Vorstellung, 30 Jahre, Diagnose frisch

  • Hallo,
    Ich habe eben dieses Forum entdeckt.
    Ich bin 30 Jahre alt und mir wurde letzte Woche ein Glaukom diagnostiziert.
    Im Winter war ich das erste mal beim Augenarzt, um eine Infektion abzuklären. Dort waren einige Werte auffälig. Mit einem Glaukom in der Familie (es besteht wenig Kontakt zu der Person, daher war ich, bis auf eine unauffällige Untersuchung vor 10 Jahren, noch nie beim Augenarzt) erklärte der Arzt, ich hätte ein erhöhtes Risiko für ein Glaukom und solle in ein paar Monaten zur Kontrolle kommen.
    Ich habe mir nicht viel dabei gedacht, bin ja noch jung. Beim Folgetermin letzte Woche diagnostizierte der Arzt dann sofort ein Glaukom. Mein AID liegt bei 23 und es sind Schäden am Sehnerv erkennbar gewesen. Insgesamt laut ihm noch moderat.


    Ich war trotzdem erschrocken, damit hatte ich nicht gerechnet. Er hat dann einen kurzen Monolog gehalten "dann tropfen wir jetzt, das wird wohl nicht reichen, dann Laser, dann OPs und grauen Star bekommen Sie dann auch wahrscheinlich mit Mitte 40, aber das operieren wir dann einfach mit". Ich habe versucht, ein paar Nachfragen zu stellen, aber das war auf die schnelle nicht so einfach.
    Ich schätze mal, es gibt noch empathischere Ärzte.


    Ich schwanke nun zwischen Beruhigung (haben schließlich viele) und Sorge (was, wenn die Behandlung nicht ausreicht, kann ich realitstisch dadurch erblinden?). Ich werde natürlich Fragen mit zum nächsten Termin nehmen, aber das dauert noch.
    Ich habe vor einer Woche mit Azopt gestartet. Meine Augen sind gereizt und fühlen sich sehr müde an. Gibt sich das noch? Ich habe schon 2 Sorten Augentropfen zur Befeuchtung getestet, aber es gab wenig Verbesserung.

    VG

    Jelle

    Einmal editiert, zuletzt von Sabine (26. April 2026 um 19:01) aus folgendem Grund: Absätze eingefügt

  • Moin Jelle,

    willkommen in unserem unbeliebten Club! Wir können deine Sorgen und Nöte gut verstehen! Vor allem in unserem jungen Alter (bin ebenfalls noch in den frühen 30ern)!

    Erstmal sind die Aussagen deines Arztes auch ohne den Befund zu kennen (wenn er das wirklich so gesagt hat), ziemlich beschissen! Was reicht oder nicht reicht ist völlig individuell und wie lange es bis X (Lasern) oder Y (OP) dauert völlig individuell. Und auch das ist nicht alle Tage Abend! :)


    Ein Druck von 23 ist prinzipiell zu hoch auf Dauer aber jetzt auch noch nicht so übertrieben (ich habe starke Schäden am einen Auge, hatte aber wohl auch länger einen unbemerkten Druck um die 36). Der Normaldruck pendelt ja so zwischen 14 und 21.


    Wichtig für den nächsten Termin: Schreib dir deine Fragen auf und lass dir vor allem die Befunde mitgeben. Dann kann man das moderat ggf. auch anders beurteilen. Wurde ein OCT und oder ein Gesichtsfeld gemacht?


    Schön, dass du mit den Tropfen einigermaßen klar kommst (und auch falls nicht gibt es da auch tausende, wir probieren gerade genauso bei mir durch)! Bei deinem Druck könnte sogar das SLT Lasern ein Versuch wert sein, vielleicht brauchst du dann gar keine Tropfen!


    Uuuund auch wenn mein Verstand auch immer wieder in diese Panik verfällt: Von Blindheit bist du mit moderaten Schäden noch sehr sehr weit weg! Mach dir da also erstmal keinen Kopf drum. Solange du regelmäßig die Medikamente nimmst und zur Kontrolle gehst bekommt man viele Glaukome in den Griff!

  • hej. ich wurde auch gelasert nach 2 glaukomanfällen. beidseits "11.00 und 13.00 Uhr" im Aug so sag ichs auch immer, so wurde es mir gesagt, nach dem löchern. die löcher alleine haben bei mir nicht gereicht damals und so wurde ich "grauer star" operiert, weil die kunstlinsen dünner sind und nicht so "dehnbar" wie die naturlinsen. ich brauche nicht tropfen und auch keine brille - wurde ziemlich gut hinbekommen. ich muss aber regelmäßig augendruck messen und bin halt immer vorsichtig bei Medikamenten, weil unglaublich wie oft da vor möglichen Glaukom gewarnt wurde.

    Ob ich heute nochmal operieren würde - weiß ich aber ehrlich nicht - weil bei mir war es damals stress und ich konnte mich nicht regulieren. Viell hätt ich noch warten sollen. Aber die Angst, ja die Angst war da und ich hätte nie gedacht, wie wichtig die Augen auf einmal für mich und seither geworden sind! alles liebe R

  • Hallo Jelle,

    Willkommen im Forum! Unser Club ist beliebt, weil man hier kompetent Hilfe, Rat und Tröster bekommt! Unbeliebt sind nur die Folgen von Glaukom, aber wir bemühen uns alle um Stabilität.

    Hier im Forum lesen viele mit Sehproblemen und haben Probleme mit Blocktexten. Deshalb bitte ich dich, alle paar Zeilen einen Absatz zu machen. Vielen Dank!

    Wie Afflected schon schrieb, ein Fragenzettel ist hilfreich. Der Arzt hat dich mit diesen Infos überinformiert und andere Infos zum einordnen weggelassen.

    Was für ein Glaukom hast du? Engwinkel, Offenwinkel, Pigment ....

    Was ist der Zieldruck (ist zu Beginn meist 20 - 30% unter dem Ausgangsdruck) und wird bei Veränderungen nach unten korrigiert.

    Lasse dir vom OCT oder Sehfeldtest Ausdrucke geben und lege dir eine Sammelakte an.

    Wenn du tiefer einsteigen möchtest, von Prof. Ilse Strempel gibt es 2 Bücher, die für Nichtmediziner verständlich sind und viel hilfreiche Infos haben.

    Vor allem solltest du dir aber keinen Stress machen, denn Glaukom schreitet nicht schnell voran und ist durch die medizinischen Massnahmen meistens stabil zu halten.

    Das meint Kontrollen und immer zuverlässig tropfen (wenn dir Tropfen verschrieben wurden)

    Mit der Zeit werden noch weitere Fragen auftauchen und das Forum kann vieles beantworten.

    Liebe Grüsse

    Mellirosa

  • Danke für die Antwort. Was wäre denn, wenn ich die Tropfen nicht gut vertragen würde? Bisher fühlt sich das alles nämlich noch nicht so gut an...

    Meiner Erinnerung nach hat der Arzt das ungefähr so gesagt :O wahrscheinlich gab es da noch ein paar Sätze dazwischen.
    Für ihn klang das vielleicht nach Routine, für mich allerdings irgendwie beängstigend, ich habe bisher keinerlei Erkrankungen gehabt.

    Ich kenne mich nicht so gut aus mit den Untersuchungen, aber OCT und Gesichtsfeld wurden auf jeden Fall gemacht, vielleicht sogar noch mehr?
    OCT war auffällig, Gesichtsfeld noch im Rahmen.


    Die Person in meiner Familie hat die Diagnose erst in ihren 40ern bekommen und hatte da schon größere Schäden. Ich meine, das seit ihrer Diagnose, also ca in den letzten 10 Jahren, ständig OPs gemacht wurden, das verunsichert mich.


    VG

  • Danke für deine Antwort und deine Hinweise.
    Ich habe ein Offenwinkelglaukom.

  • Was wäre denn, wenn ich die Tropfen nicht gut vertragen würde? Bisher fühlt sich das alles nämlich noch nicht so gut an...

    Dann kann man 100 andere Tropfen probieren. Ich dein Gefühl sehr gut nachvollziehen, ich brauchte auch gerade ein neues Medikament und komme mit dem neuen nicht gut klar. Außerdem habe ich damals das erste was wir probiert haben gar nicht vertragen. Das andere zwischendurch 2,5 Jahre ohne jegliche Nebenwirkung (außer schönen langen Wimpern).

    Du tropft ja jetzt Azopt. Der Wirkstoff darin nennt sich Brinzolamid. Wenn ich mich nicht irre enthält Azopt Konservierungsmittel. Den Wirkstoff Brinzolamid gab es nämlich ganz lange nicht ohne. Ich werde ab morgen ebenso Brinzolamid Tropfen aber mit dem Namen Brinzo Vision Sine. Das ist ein neues Medikament mit dem gleichen Wirkstoff aber zum ersten Mal ohne Konservierungsmittel (zu erkennen an dem sine im Namen). Vielleicht wäre das zum Beispiel ein Versuch wert.

    Wenn du Brinzolamid nicht verträgst, könnte man das ähnliche Dorzolamid probieren. Alternativ gäbe es noch Alpha2 Antagonisten wie z.B. Brimmonidin oder Prostaglandinanaloga wie Bimatroprost, Tafluprost, etc. oder Beta Blocker wie Timmolol. Also du siehst, es gibt noch eine Menge Alternativen und das was beim einen perfekt wirkt, wirkt beim nächsten gar nicht. Das ist tatsächlich Try&Error!


    Du sagst deine Augen machen Probleme (rot, brennen), da solltest du auf jeden Fall regelmäßig (mehrfach am Tag) befeuchten. Am besten auch Mal 30-15 Minuten vor dem Tropfen und 15-30 Minuten danach! Aber unbedingt die 15 Minuten Abstand davor und danach einhalten. Das hilft auch schon haufig!

    Ich kenne mich nicht so gut aus mit den Untersuchungen, aber OCT und Gesichtsfeld wurden auf jeden Fall gemacht, vielleicht sogar noch mehr?
    OCT war auffällig, Gesichtsfeld noch im Rahmen.

    Dann lass dir die beim nächsten Mal mal ausdrucken und mitgeben.

    Die Person in meiner Familie hat die Diagnose erst in ihren 40ern bekommen und hatte da schon größere Schäden. Ich meine, das seit ihrer Diagnose, also ca in den letzten 10 Jahren, ständig OPs gemacht wurden, das verunsichert mich.

    Lass dich davon bitte nicht verunsichern. Die Behandlung des Glaukoms ist hoch individuell. Wenn bei der Diagnose tatsächlich schon sehr große Schäden da waren, müsste man den Druck ggf. massiv senken. Da hilft dann manchmal nur eine OP. Das kann bei dir und mir aber wieder ganz anders aussehen!


    PS: Wenn du am Ende mit gar keinen Tropfen klar kommst, könnte man ein SLT Lasern versuchen. Das ist tatsächlich sehr sanft (würde bei mir auf beiden Augen schon 2 Mal gemacht). Das könnte dir auch nochmal einige Jahre helfen ggf..

  • Für mich wäre es erstmal wichtig auf Tropfen ohne Konservierungsmittel und Phosphat zu achten. Allein diese können schon Probleme machen. Frag deinen Arzt beim nächsten Besuch/Rezept nach konservierungsmittelfreien Alternativen.

  • Willkommen im ungeliebten Club. Ich bin auch erst 34 und habe die Diagnose vor ungefähr 8 Wochen bekommen.

    Ich hatte zwischendurch auch ein Augenarzt der mich nicht gerade beruhigt hat. Da hatte ich doch glatt das gefühl ich wäre schuld das es so ist wie es ist.

    Man muss da erstmal verdauen und sich ggfs auch etwas mit der Krankheit beschäftigen.


    Vielleicht wäre das lasern bei dir auch eine gute Option. Das wurde bei mir am Dienstag gemacht und dauerte nur 3 Sekunden pro Auge. Nach 6 Wochen kann man das sagen ob der Druck runter gegangen ist.

    Ich glaube meine ausgangslage ist ähnlich wie bei dir vom Druck her. Mein oct war auch auffällig, Gesichtsfeld normal und die drücke auch meist etwas erhöht.

    Wenn das laserncdann für eine Zeit die Tropfen ersetzt , wäre das doch gut.


    Bei mir ging zum Beispiel der Blutdruck und puls ziemlich im Keller dadurch und ich habe sie wieder abgesetzt.

  • Hallo,

    willkommen hier im Club! Ich habe diese Diagnose schon seit fast 3 Jahren. Das war ein riesiger Schock! Inzwischen habe ich mich beruhigt und Tropfen, die wirken, wurden auch gefunden.

    Man kann nur zum Arzt gehen, tropfen und beten.

    Und soweit wie es geht damit leben.

    LG

  • Hallo Jelle!

    Willkomme im Forum.

    Ja, mit 30 Jahren die Diagnose Glaukom zu bekommen ist schon echt doof. Ich war auch genauso alt.

    Aber da man das ja nicht einfach zur Seite wischen kann, muss man sich leider damit auseinandersetzen.

    Du informierst Dich, das ist gut. Dann kannst Du verstehen, was Dir gesagt wird und auch entsprechend Fragen stellen.

    Wie schon oben geschrieben:

    Lass Dir alle Befunde ausdrucken und lege zu Hause einen Ordner an. Mach immer eine Liste mit den Fragen, dann vergisst Du nichts.

    Die Person in meiner Familie hat die Diagnose erst in ihren 40ern bekommen und hatte da schon größere Schäden. Ich meine, das seit ihrer Diagnose, also ca in den letzten 10 Jahren, ständig OPs gemacht wurden, das verunsichert mich.

    Das heißt nicht zwingend, dass das bei Dir auch so laufen muss.

    Richtig ist, dass Glaukom in Familien vererbt werden kann. Falls Du Geschwister hast, schick auch diese zum AA. Falls Du Kinder hast, wird der Zeitpunkt kommen, wo auch diese zum AA gehen sollten.


    Du lernst mit dieser Krankheit zu leben =)

    Liebe Grüße

    Sabine