Verdacht auf Glaukom

  • Guten Tag,

    ich bin neu hier und habe eine Frage:

    Mein Augenarzt (neu wg. Umzugs) hat mich wegen eines erhöhten Augeninnendrucks in die Augenklinik mit Verdacht auf beginnendes Glaukom geschickt. Dort wurde mir ohne große Aufklärung Monoprost verschrieben. Daraufhin war der AID o.k.

    Mein Gesichtsfeld ist seit Jahren kaum eingeschränkt. Beim einen Auge seit 2023 konstant gut, beim anderen Auge ganz leicht verschlechtert. Der AID war immer bei ca. 17 - 18, nun erstmals erhöht bei 22.

    Ich hatte bei dieser schnellen Diagnose mit anschließendem lebenslänglichen Tropfen ein Störgefühl und bin daraufhin für eine Zweitmeinung in die Uniklinik Tübingen. Dort sagte man mir, man würde NIE bei bloßem Verdacht auf Glaukom Monoprost verschreiben, niemals präventiv. Erst als Behandlung bei nachgewiesenem Glaukom.

    Wie ist hierzu die Ansicht / Erfahrung im Forum? Im Internet finde ich Widersprüchliches.

    Danke für eine Antwort!

    Wuschele

  • Hallo Wuschele,

    nach meiner Erfahrung wird ein erhöhter Augeninnendruck beobachtet, bzw das Auge wird beobachtet, indem Gesichtsfeld und Sehnerven regelmäßig untersucht werden. Dafür ist das OCT wichtig, um eine eventuelle Verschlechtertung, also Abbau der Sehnerven festzustellen.

    Je nachdem können Sehnerven unterschiedliche Drücke vertragen, ohne Schaden zu nehmen.

    Auch bei mir wollte der AA nicht zu früh die Tropftherapie starten.

    Drücke zwischen 21 und 24 wurden 15 Jahre lang beobachtet, bis dann aufgrund Verengung des Kammerwinkels und einer Verschlechterung im OCT die Tropftherapie gestartet wurde.

    Mein Gesichtsfeld war da aber vollkommen OK.

    Bist du dir sicher dass dein Gesichtsfeld sich verschlechtert hat? Soweit ich weiß, sind dann bereits deutliche Schäden an den Sehnerven vorhanden (wenn es nicht andere Ursachen hat).

    Dann könnte auch die Diagnose Glaukom von der Diagnose Hypertonie abgegrenzt werden...

    Es gibt verschiedene Glaukomformen. Was wurde dir gesagt?

    Alles Gute und LG Nin

  • Hallo Wuschele!

    Willkommen im Forum.

    Mein Gesichtsfeld ist seit Jahren kaum eingeschränkt. Beim einen Auge seit 2023 konstant gut, beim anderen Auge ganz leicht verschlechtert. Der AID war immer bei ca. 17 - 18, nun erstmals erhöht bei 22.

    Wenn ein Gesichtsfeld eingeschränkt ist (wenn auch kaum), besteht schon eine bemerkbare Schädigung des Sehnerven. Und wenn ein Auge sich verschlechtert hat, dann ist da ja nun auch eine Schädigung vorhanden.

    Dann ist ja ein Glaukom da! Wenn das denn so ist.

    Ich hatte bei dieser schnellen Diagnose mit anschließendem lebenslänglichen Tropfen ein Störgefühl und bin daraufhin für eine Zweitmeinung in die Uniklinik Tübingen. Dort sagte man mir, man würde NIE bei bloßem Verdacht auf Glaukom Monoprost verschreiben, niemals präventiv. Erst als Behandlung bei nachgewiesenem Glaukom.

    Hatten die in Tübingen denn keine Schädigung an den Sehnerven diagnostiziert?

    Und es gibt schon Fälle, wo man z. B. bei einer OHT (oculären Hypertension, ohne Sehnervschäden) anfängt zu tropfen. Das ist individuell zu beurteilen und nicht pauschal zu beantworten.

    Hast Du Befunde, die Du anonymisiert hochladen könntest? OCT-Befunde, Gesichtsfeld-Befunde oder Arztbriefe?


    Ich schließe mich auch Nin an, welche Glaukomform liegt bei Dir vor?


    Viele Grüße

    Sabine

  • Hallo Nin, hallo Sabine,

    zu der Art des Glaukoms wurde nichts gesagt, da ich zumindest lt. Tübingen kein Glaukom habe, sonden nur der VERDACHT besteht.

    Auslöser der Untersuchungen war der AID von 22, weswegen mich der 1. Arzt zur Untersuchung in die Klinik schickte. Der dortige Arzt schrieb in seinem Arztbericht auch nur von "Verdacht" und verschrieb sofort die Tropfen. Der 3. Arzt setzte die Tropfen ab, da ich kein Glaukom hätte und will beobachten.

    Zum Gesichtsfeld wurde von einem der Ärzte gesagt, das sei völlig harmlos und keine wirkliche Verschlechterung, der andere sah es etwas kritischer.

    Da ich jetzt die Tropfen für 4 Wochen abgesetzt habe und danach wieder in Tübingen der AID gemessen wird, ist die Diagnose dort noch nicht abgeschlossen, und ich habe auch keine Unterlagen erhalten. Werde ich in 4 Wochen erbitten.

    Meine Frage ist lediglich, ob man bereits beim bloßen VERDACHT tropft, oder erst, wenn man ein Glaukom hat.

    Noch eine andere Frage: gibt es hier im Forum die Möglichkeit, eine mail-Benachrichtigung einzustellen? Ich habe nämlich Eure Antworten erst heute mitgekriegt...

    Jedenfalls vielen Dank für Eure Antworten, ich sehe jetzt klarer, wie ich meine Fragen an den Arzt strukturieren muss und gehe besser vorbereitet ins nächste Gespräch.

    LG Wuschele

  • Meine Frage ist lediglich, ob man bereits beim bloßen VERDACHT tropft, oder erst, wenn man ein Glaukom hat.

    Hallo Wuschele, ich verstehe Deine Frage. Die Antwort ist aber nicht ganz einfach.

    Am Anfang besteht oft nur der Verdacht auf ein Glaukom. Diesen Verdacht äußert der Arzt anhand des Befundes an der Spaltlampe. Wenn schon Gesichtsfeldausfälle bestehen, ist der Verdacht natürlich gesichert.

    Ansonsten bleibt es beim Verdacht und es gibt keine beweisenden Untersuchungen, wie bei anderen Krankheiten. Das OCT stellt auch nur einen aktuellen Befund dar und kann allenfalls den Verdacht unterstützen.

    Und der Druck ist schon gar kein Kriterium für ein Glaukom. Man kann ein Glaukom bei hohem oder niedrigem Augendruck haben und man kann einen hohen Augendruck ohne Glaukom haben.

    Der Arzt sieht also bestimmte Auffälligkeiten und hat den Verdacht, daß sich das in Richtung Glaukom entwickeln könnte.

    Er hat jetzt 2 Möglichkeiten: Er wartet einfach ab, im Laufe der Zeit würde ein Glaukom immer fortschreiten und irgendwann hast Du Ausfälle, die die Diagnose bestätigen. Dann hättest Du zumindest Sicherheit.

    Oder er hat schon oft solche Befunde gesehen, aus denen sich später ein Glaukom entwickelt hat und möchte schwere Schädigungen vermeiden und rät Dir schon mal zu einer Tropftherapie wahlweise auch zu einer Laserbehandlung, um den Druck zu senken.

    Denn die Drucksenkung ist die einzige Option, um Fortschritte zu verhindern, also nicht um der Entstehung eines Glaukoms vorzubeugen, sondern um bei Verdacht auf Glaukom schon mit der Behandlung zu beginnen, da es sonst zu Schädigungen am Sehnerven kommt.

    Und es kann durchaus passieren, daß der Arzt sich irrt, dann würdest Du tropfen und hättest aber auch ohne Tropfen vielleicht nie ein Glaukom entwickelt.

    Oft stellt sich erst im Verlaufe vieler Untersuchungen, oft sogar im Verlauf von Jahren heraus, ob wirklich ein Glaukom vorliegt, oder ob nur eine bestimmte Auffälligkeit der Augen ohne Krankheitswert besteht.

    Schau Dir hierzu mal den Verlauf von Tanjalein (herzliche Grüße, liebe Tanjalein und Gratulation zu dem Befund) an, sie hat ja gerade gepostet.

    Solche Beispiele gibt es hier einige im Forum.

    Wenn die Diagnosestellung schwierig ist, werden in der Regel Spezialisten aus der Klinik hinzugezogen, die täglich Glaukomaugen bewerten und große Erfahrungen haben. Aber auch diese können oft nur den Verdacht bestätigen.

    Irgendwann ist der Patient am Zuge. Nur er entscheidet, ob er sich auf die Therapie einläßt oder nicht. Wenn Du den Anspruch hast, vor der Tropftherapie erst absolute Gewißheit haben zu wollen, halte ich diesen Anspruch bei dem gegenwärtigen Stand der Glaukomforschung für zu hoch. Aber das Risiko mußt Du letzten Endes selber tragen. Es gibt hier leider im Forum auch Beispiele, wo Patienten die Tragweite der Verdachtsdiagnose nicht erkannt und dies später sehr bedauert haben.

    Ich wünsche Dir alles Gute. Beste Grüße Malve

  • Hallo Malve,


    vielen Dank für Deinen ausführlichen Rat! Ich war ja nun schon bei 2 Spezialisten von Augenklilniken, einer davon eine Uniklinik. Der erste hat mir husch-husch die Tropfen verschrieben, ohne große Erklärung. Der von der Uniklinik hat viel erklärt und macht beim nächsten Mal 3 oder 4 Messungen des AID, dann sehen wir weiter. Ich warte jetzt mal den Termin ab und stelle bessere Fragen, die ich dank Euch im Forum jetzt kenne....


    Vielen Dank nochmal und viele Grüße zurück

    Wuschele

  • Hallo Wuschele,

    u.a. Malve hat dir eine sehr zutreffende und ausführliche Auskunft gegeben, der ich mich nur anschließen kann.

    Es gibt Fälle, in denen es aufgrund eindeutiger Befunde sehr einfach ist, ein Glaukom festzustellen und es gibt tatsächlich auch Fälle (ich bin einer davon) wo sich noch nicht mal die Ärzte einer Uniklinik sicher sind, ob ein Glaukom vorliegt oder doch nur eine OHT mit zusätzlich auffälligem Sehnerv.

    Das geht bei mir jetzt an die 35 Jahre so.

    Mir hat damals direkt, als ich 20 war, der erste Augenarzt Tropfen verschrieben und ich tropfe unter dem Strich inzwischen 30 Jahre.

    Rückschauend betrachtet, bin ich froh darüber.

    Jedenfalls habe ich lieber 30 Jahre womöglich unnötig getropft als nicht getropft zu haben und evtl. nun fortgeschrittene Schäden zu haben.

    Es ist nicht einfach, aber ich wünsche dir, dass du trotzdem die für dich richtige Entscheidung triffst bzw treffen wirst, in Kooperation mit den Ärzten natürlich.

    LG, Tanja

  • Liebe Tanja,

    entschuldige, daß ich jetzt erst antworte, in der Zwischenzeit ist mein Mann sehr schwer erkrankt, so daß mein Problem etwas in den Hintergrund gerückt ist.

    Mir haben die Antworten hier sehr geholfen, so daß ich jetzt die Sache besser einordnen und strukturieren und die richtigen Fragen stellen kann.

    Werde also nach 4 Wochen Tropfpause demnächst an der Uniklinik Tübingen aufschlagen und dann hoffentlich wissen, ob ich ein Glaukom habe oder nicht.

    Vielen Dank nochmal und liebe Grüße

    Jutta

  • Hallo zusammen,

    "Jedenfalls habe ich lieber 30 Jahre womöglich unnötig getropft als nicht getropft zu haben und evtl. nun fortgeschrittene Schäden zu haben."

    Das wäre aber doch nicht passiert - sobald die ersten Schäden erkennbar gewesen wären, hättest du begonnen zu tropfen!

    Ich habe ja nun eine gesicherte Diagnose von der Spezialistin und tropfe seit einem Viertel Jahr jeden Abend.

    Und merke die ersten Nebenwirkungen. Wenn ich nachts aufwache kleben manchmal meine Lider, wenn ich die Augen aufmachen will. Öfter mal rote Augen, leichte Bindehautentzündung. Auf die Kontaktlinsen kann ich bei der Geländearbeit kaum verzichten.

    Bei Normaldruck ist eine Drucksenkung auch nicht unbedingt zwingend - hat sich doch auch bei normalem Druck das Glaukom entwickelt. Und Drucksenkung hilft nicht bei allen.

    Wenn ich also für den Rest meines Lebens tropfe, habe ich zwar die Unannehmlichkeiten - die sich bisher zum Glück in Grenzen halten - aber keine Garantie, dass die Therapie wirklich hilft.

    So hoffe ich nun auf neue Erkenntnisse durch die 24-Stunden Augendruckmessung und den retinalen Venendruck ...

    Wuschele, in Tübingen wär ich so gern mal wieder, wenn auch nicht unbedingt in der Uniklinik.

    LG Uli

    PS: Dass Augenärzte diese Diagnose geben und dann ohne Erklärungen Tropfen verschreiben ist wohl ziemlich normal. Meine AÄ hat nur meine Frage nach dem Unterschied zwischen einem Donat und einem Schwimmring (dem mein Sehnervkopf ähnlich sei) geantwortet und mehr Info mit dem Hinweis auf Zeitmangel verweigert.

    Einmal editiert, zuletzt von Uliginosa (24. September 2026 um 08:18) aus folgendem Grund: Ergänzung

  • Ja, das ist wohl normal. Als mein AA mir zu Beginn das erste mal Augentropfen verschrieben hat, hatte ich erwähnt, daß ich Asthma habe, ob das was ausmacht? "Oh, gut, daß Sie das sagen, da müssen wir andere Tropfen nehmen". =)