OCT-Scan: RNFL-Dicke vs. Signalstärke

  • Hallo Leute,
    ich habe zu diesem Thema bisher nichts gefunden.


    Seit 2017 mache ich nun OCT-Scans, um das Glaukom zu überwachen.
    Trotz Tropfentherapie und gut eingestelltem Augeninnendruck gab es einen Rückgang von 7 µm in 6,5 Jahren.
    Mir ist dann aufgefallen, dass die Signalstärke des Geräts (Cirrus) mit dem Verlust korreliert.

    2017 hatte ich noch eine Signalstärke von 7 und im Jahr 2023 war es nur 4 auf beiden Augen.
    Nach Recherche sagen manche Studien, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Signalstärke und RNFL-Dicke, andere wiederum nicht.
    Der Hersteller empfiehlt mindestens > 6. Er schreibt:
    "Dieser erscheint oberhalb des RNFL-Kreisscanbildes. Die Signalstärke liegt zwischen 0 und 10, wobei 10 die maximale Signalstärke darstellt.
    Werte unter 6 liegen unterhalb des akzeptablen Schwellenwertes; Werte von 6 oder höher sind akzeptabel."
    Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Machen eure Ärzte einen neuen Scan wenn der Wert unter 6 liegt?
    Wie waren so eure Schwankungen bei mehreren Scans?
    Ich habe ja die Hoffnung, dass mein Ausgangswert von 2017 gar nicht schlechter wurde, da hier noch eine Signalstärke von 7 vorlag.
    Bin für jede Erfahrung sehr dankbar [Blockierte Grafik: https://static.xx.fbcdn.net/images/emoji.p…/1/16/1f60a.png]

    P.S. ich habe folgende Studie gefunden, die sehr interessant klingt.
    "Utilisation of poor-quality optical coherence tomography scans: adjustment algorithm from the Singapore Epidemiology of Eye Diseases (SEED) study"
    Kernaussage:
    "Results: Average retinal nerve fibre layer (RNFL) thickness showed shift of 4.11 µm from SS of 5 to 6. Above 6, it increased by 1.72 and 3.35 µm to 7 and 8; and by 1.09 µm (per unit increase) above 8 SS. Average ganglion cell-inner plexiform layer (GCIPL) thickness shifted 5.15 µm from SS of 5 to 6. Above 6, increased by 0.94 µm from 7 to 8; and by 0.16 µm (per unit increase) above 8 SS."
    Klick

    Freundliche Grüße

    Einmal editiert, zuletzt von Sabine (27. Dezember 2023 um 10:58) aus folgendem Grund: Link als Direktlink korrigiert

  • Hallo tommich1989,

    leider kann ich gar nichts hilfreiches zu deinem Beitrag sagen, weil ich das, was du schreibst, noch nie gehört oder gelesen habe.

    Aber ich möchte dir danken, weil du da ein unglaublich interessantes Thema ansprichst, wie ich finde, das mich ebenfalls brennend interessiert.

    Wovon hängt denn die Signalstärke ab ? Und kann also eine zu geringe Signalstärke eine Verschlechterung simulieren, die es objektiv gar nicht gibt ?

    Ich hoffe daher, dass es user gibt, die dazu eine Aussage treffen können.

    Ich bin gepsannt wie ein Flitzebogen.

    Viele Grüße, Tanja

    Einmal editiert, zuletzt von Tanjalein (22. Dezember 2023 um 12:37)

  • Einflüsse auf die Signalstärke kann ich dir von folgender Studie zitieren:

    Relationship between retinal nerve fiber layer measurement and signal strength in optical coherence tomography

    DOI: 10.1016/j.ophtha.2007.11.027

    "A number of factors, including pupil size, the presence of lens opacity, and corneal drying, have been reported to influence the measurement of RNFL thickness."

    In dieser Studie von 2009 kamen die Autoren auch zu dem Ergebnis dass zwischen Signalstärke 5 und Signakstärke 10 bis zu 20 µm sein können!!!

    Einige englische Videos auf englisch in Youtube zeigen auch krasse Schwankungen auf...

    Meine Studie vom ersten Beitrag oben ist von 2022 und damit wirklich sehr aktuell....

    Und ich habe zu der Studie die Tabellen gefunden wie man zwischen den Signalstärken umrechnen kann.

    Um von Signalstärke 4 auf 7 umzurechnen kann ich +5,784 µm addieren.

    Um von Signalstärke 4 auf 10 umzurechnen kann ich +9,64 µm addieren.

    Dann wäre ich sogar wieder im grünen Bereich statt rot....

    Ich bin nur echt verblüfft, dass es auf deutsch dazu kaum Infos gibt oder auch in Foren nicht wirklich disktutiert wird...

    2 Mal editiert, zuletzt von tommich1989 (22. Dezember 2023 um 12:56)

  • Hi,

    danke dir !

    Also kann die Signalstärke durch trockene Augen, Größe der Pupille, Linsentrübung etc. beeinflusst werden, was dann letztlich sich auf die gemessene RNFL-Dicke auswirkt.

    Krass interessant.

    Aber diese Faktoren sind ja auch - zumindest teilweise - schwankend. Wenn also die Werte sich bei mehreren aufeinander folgenden Messungen stetig verschlechtern, dann muss man doch trotzdem von einer "echten" Verschlechterung ausgehen. Obwohl...eine Linsentrübung schreitet ja eher linear voran und schwankt eben nicht.

    Ich frage mich halt, warum bei dir die Signalstärke offenbar dauerhaft zu niedrig ist und woran das liegt. Und dann muss sich natürlich die Frage anschließen, warum man die Scans bei dir nicht wiederholt, obwohl doch die Signalstärke ganz offenbar zu niedrig für eine wirklich objektive Messung ist.

    Ich bin mega gespannt, was evtl. andere dazu sagen können. Finde das Thema sehr spannend!

    4 Mal editiert, zuletzt von Tanjalein (22. Dezember 2023 um 13:06)

  • Ich bin auch schon ganz gespannt.

    Ich finde das Thema enorm wichtig. Gerade, um eine Verschlechterung besser einordnen zu können.

    Sicher wird sich noch jemand dazu melden.

    Wenn die Augenärzte ja mehr Zeit hätten (die sie aber nicht haben), dann könnte man sich das mal von einem Experten erläutern lassen...

    Einmal editiert, zuletzt von Tanjalein (31. Dezember 2023 um 13:05)

  • Prof Erb hat zu meinen OCTs gesagt, dass die Signalstärke 6/10 zu schwach für einen wirklichen Vergleich wäre.

    Leider habe ich nicht nachgefragt, woran das schwache Signal liegt und wie man es verbessern kann (falls möglich).

    Werde da beim nächsten Termin genauer nachfragen.

    Einmal editiert, zuletzt von DieSonneistGelb (31. Dezember 2023 um 13:54)

  • Hallo Tommich,

    Ganz sicher ist das eine interessante Frage!

    Seit 2017 mache ich nun OCT-Scans, um das Glaukom zu überwachen.
    Trotz Tropfentherapie und gut eingestelltem Augeninnendruck gab es einen Rückgang von 7 µm in 6,5 Jahren.
    Mir ist dann aufgefallen, dass die Signalstärke des Geräts (Cirrus) mit dem Verlust korreliert.

    2017 hatte ich noch eine Signalstärke von 7 und im Jahr 2023 war es nur 4 auf beiden Augen.
    Nach Recherche sagen manche Studien, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Signalstärke und RNFL-Dicke, andere wiederum nicht.

    Auch bei mir gab es über die Jahre immer wieder Schwankungen in der Bildgebung (HRT/OCT). Das war aber eher ein Auf und Ab und kein klarer Trend, wie sich an der Entwicklung der einzelnen Sektoren und vor allem am Vergleich der Graphen erkennen ließ. Und anders als bei Dir war bei meinen Aufnahmen keine so eindeutige Beziehung zwischen Aufnahmequalität und RNFL-Dicke bzw. anderen gemessenen Werten auszumachen

    Besorgt wegen einer möglichen Progression, habe ich mich auch mit den möglichen Fehlerquellen beschäftigt. Wobei natürlich der Signalstärke / Qualität der Aufnahme große Bedeutung zukommt. Schließlich kann man auf einer verwackelten oder unscharfen Aufnahme nix genaues erkennen!

    Die Ergebnisse meiner Literaturrecherche decken sich mit den Deinen: In den mir dazu bekannten Studien wird die RNFL mit abnehmender Signalstärke mal dünner aber auch mal dicker gemessen und mal wurde gar keine signifikante Korrelation zwischen beidem festgestellt. Also ich konnte dem keine eindeutige Aussage hinsichtlich der Art der Korrelation von Aufnahmequalität und gemessener RNFL-Dicke entnehmen!

    Dabei ist aber wohl zu berücksichtigen, dass die Studien (zumindest die mir bekannten) jeweils ein OCT-Gerät nutzen. Also dürften die Ergebnisse wohl erst mal nur für dieses Gerät gelten! Oder ist Dir eine (Meta)Studie bekannt, die verschiedene Geräte im Hinblick auf diese Korrelation vergleicht?

    Einen sehr guten Überblick für das bei Dir verwendete Cirrus von Zeiss gibt dieser Artikel, den Du vielleicht kennst; unter 2.6 findet sich ein sehr eindrückliches Beispiel für die positive Korrelation von Signalstärke und RNFL-Dicke.

    Factors Affecting Cirrus-HD OCT Optic Disc Scan Quality: A Review with Case Examples
    Spectral-domain OCT is an established tool to assist clinicians in detecting glaucoma and monitor disease progression. The widespread use of this imaging…
    www.ncbi.nlm.nih.gov

    Deutlich wird in diesem Artikel aber auch, dass die Signalstärke kein unabhängiger Faktor ist! So wie ich das verstehe, ist die schlechte Qualität der Aufnahme meist bedingt durch die spezielle Anatomie der Augen bzw. durch andere Pathologien. Da sind die Faktoren im Spiel, die auch ansonsten zu Artefakten in der Bildgebung führen können.

    Darüber wurde hier im Forum schon oft diskutiert. U.a. hier:

    Chanceline
    10. November 2022 um 21:47

    Was die konkrete Situation bei Dir angeht, kann ich mich Tanjaleins Fragen nur anschließen: hast Du eine Idee, was bei Dir dazu führt, dass die Signalstärke Deiner OCTs regelmäßig vermindert ist? Von wem und wo werden die Aufnahmen denn gemacht?

    Vergleichen kann ich Deine OCTs nicht: das letzte geht nicht auf!

    Aber so wie Du das beschreibst, würde sich für mich erstmal die Frage stellen: ist das ein konstanter Trend nach unten, oder handelt es sich um Schwankungen? Ist dieser Rückgang diffus oder betrifft er immer den/dieselben Bereich(e); möglicherweise gar solche, die für eine glaukomatöse Entwicklung besonders verdächtig sind?

    Was sagen die anderen Parameter, insbesondere die Papillenwerte, CDR usw.?

    Und vor allem: was sagt Dein AA dazu?

    Wertet er diesen Rückgang als eindeutiges Zeichen einer Progression? Was sagt das Gesichtsfeld? Gibt es sonst bei den Untersuchungen Hinweise auf ein Fortschreiten der Erkrankung? Ist eine Umstellung der Therapie erfolgt?

    Hast Du mit dem AA schon darüber gesprochen? Ich finde, er sollte sich diese Fragen über die Zuverlässigkeit der Bildgebung bei Dir schon gestellt haben, bevor Du als Patient darüber ins Grübeln kommst!

    LG

    Chanceline

  • Wow vielen Dank für deine sehr gut geschriebene Antwort. Das könnte so fast abgedruckt werden :D

    Eine Metanalyse habe ich leider nicht gefunden zu den unterschiedlichen Geräten. Habe versucht hauptsächlich auch bei Zeiss zu bleiben mit den Studien. Mir ist aufgefallen, dass der Body of Evidence eine Korrelation zwischen RFNL-Dicke und Signalstärke sieht. (es gibt hier eher mehr Studien die einen Zusammenhang sehen als andersherum).

    Den Artikel habe ich auch gefunden und ich finde ihn auch sehr gut für die Zeiss-Geräte =)

    vielen Dank für den Hinweis bzgl. der Vergleich der Quandranten.

    Im Anhang habe ich mal meine OCT beigefügt, sowie eine Übersichtstabelle mit allen Werten.

    Meine Augenarzt hatte sich das OCT vllt 1 Minute angeschaut und nur gesagt "kann ein Messfehler sein".

    Auf die Signalstärke bin ich erst danach gestoßen. Habe Ende Februar einen neuen Termin und einen Fragenkatalog vorbereitet =)

    Also warum meine Signalstärke immer schlechter wurde, würde mich auch sehr interessieren. Kann es mir höchstens wegen trockener Augen erklären. Mehr aber auch nicht. Floaters habe ich auch. Aber nicht so extreme viele eigentlich.

    Das OCT wurde jedes mal von einer anderen Assistenz gemacht.

    Wie seht ihr meine OCTs so?

    Meines Wissens nach sind die Glaukomquandranten der SUP + INF.

    Hier gibt es einen erkennbaren Verlust. Beim rechten Auge aber ebenfalls in NAS und im linken Auge im TEMP.

    Die anderen Parameter sind zwischen 2017 und 2023 sehr konstant geblieben.

    Ich kriege noch keinen Rheim drauf. Habe ich nun eine Progression oder nicht.

    Gesichtsfelduntersuchungen sind bisher noch unauffällig mit "diffus verteilt relativen Ausfällen", die ich im Alltag aber überhaupt nicht merke.

    Unter der Spaltlampe sind ist meine Excavation 0,5 bzw. 0,6 und auch keine Progession erkennbar.

    Sehnerv sind unter der Spaltlampe ebenfalls gut aus laut Augenarzt.

    Er will erst in einem Jahr ein neues OCT machen und noch an der Therapie bisher nichts verändern.

    Er meinte auch "unter einer durchschnitt. RNFL-Dicke von 65 muss man dann die Reissleine ziehen". Heißt vermutlich eine OP.

    Im Juni bin ich auch in der Uni Tübingen für eine Tagesdruckkontrolle übers Wochenende.

    Die machen ja dann auch Untersuchungen und können mir evtl. alle Antworten liefern.

    Diese Warterei und ungeklärten Antworten machen mich nur etwas fertig ....

  • Hi Tommich, ich weiß nicht wo ich die Signalstärke bei uns ablesen kann.

    Unserer Praxis hat das OPTOPOL und die Uniklinik Spectralis Heidelberg Engineering. Die Ausdrucke von der Uniklinik sind sehr klein und die Zahlen überwiegend verschwommen und nicht leserlich.

    Bei den Ausdrucken unserer Praxis (super leserlich) steht ein QI Wert und ich vermute dass dieser Wert für die Bildqualität (Signalstärke?) steht.

    Die beiden OCTs wurden mit einem Abstand von 6 Monaten gemacht:

    RA (QI 7): Ø NSTIN 62 µm

    LA (QI 7): Ø NSTIN 61 µm

    6 Monate später:

    RA (QI 4): Ø NSTIN 65 µm

    LA (QI 7): Ø NSTIN 62 µm


    Das rechte Auge hat bei uns im Folge-OCT +3 µm bei einer QI -3. Bisher hatten wir nur diese zwei OCTs in der Praxis.


    Bei den Ausdrucken der Uniklinik steht zum Beispiel folgendes: OCT (ART 5) Q: 26 (HS). Keine Ahnung was das bedeutet, aber ich kann keinen anderen Wert finden der die Signalstärke wiedergeben könnte.

    Könnte die Signalstärke nicht aber auch davon abhängig sein, wie arg der Nerv geschädigt ist?

    Ich habe hier im Forum mal gelesen, dass andere Untersuchungen wie Perimetrie an Bedeutung gewinnen wenn die Schädigungen der Sehnerven zu gravierend sind.

    Die Aussagekraft der OCTs hat wohl Grenzen. Meine Vermutung ist, dass bei starken Schädigungen die Bildqualität und die Signalstärke nicht mehr ausreichen und der Restnerv so dünn ist dass man Veränderungen nur noch schwer ausmachen kann.

    Wissenschaftliches kann ich leider nicht beitragen. Weder bin ich vom Fach, noch begreife ich die Ausführungen solcher Studien.

    Tut mir leid.

    Zusatzinfo: Bei OPTOPOL ist unser Tortendiagramm farbenfroher (grün, gelb, rot).

    Bei Spectralis Heidelberg Engineering sind alle Tortenstücke rot.

    Viele Grüße

    Rala

    Einmal editiert, zuletzt von Rala0417 (3. Januar 2024 um 12:22)

  • Rala0417 danke für deine Ausführungen =)

    Ich habe auch davon in Youtube Videos gehört, dass bei sehr niedrigen RNFL-Dicken ein OCT kein Sinn mehr macht.

    Da liegen wir aber eher im Bereich unter 50 µm.

    Folgendes Video finde ich ganz gut:

    10 Hacks for OCT Interpretation in Glaucoma - Dr. Mark Dunbar (youtube.com)

    Ab Minute 09:47 Min werden sehr interessante Sachen gesagt.

    Dass die Signalstärke abhängig von der Schädigung ist, konnte ich bisher in keiner Studie finden.

    Eine Studie von 2008 definiert es so:

    "

    To acquire high-quality images for RNFL measurement, the signal distribution

    along the scan should be uniform with high signal-to-noise ratio (SNR). The SNR is determined by the ratio of signal

    amplitude and the standard deviation of the noise (software version 3.0; Stratus OCT; Carl Zeiss Meditec, Dublin, CA).

    However, it does not account for the signal strength distribution throughout the scan image.

    Signal strength is a parameter introduced in version 4.0.1 that combines SNR

    and uniformity of the signal within a scan. The scale of signal strength ranges from 1 to 10, with 1 representing poor

    image quality and 10 representing excellent image quality. It has been showed that signal strength has a better image

    quality discriminating ability than SNR.

    "

    Im Anhang habe ich von Zeiss auch eine Erklärung gefunden wie man eine gute Signalqualität erreicht.

    Hier wird sogar eher 8 empfohlen.

    "Note: The best images are obtained when the signal is 8 or better for all scans"

  • Hallo Tommich,

    Eine Metanalyse habe ich leider nicht gefunden zu den unterschiedlichen Geräten. Habe versucht hauptsächlich auch bei Zeiss zu bleiben mit den Studien. Mir ist aufgefallen, dass der Body of Evidence eine Korrelation zwischen RFNL-Dicke und Signalstärke sieht. (es gibt hier eher mehr Studien die einen Zusammenhang sehen als andersherum).

    Du hast Dich damit ja nun sicherlich weit intensiver befasst als ich damals. Mir schien das vor allem deswegen nicht eindeutig, weil es auch Studien gab, wo die RNFL mit fallendem Qualitätsindex dicker gemessen wurde.

    Beim Spectralis etwa wurde diese negative Korrelation festgestellt, also genau in entgegengesetzter Richtung wie beim Cirrus!.

    Interessant, dass Rala das genau so berichtet! Auch in meiner eigenen Befundsammlung gibt es dafür ein prägnantes Beispiel.

    Thickness measurements taken with the spectralis OCT increase with decreasing signal strength
    Optical coherence tomography (OCT) is used worldwide by clinicians to evaluate macular and retinal nerve fiber layer (RNFL) characteristics. It is frequently…
    www.ncbi.nlm.nih.gov

    Nun geht es aber um Dein konkretes Problem und die Vorgehensweise!

    Aus Deinen OCTs ist für mich nicht zu erkennen, ob die (mangelnde) Signalstärke Einfluss hat auf das Ergebnis. Die Bilder wirken zwar teilweise etwas unscharf oder verwackelt. Das kann aber auch an Deinem Scanner/Kamera liegen.

    Auffällig scheint mir aber, dass die Graphen im Vergleich von 2017-2023 den deutlichen Einbruch der (Zahlen)Werte nicht so wirklich wiedergeben und dass auch die Papillenwerte ziemlich stabil geblieben sind. Aber das weißt Du ja schon.

    Meine Augenarzt hatte sich das OCT vllt 1 Minute angeschaut und nur gesagt "kann ein Messfehler sein".

    Auf die Signalstärke bin ich erst danach gestoßen. Habe Ende Februar einen neuen Termin und einen Fragenkatalog vorbereitet

    Das Vorgehen Deines AA kann ich nicht nachvollziehen!

    Er will erst in einem Jahr ein neues OCT machen und noch an der Therapie bisher nichts verändern.

    Er meinte auch "unter einer durchschnitt. RNFL-Dicke von 65 muss man dann die Reissleine ziehen". Heißt vermutlich eine OP.

    Entweder es liegt ein Messfehler vor, dann wiederholt man die Messung, sonst hat man sie umsonst gemacht! Oder man erklärt dem Patienten, woran es denn liegt, dass die Bildgebung keine brauchbaren Ergebnisse liefert, bzw. warum man diese nicht beachtet.

    Übrigens sollte lt Handbuch des Cirrus 400/4000 die Signalstärke mindestens 6 betragen.

    Ich persönlich würde da nachhaken. Ohne eine Wiederholung der Messung lässt sich meines Erachtens die Frage nicht klären, ob da möglicherweise doch eine Progression vorliegt!

    Sollte es denn (leider) doch keine Fehlmessung sein, sondern ein tatsächlicher Verlust an Nervenfaserschicht, dann würde ich persönlich nicht erst bei Werten unter 65 die 'Reißleine' ziehen!

    Da wäre - nach meiner persönlichen Meinung - doch wohl vorher zu überlegen, warum die Sehnerven bei anscheinend gutem Druck weiter abbauen und wie man dem am besten begegnet.

    Aber erstmal solltest Du im Gespräch mit Deinem AA den Stand der Dinge klären!


    Also warum meine Signalstärke immer schlechter wurde, würde mich auch sehr interessieren. Kann es mir höchstens wegen trockener Augen erklären. Mehr aber auch nicht. Floaters habe ich auch. Aber nicht so extreme viele eigentlich.

    Das OCT wurde jedes mal von einer anderen Assistenz gemacht.

    Nach meiner Kenntnis können sowohl ungeübtes bzw. nicht ausreichend geschultes Bedienungspersonal wie auch trockene Augen Einfluss auf die Aufnahmequalität haben. Letzterem lässt sich durch Befeuchtungstropfen abhelfen.


    Im Juni bin ich auch in der Uni Tübingen für eine Tagesdruckkontrolle übers Wochenende.

    Die machen ja dann auch Untersuchungen und können mir evtl. alle Antworten liefern.

    Diese Warterei und ungeklärten Antworten machen mich nur etwas fertig ....

    Hat Dein AA Dich nach TÜ überwiesen oder war das Deine Idee?

    Auf jeden ist es gut, dass Du da hingehst. Möglicherweise gibt es ja bislang unerkannte Druckspitzen.

    Nimm auf jeden Fall alle Vorbefunde mit. An so einer großen Uni-Klinik stehen meist verschiedene OCT-Geräte zur Verfügung. Vielleicht können die auch mit dem Cirrus messen, dann wäre das besser vergleichbar.

    An Deiner Stelle würde ich mir überlegen, ob Du künftig einmal im Jahr (zusätzlich zum Haus AA) zur Verlaufskontrolle in die Klinik gehst.

    Wie etliche andere User hier, mache auch ich das inzwischen so. Nach meiner Erfahrung bislang funktioniert gerade die Bildgebung dort weitaus zuverlässiger als in meiner (ehemaligen) AA-Praxis.

    rala

    beim Spectralis gibt, wie Du richtig vermutest, der Q-Wert die Signalstärke wieder. Der Hersteller empfiehlt einen Mindestwert von 15.

    HS (high speed) und HR (high resolution) bezeichnen die Aufnahmemodi: schnell/hohe Auflösung.

    LG

    Chanceline

  • Hi Tommich, das Video schau ich mir nachher an, vielen Dank.

    Ich habe hier mal nachgelesen:

    200558-001_SPECTRALIS_Brochure_Glaucoma-Toolkit_DE.pdf (heidelbergengineering.com)

    Beim Spectralis Heidelberg Engineering sind bei uns ja alle Tortenstücke rot und unter 1%.

    Auf Seite 8 wird die RNFL-Ausmessung beschrieben.

    Bei uns ist der Restnerv hauchdünn und beim horizontalen OCT-Scan liegen die rote und die grüne Linie fast aufeinander. Ich kann mir kaum vorstellen, dass man hier noch großartige Veränderungen sehen und entdecken könnte, da die Linien nahezu keinen Raum dazwischen lassen.

    Im RNFL-Dickenprofil kriecht die Linie ganz unten im roten Bereich in niedrigen Zacken vor sich hin. Die Spitze der höchsten Zacke streift gerade noch so den gelben Bereich.

    Ich hatte das Gefühl, dass die Ärzte bei uns nun mehr Gewicht auf andere Untersuchungen legen als auf die OCT. Gesagt hat das niemand, aber ich hatte diesen Eindruck gewonnen.

    Im RNFL-Klassifizierungsdiagramm liegt der MRW-Globalwert (µm) bei 31 und 34. (ich weiß aber nicht was der MRW Wert aussagt).

    Ich denke, dass es wichtig ist, dass man bei einem Gerät bleibt, weil die Befunde von Gerät zu Gerät (natürlich auch Hersteller zu Hersteller) voneinander abweichen können.

    Bei dir wurde alles offenbar mit dem gleichen Gerät gemessen und zuletzt hat man bei dir eine Signalstärke von 7 im Jahr 2017 erreicht. bei den weiteren OCTs der Folgejahre nahm die Signalstärke ab.

    Solange die Signalstärke unterhalb des empfohlenen Wertes liegt, hätte ich an deiner Stelle auch die Hoffnung, dass der Rückgang von 7 µm in 6,5 Jahren nicht an einen tatsächlichen Rückgang der Sehnerven liegt sondern schlicht an Bildungenauigkeiten.

    Ich weiß nicht, ob ich das ein Jahr bis zum nächsten Scan abwarten könnte. Da die OCT keine Kassenleistung ist würde ich wegen der schlechten Signalstärke (in Verbindung mit dem Rückgang) nachfragen. Immerhin hat man die Untersuchung auch bezahlt.

    Schließlich empfiehlt der Hersteller klar >6. Liegt es also am Personal der/die das Gerät bedient und sich beeilt hat? Oder macht er/sie alles sehr gewissenhaft und es war keine bessere Signalstärke zu erreichen? Wenn dem so ist, woran kann das liegen?

    Ich wünsche dir sehr, dass es keinen Rückgang gab und dich der nächste Scan aufatmen lässt. Es wäre sehr interessant mal ein Update von dir zu lesen.

    Liebe Grüße

    Rala

    2 Mal editiert, zuletzt von Rala0417 (3. Januar 2024 um 15:24)

  • Chanceline

    Wow vielen Dank für deine Ausführungen. Machst mir ein wenig Mut =)

    Der Hinweis mit den Augentropfen vor dem OCT finde ich auch mega Klasse. werde es ansprechen

    Tübingen wir meine Idee. Der AA hätte es so einfach so weiterlaufen lassen.

    Beim nächsten Gespräch bin ich aber deutlich besser vorbereitet und kann Ihn darauf festnageln.

    Kann auch Juni kaum abwarten nach Tübingen zu gehen. Diese Warterei ist aber echt übel... Deswegen suche ich auch ein wenig Trost hier im Forum und Bestätigung. Ich denke 1 mal pro Jahr oder wenigstens alle 2 Jahre in eine Augenklinik zu gehen, ist auf jeden Fall kein Fehler!

    Ich habe mir jetzt schon 2 Bücher von Frau Strempel und 1 von Herr Flammer geholt und nehme es jetzt selbst in die Hand.

    Lasse auch beim Hausarzt einen 24 h Blutdruckcheck machen sowie diverse Blutparameter bestimmen.

    Zitat von Chanceline

    Auffällig scheint mir aber, dass die Graphen im Vergleich von 2017-2023 den deutlichen Einbruch der (Zahlen)Werte nicht so wirklich wiedergeben und dass auch die Papillenwerte ziemlich stabil geblieben sind

    Müssen die anderen Parameter (wie CD-Ratio, Papillenbereich, Randbereich, Cup-Volumen) denn zwingend schlechter werden, wenn das Glaukom voranschreitet? Also bedingt sich alles gegenseitig?

    Das würde ja eher dafür sprechen warum mein AA relativ entspannt ist. Zumal unter der Spaltlampe auch alles in Ordnung erscheint.

    Freundliche Grüße

  • Hallo zusammen,

    mein OCT wurde wohl bisher lt Ausdrucken mit einem Octopus 900 von Canon gemacht.

    Hat jemand von euch Erfahrungen damit gemacht?

    Ich wusste bisher nur, dass es am besten immer das gleiche sein sollte .....

    Aber da ich die Diagnose erste vor knapp einem Jahr bekam, verstehe ich auch einiges noch nicht.

    Dumme Frage: was ist die Signalstärke und wo kann ich sie auf der Auswertung lesen?

    Gehe am 20. Februar wieder zu meiner Ärztin und werde hoffentlich nicht vergessen danach zu fragen.

    LG

    Gypsy

  • Hallo Chanceline,

    du hast recht. Habe den ganzen Stapel hier zusammen liegen und schaue da halt noch immer nicht so richtig durch .

    Das Perimetrie-Geraet ist das Octopus 900 und das, was wie das OCT aussieht, ist von Canon, OCT-HS100 Vers.4.5.0.

    Kennst du das evtl?

  • Hallo Tommich,

    Tübingen wir meine Idee. Der AA hätte es so einfach so weiterlaufen lassen.

    Beim nächsten Gespräch bin ich aber deutlich besser vorbereitet und kann Ihn darauf festnageln.

    Dass Du Dich da selbst kümmerst, das finde ich sehr gut. Auch wenn es natürlich wünschenswert wäre, dass Dein AA Dir solche Schritte vorschlägt, wenn sie notwendig sind.


    Müssen die anderen Parameter (wie CD-Ratio, Papillenbereich, Randbereich, Cup-Volumen) denn zwingend schlechter werden, wenn das Glaukom voranschreitet? Also bedingt sich alles gegenseitig?

    So wie mir das einer meiner AAs mal erklärt hat, bedingt sich das schon gegenseitig. Wenn die Nervenfasern im Bereich der Netzhaut durch ein Glaukom ausgedünnt werden, dann ist davon (möglicherweise zeitlich versetzt) auch der neuroretinale Randsaum der Papille betroffen. Dort bündeln sich die Nervenfasern und verlassen das Auge in Richtung Gehirn. Folglich wird mit dem Fortschreiten der Erkrankung der Randsaum schmaler und dünner, die Exkavation nimmt zu und der CDR-Wert, der ja das Verhältnis der Exkavation zur Gesamtfläche der Papille wiedergibt wird höher.

    Das ist vielleicht etwas vereinfacht dargestellt, aber so habe ich das begriffen.

    Mit dem OCT werden ja verschiedene glaukomrelevante Strukturen an unterschiedlichen Orten des Augenhintergrundes vermessen. Einmal die Papille selbst, dann die Nervenfaserschicht in einem bestimmten Abstand (Standard: 3,5mm) rund um die Papille. Und dann wird, zumindest beim Spectralis, das bei mir zum Einsatz kommt, auch noch die Schichtdicke im Bereich der Makula rund um die Fovea bestimmt. Das kann je nach Gerät unterschiedlich sein und der dem Patienten ausgehändigte Ausdruck enthält auch nicht immer alle diese Auswertungen.

    Der AA allerdings kann sich all das ebenso wie die Rohdaten am PC anschauen; und er kann aus den vorangegangenen Messungen eine Prognose für den weiteren Verlauf errechnen.

    Vielleicht konsultiert Dein AA ja nicht nur kurz den Ausdruck, sondern sieht sich das genauer an, wenn auch nicht in Deinem Beisein.

    Das würde ja eher dafür sprechen warum mein AA relativ entspannt ist. Zumal unter der Spaltlampe auch alles in Ordnung erscheint.

    Frag einfach mal nach!

    LG

    Chanceline

  • Hallo Gypsy,

    Leider sagt mir das nichts! Das scheint relativ neu zu sein, zumindest hierzulande.

    Versuche doch einfach mal mit dieser Bezeichnung zu googeln.

    Von den meisten Herstellern findet man im Netz nützliche Informationen zu den Geräten.

    Am besten schau nach dem Handbuch. Dort sollten sich Infos finden zum Qualitätsindex.

    Falls mir dazu noch was über den Weg läuft, melde ich mich!

    LG

    Chanceline