann: Müßte ich bei einem engen Kammerwinkel nicht eher einen Hochdruck haben? Bei mehr als 20 bin ich nie angekommen. Die Klinik hat mit Absetzen der Medikamente 2020 auf Hochdruck getestet, die Diagnose Normaldruckglaukom wurde danach als gesichert bestätigt.


    Meine Pupillen wurden immer wieder mal weitgetropft, Nebenwirkungen traten erst auf, als mein Herz nicht mehr so funktionierte, wie es sollte. Zwischenzeitlich bin ich medikamentös gut eingestellt.


    Ich werde in der Klinik auf jeden Fall noch mal nachfragen.

    LG

    gabrilla

  • Hallo Gabrilla,


    auch ich habe mal wieder was gelernt.


    Vor allem, dass sich in so harmlos, gar positiv klingenden Sätzen Informationen verbergen können, deren Bedeutung einem nicht aufgeht.


    Erst dachte ich, das bedeute "offener Kammerwinkel". Erst als ich bei WiKi nachgeschaut habe, wurde mit klar, was es mit dieser Sichtbarkeit bis zur Schwalbe-Linie auf sich hat oder haben könnte.


    Was ich aber nicht so ganz nachvollziehen kann: Müßte ich bei einem engen Kammerwinkel nicht eher einen Hochdruck haben? Bei mehr als 20 bin ich nie angekommen. Die Klinik hat mit Absetzen der Medikamente 2020 auf Hochdruck getestet, die Diagnose Normaldruckglaukom wurde danach als gesichert bestätigt.

    Genau dass habe ich mich auch gefragt, da Du ja NDG als Diagnose hast.


    Ehrlich gesagt, ich kann nur vermuten, dass so ein enger Kammerwinkel ein Faktor ist, der das Risiko für Hochdruck bzw. eine Blockade erhöht,


    Dass das aber eben nicht in jedem Fall auch dazu führen muss.


    Gehen wir mal davon aus, dass in der Klinik nach der Gonioskopie dieses Risiko abgewogen und für unproblematisch erachtet wurde - denn sonst wäre das doch ziemlich fahrlässig.


    Dafür spricht auch, dass man Dich weitgetropft hat und dass das - jedenfalls druckmäßig - keine Komplikationen verursacht hat.


    Das Problem ist - so finde ich - die mangelnde Transparenz - man hätte Dir das auch sagen und erklären können - Du hattest ja danach gefragt nach dieser SLT Geschichte.


    So stößt man dann zufällig auf einen solchen Sachverhalt und macht sich dann doch seine Gedanken.


    Also nachfragen ist bestimmt kein Fehler - das hast Du ja vor.


    Liebe Grüße


    Chanceline

  • Das Problem ist - so finde ich - die mangelnde Transparenz

    Ja, das ist leider oft so. Wir Patienten werden viel zu selten in Details eingeweiht. Und wenn einem der eigene Körper nicht egal ist, dann lässt einen das mit einer Menge Fragezeichen zurück.


    Chanceline Ich finde es auch toll, wie intensiv du dich hier oft mit den Problemen anderer auseinandersetzt!

    Glaukom mit Gesichtsfeldausfällen, Trabekulotomie an beiden Augen (04/11 + 08/11), vor Katarakt-OP (11/21) stark kurzsichtig.

  • Hallo,


    und das Geschreibse von Chanceline kann ich wunderbar lesen, auch wenns manchmal viel ist - danke für !


    Gruß, Gisa

    Wenn wir wollen, dass alles so bleibt wie es ist, müssen wir zulassen, dass sich alles verändert.

  • Hallo Dieda,


    umso wichtiger, dass wir hier uns gegenseitig befähigen, zumindest die richtigen Fragen zu stellen...:thumbup:


    Hallo Gisa,


    ein Kompliment von Dir - welche Ehre! :oD


    Allen eine geruhsame Nacht!


    Chanceline

  • Chanceline, ?

    Gute Nacht !

    Wenn wir wollen, dass alles so bleibt wie es ist, müssen wir zulassen, dass sich alles verändert.

    Einmal editiert, zuletzt von Gisa ()

  • Ehrlich gesagt, ich kann nur vermuten, dass so ein enger Kammerwinkel ein Faktor ist, der das Risiko für Hochdruck bzw. eine Blockade erhöht,


    Dass das aber eben nicht in jedem Fall auch dazu führen muss.


    Gehen wir mal davon aus, dass in der Klinik nach der Gonioskopie dieses Risiko abgewogen und für unproblematisch erachtet wurde - denn sonst wäre das doch ziemlich fahrlässig.


    Dafür spricht auch, dass man Dich weitgetropft hat und dass das - jedenfalls druckmäßig - keine Komplikationen verursacht hat.

    Genau so sehe ich das auch.


    Das Problem ist - so finde ich - die mangelnde Transparenz - man hätte Dir das auch sagen und erklären können

    So isses. Und egal ob in Klinik oder beim AA, Knackpunkt ist überall die mangelnde Zeit. Wenn man nicht direkt und sehr konkret nachfragen kann, bekommt nur wenig oder gar keine Infos.


    LG

    gabrilla

  • Müßte ich bei einem engen Kammerwinkel nicht eher einen Hochdruck haben?

    Hallo Gabrilla,

    ein enger Kammerwinkel führt nicht automatisch zu einem Hochdruck.

    Die Augendruckerhöhung kommt zustande durch Verstopfung der Abflußwege im Trabekelmaschenwerk.


    Wenn dann ein enger Kammerwinkel dazukommt, kann der Druck so hoch werden, daß es zu einem Glaukomanfall kommt. Diese Konstellation - hoher Augendruck + enger Kammerwinkel - findet sich typischerweise bei dem Engwinkelglaukom. Das hast Du nicht.


    Aber Du hast schon einen sehr engen Kammerwinkel. Wenn der pharmakologisch, also durch die Augentropfen zur Pupillenerweiterung, noch weiter eingeengt oder sogar weitestgehend verschlossen wird, könnte auch bei Dir der Augendruck kontinuierlich ansteigen, so lange die Tropfen wirken. Das könnte den Sehnerven schädigen.


    Das Glaupax würde nicht den Verschluß des Kammerwinkels verhindern, sondern nur teilweise die Augenkammerwasserproduktion hemmen, so daß der Druckanstieg niedriger ausfallen würde.


    Ich finde, daß Du für ein Normaldruckglaukom mit 20 mm Hg einen ziemlich hohen Augendruck hast.

    Wurde schon mal darüber gesprochen, daß der enge Kammerwinkel vielleicht dafür verantwortlich ist?

    Wenn es mich beträfe, würde ich mal anfragen, ob vielleicht eine Iridotomie hilfreich sein könnte.

    Viele Grüße - Malve

  • Hallo Malve,

    der Wert von 20 mm Hg ist der höchste überhaupt bei mir gemessene Wert, aber die absolute Ausnahme. 2020 hatte ich Werte zwischen 17 und 19 mm Hg, da wurden auch 2 x Papillenrandblutungen festgestellt. 2021 lagen meine Werte wieder in meinem langjährigen Normalbereich zwischen 14 - 17 mm Hg, Papillenrandblutungen wieder verschwunden.


    Meinen zu engen Kammerwinkel haben nur 2 Augenärzte angesprochen: Meine AA am alten Wohnort und der neue AA in der neuen Heimat. In der Klinik wurde darüber nie etwas geäußert. Wie schon gesagt, ich werde in der Uniklinik noch mal nachfragen, was die von der ganzen Geschichte halten. Ich habe mich an der Uniklinik Tübingen immer gut aufgehoben gefühlt und vertraue am ehesten dem Urteil der dortigen Ärzteschaft.


    LG

    gabrilla