• Hallo ihr Lieben!

    Ich habe weit fortgeschrittenes Glaukom mit massiven Gesichtsfeldausfällen, welches vor 10 Jahren viel zu spät entdeckt wurde.

    Ich komme soweit gut im Alltag klar, ich nehme meine Augenarzttermine wahr, tropfe brav und lebe meist mit der Verdrängung um das alles neben meiner schweren Morbus Crohn Erkrankung auszuhalten.

    Beim letzten Augenarzt Besuch war alles so weit miserabel aber stabil (Visus noch 100).

    Nun gelingt mir aber die Verdrängung nicht mehr und ich steigere mich soweit rein dass ich eine Verschlechterung bemerke (die vielleicht immer schon da war?) Ich weiß nicht ob ich sie mir einbilde weil ich so darauf achte, oder sie wirklich da ist. Kennt das jemand?

    Generell bin ich durch das damals nicht erkannte Glaukom zum Hypochonder geworden.

    Psychisch komme ich plötzlich überhaupt nicht mehr klar. War ich doch die letzen Jahre immer so stark.

    Begonnen hat alles mit dem immer wiederkehrenden schlechtem Gewissen beim Sport. Was eigentlich mein größtes Hobby ist. Bei jeder Übung im Fitnessstudio die innerliche Frage, ob es meinen Augen schadet. Ob ich alles richtige mache.

    Obwohl ich extra bei einer Spezialistin war, die mir das Go gegeben hat für meine Übungen.

    Seither tiefe Depression. Das Gefühl, speziell am linken schlechteren Auge, der Progression. Das Gefühl, bei Gesprächen Probleme beim Fokussieren der gegenübersitzenden Person.

    Die Angst doch zu erblinden. Ich bin immerhin erst 41. Ich fühle mich so hilflos.

    Ich weiß niemand hier kann mir helfen. Aber vielleicht weiß jemand wie ich mich fühle.

    Lg Lisa

    Pigmentdisperspionsglaukom mit Gesichtsfeldausfällen. Trabekulektomie Re und Li (03+05/16)

  • Hallo Lisa,

    ich kann dich absolut verstehen. Dein schlechtes Gewissen beim Sport, ist mein schlechtes Gewissen bei der Ernährung. Ich möchte einfach alles richtig machen. Meide ungesunde Lebensmittel...und versuche sämtliche Nahrungsergänzungsmittel.

    Deswegen kann ich dein Verhalten nachvollziehen. Dadurch verliert man einen Teil Lebensqualität. Wir wissen das, können es aber schlecht abstellen.

    Du schreibst, dass du dadurch in tiefe Depression gefallen bist, hast du mal über eine Verhaltenstherapie nachgedacht?

    Ein schlechtes Gewissen ist erstmal nicht dramatisch, aber tiefe Depression gehört meiner Meinung nach in professionelle Hände.

    Ich weiß aus meinem Umfeld, dass man sehr schwer alleine aus dem Tief kommt.

    Liebe Grüße Andrea

  • Liebe Andrea!

    Danke für deine Antwort.

    Ich habe immer mal wieder über Therapie nachgedacht und auch schon versucht. Geholfen hat mir bisher leider keine. Zudem ist mein Alltag auch nicht gerade stressfrei, sodass mich jeglicher zusätzliche (Arzt)Termin stresst. Jeder erwartet immer dass man funktioniert. Ich werde meine Antidepressiva erhöhen.

    Ich bin normalerweise immer wieder aus dem Tief rausgekommen.

    Zusätzlich war es ein Satz meines Augenarztes der mich getriggert hatte: „In einem anderen Land wären Sie schon blind und auch wenn Sie hier nicht zum Arzt gegangen wären.“ War sicherlich nett gemeint, aber hat in mir noch mehr Angst ausgelöst.


    Man kann nur sein bestes geben. Es ist diese Hilflosigkeit, dass man einfach nichts tun kann.

    Dir alles Gute, hast du denn Erfahrung mit Gingko weil du von Ernährung sprichst?

    Lg Lisa

    Pigmentdisperspionsglaukom mit Gesichtsfeldausfällen. Trabekulektomie Re und Li (03+05/16)

  • misslis Meine Situation was die Augen betrifft ist ähnlich. Ich sehe nur noch etwa 1/3 links und 1/4 rechts, habe aber einen Visus von 90-100%. Leider ist das rechte Auge vor etwa zwei Jahren schlechter geworden, das Gesichtsfeld weiter geschrumpft, da musste ich die Ärzte erst darauf aufmerksam machen. Sie schauen zwei Sekunden hin und übersehen vieles. Ich wusste, wonach ich suchen musste, da ich ja täglich die Ausfälle bemerke.

    Zum Glück habe ich nur hin und wieder psychische Probleme damit. Sport mache ich online, so kann ich Übungen weglassen, die mir nicht gut tun und durch andere ersetzen. Außer Vitaminen nehme ich Ginkgo, Citocholin und Q10.

    Glaukom mit Gesichtsfeldausfällen, Trabekulotomie an beiden Augen (04/11 + 08/11), vor Katarakt-OP (11/21) stark kurzsichtig.

  • Lisa, hast du geschaut, ob du dein Antidepressiva bei Glaukom nehmen darfst?

    Kann ich ebenfalls gut nachvollziehen, dass dich Arzttermine stressen.

    Ich habe auch mal eine Therapie gemacht, aber aus anderen Gründen. Diese Gespräche habe ich nie als Arztbesuch wahrgenommen, sondern man konnte sich alles von Seele reden. Mir hat es sehr gut getan.

    Ich nehme kein Ginko, weil es anscheinend Migräne triggern kann. Ich habe eh schon viel Migräne, deswegen traue ich mich nicht an Ginko ran.

    Ich nehme citicolin, Vit D3, K2, Magnesium, Omega3, Q10, B3

  • Liebe Andrea!


    Ja ich darf sie nehmen. Wurde mir zumindest gesagt…


    Lg

    Pigmentdisperspionsglaukom mit Gesichtsfeldausfällen. Trabekulektomie Re und Li (03+05/16)

  • DieDa hallo, ich weiß, wir haben schon mal geschrieben. Wie geht es dir damit?

    Wie hast du die neuen Ausfälle bemerkt? Kam das plötzlich oder schleichend?

    Lg

    Pigmentdisperspionsglaukom mit Gesichtsfeldausfällen. Trabekulektomie Re und Li (03+05/16)

  • Hallo Misslis,

    ich glaube es gibt einfach Menschen, die da resilienter sind und welche die ängstlicher sind. Ich gehöre leider, genauso wie du, zur zweiten Gruppe! Vor allem, da ich auch etwas jünger bin mit meinen frühen 30ern und das eine Auge einen größeren Defekt hat.

    Ich lege genauso jedes Wort des Arztes auf die Goldwaage. Letztens habe ich jemanden gehört, der sagte, wenn man Angst hat, ist das ein gutes Zeichen, denn dann gibt es eine Zukunft und aus der kann man jeden Tag etwas machen. Das fand ich inspirierend und hat mir geholfen!


    Wie geht es dir denn im Alltag mit Ausnahme der Psyche sonst so?

  • Hallo Affecteddanke für deine Antwort. Das tut mir sehr leid, wurde das Glaukom bei dir auch so spät entdeckt?

    Ja sonst eigentlich mit der Verdrängungstaktik gut. Ich bin Mutter eines 9-jährigen und gebe mein Bestes. Nur momentan bewege mich zwischen ich will leben und der lähmenden Angst.

    Ich hab schon öfter Unfälle, dass ich stolpere oder wo dagegen laufe. Letztens in der Arbeit (arbeite an einer Rezeption) wollte ich mich hinsetzen und hab übersehen dass da kein Sessel ist und bin voll vor den Kunden auf den Marmorboden gekracht. Endete in Tränen.

    Lg

    Pigmentdisperspionsglaukom mit Gesichtsfeldausfällen. Trabekulektomie Re und Li (03+05/16)

  • Das tut mir sehr leid, wurde das Glaukom bei dir auch so spät entdeckt?

    So spät, dass das eine Auge eben so ist. Aber man macht das beste draus und bisher sind die Einschränkung noch in Ordnung. Aber natürlich denkt man, wie bei jeder Krankheit, wäre es doch nur mal früher entdeckt worden. Trotzdem würde ich mir ja auch wünschen manchmal psychisch besser damit umgehen zu können.


    Solche Unfälle sind natürlich unschön. Mich hätte es als Kunden übrigens nicht gestört, passiert halt! Du bist ganz sicher auch eine tolle Mama für deine Tochter, dafür ist irrelevant wie viel man sieht!

  • DieDa hallo, ich weiß, wir haben schon mal geschrieben. Wie geht es dir damit?

    Wie hast du die neuen Ausfälle bemerkt? Kam das plötzlich oder schleichend?

    Man lernt damit umzugehen. Und auch mein Mann. Er macht mich oft auf Dinge aufmerksam wie einen offenstehenden Hängeschrank in der Küche oder einen tiefhängenden Ast beim Fahrradfahren oder wandern, da ich in der oberen Hälfte nichts sehe. Zum Fahrradfahren haben wir ein Intercom am Helm, so kann er mir auch immer mal Hinweise geben, wenn z.B. etwas entgegenkommt.

    Ich hatte nach dem 2. Mal Lasern vom Nachstar (hatte ich rechts 2 x, was selten ist) den Eindruck, dass die Ärztin Pfusch gemacht hat und seitdem mein Gesichtsfeld weniger war. Andere Ärzte meinen, das könne nicht sein. Es sind allerdings Stellen, die schon davor immer mal besser und mal schlechter waren, also vermutlich noch nicht ganz abgestorbene Zellen im Sehnerv. Mir scheint, es schrumpft weiter, aber da bin ich mir nicht sicher.

    Wenn es schlechter wird, falle ich auch immer mal in ein Loch und bekomme Angst. Aber es gelingt mir zum Glück nach wenigen Tagen, mich wieder rauszuziehen. Allerdings bin ich schon einige Jahre älter als du, könnte deine Mutter sein. Doch hoffe ich noch auf einige gut sehende Jahre, da ich jetzt endlich Zeit habe, öfter mal zu verreisen.

    Glaukom mit Gesichtsfeldausfällen, Trabekulotomie an beiden Augen (04/11 + 08/11), vor Katarakt-OP (11/21) stark kurzsichtig.

  • Ich kann das gut nachvollziehen. Ich habe auch ständig ein schlechtes Gewissen und frage mich, ob ich nicht alles viel besser hätte machen müssen.

    Das wurde leider auch dadurch genährt, dass Augenärzte in Unikliniken der Progression immer sehr unverständnisvoll gegenüberstanden. "Aber ein Glaukom ist super beherrschbar! Sie müssen aber auch regelmäßig tropfen."

    Naja, leider ist das halt beim normaldruckglaukom so eine Sache für sich. Vor zwei Monaten hatte ich eine ganz fürchterliche Phase. Meine sehfeldausfälle haben mich ständig gestört und mich in Angst versetzt. Durch Austausch hier und eine Patientenveranstaltung hat sich das wieder geändert. Die sehfeldausfälle sind natürlich genauso wie vorher, aber der Fokus ist jetzt eine anderer.

    Ich würde dir auch raten, dir Hilfe zu suchen. Eine Verhaltenstherapie kann viel bewirken und auch viel Druck nehmen.

  • Liebe Lisa,

    Diese Ängste fressen auch mein Leben teilweise auf. Leider kann ich keine Antidepressiva oder andere Psychopharmaka nehmen. Das scheint bei Dir anders zu sein, wenn ich richtig verstehe.

    Du beschreibst das als „Hypochondrie“, was wohl bedeutet, dass die Ängste ständig unbeherrschbar kreisen. Heute spricht man da von einer Zwangsspektrumstörung, die sich ja mglw. auf Deine Situation quasi aufgepfropft haben könnte.

    Dagegen gibt es - neben Verhaltenstherapie- Medikamente, die Entlastung bringen können. Vielleicht magst Du mal Psychiater und Augenärzte darauf ansprechen, ob und was Du einnehmen dürftest?

    Alles Gute

    Citi

  • Hallo misslis!

    Beim letzten Augenarzt Besuch war alles so weit miserabel aber stabil (Visus noch 100).

    Stabilität ist das Ziel! Und wenn alles stabil ist, dann ist das ein Grund sich zu freuen! --> :hops::hops::hops:

    Nun gelingt mir aber die Verdrängung nicht mehr und ich steigere mich soweit rein dass ich eine Verschlechterung bemerke (die vielleicht immer schon da war?) Ich weiß nicht ob ich sie mir einbilde weil ich so darauf achte, oder sie wirklich da ist. Kennt das jemand?

    Generell bin ich durch das damals nicht erkannte Glaukom zum Hypochonder geworden.

    Verdrängung find ich immer schwierig. Mit Verdrängung verarbeitet man nicht, man verdrängt. Verarbeiten ist immer besser, denn sonst bricht das irgendwann in einem zusammen oder aus einem heraus.

    Hypochondrie ist eine Krankheit, die dann schon auch behandelt werden sollte.

    Begonnen hat alles mit dem immer wiederkehrenden schlechtem Gewissen beim Sport. Was eigentlich mein größtes Hobby ist. Bei jeder Übung im Fitnessstudio die innerliche Frage, ob es meinen Augen schadet. Ob ich alles richtige mache.

    Obwohl ich extra bei einer Spezialistin war, die mir das Go gegeben hat für meine Übungen.

    Ich weiß natürlich nicht, wer diese Spezialistin war oder ist und hoffe, dass sie sich wirklich auskennt.

    Und wenn Du dann auf Dich achtest, dann bist Du doch auf der sicheren Seite! Und ich komme nun noch mal auf meine ersten Sätze zurück: Stabilität ist wichtig und die hattest Du!

    Seither tiefe Depression. Das Gefühl, speziell am linken schlechteren Auge, der Progression. Das Gefühl, bei Gesprächen Probleme beim Fokussieren der gegenübersitzenden Person.

    Die Angst doch zu erblinden. Ich bin immerhin erst 41. Ich fühle mich so hilflos.

    Glaukom ist keine Frage des Alters. Und ja, 41 ist schon noch jung, ich verstehe das. Aber ein Glaukom zu haben, heißt noch lange nicht, dass man erblindet.

    Man braucht immer Zeit, um die Diagnose zu verdauen. Gib Dir diese Zeit, bis es dann aber irgendwann auch wieder ins Positive rutschen sollte!

    Schaffst Du es nicht selbst, Dich da rauszuziehen aus diesem Tief, suche Dir Hilfe... professionelle Hilfe! Diese Hilfe anzunehmen ist keine Schande und dafür muss man sich auch nicht schämen! Es ist Stärke, wenn man sich Hilfe sucht und diese annimmt, wenn man sie braucht!

    Du schaffst das!

    Viele Grüße
    Sabine

  • Sabine hallo, und danke für deine Antwort.

    Ich lebe eh schon 10 Jahre mit der Diagnose. Nur mit der Verdrängung kam ich irgendwie klar, bis jetzt. Hab ja auch noch andere Baustellen.

    Ja ist eine der Glaukom Spezialistinnen von Österreich. Seit dem mein Glaukom damals von einem Arzt nicht erkannt wurde, traue ich da nicht mehr jedem.

    Klar ist es keine Frage des Alters, aber es macht schon einen Unterschied ob man schon mit 30 oder 40 massive (und ich habe massive) Gesichtsfeldausfälle und eine Aushölung von 0,9 hat, oder mit 70 ohne Ausfälle diagnostiziert wird (ich möchte auch diesen Patienten natürlich keine Angst und Sorge absprechen). Mit ein bisschen rechnen und Nachdenken ist das Erblinden dann nicht so eine abwegige Gefahr.

    Danke und Lg Lisa

    Pigmentdisperspionsglaukom mit Gesichtsfeldausfällen. Trabekulektomie Re und Li (03+05/16)

  • Hallo Lisa,

    ich kann dich sehr sehr gut verstehen, weil es mir ähnlich geht. Auch ich bin im Moment in der Angst gefangen. Ich habe eine Angsterkrankung, die das ganze für mich sehr schlimm macht. Im Moment weiß ich auch nicht, was ich noch "darf" oder "nicht darf". Bei mir kommen noch Untersuchungen und die Termine sind in mehreren Wochen. Verstehen tue ich auch noch nicht viel von dem ganzen, da ich chronisch krank bin, ist es für mich extrem schwer, Was gut für das eine wäre, darf nun wegen der Augen vielleicht nicht mehr. hatte immer Tavor genommen bei Angstattacke und lese hier, das durch Tavor jemand blind wurde. Das hat mich geschockt. Ich hoffe, dass es dir bald besser geht. LG Angsthase

  • Liebe Lisa,

    ich habe gezögert, Dir zu schreiben, weil mir nicht klar war, warum Du diese lähmende Angst hast, obwohl die Situation Deiner Sehnerven zwar miserabel aber doch stabil ist!

    Inzwischen habe ich Deine Geschichte zurück gelesen und glaube zu verstehen - sonst berichtigst Du mich!

    Aber erstmal muss ich Dir sagen, dass ich vollen Respekt dafür habe, wie Du die Situation in den vergangenen 10 Jahren gemeistert hast.

    Du hast ein Pigment-Glaukom, das Deine Ärzte damals nicht richtig erkannt hatten. Erst als Dein Druck auf Werte um die 50 mmHg eskaliert ist, wurdest Du not-operiert. Und hast dann wenig später auch am anderen Auge eine TE bekommen. Damals warst Du schwanger und hast ein gesundes Kind bekommen!

    Das ist jetzt 10 Jahr her!

    Wenn ich alles richtig verstanden habe, haben die TE es geschafft, Deinen Druck auf ein für Deine Sehnerven erträgliches Maß zu reduzieren. Du tropfst aber wieder (?). Wie ist denn die aktuelle Drucksituation?

    Miserabel aber stabil, schreibst Du.

    Wenn ich aber Deine Nachfragen - vor allem an Dieda - richtig verstehe, hast Du Sorge, es könnte eben doch eine Verschlechterung eingetreten sein. Oder täusche ich mich?

    Sollte das der Grund für Deine Ängste sein, dann würde ich Dir raten, Dir Klarheit zu verschaffen!

    Sprich noch mal mit Deinem AA. Und sollte da nur der Hauch eines Zweifels sein, dass Du aktuell eine Progression haben könntest, dann lass Dich bitte in die Klinik überweisen wo Du 2016 operiert worden bist.

    Klarheit kann gegen Ängste helfen - zumindest ist das meine Erfahrung.

    zusätzlich war es ein Satz meines Augenarztes der mich getriggert hatte: „In einem anderen Land wären Sie schon blind und auch wenn Sie hier nicht zum Arzt gegangen wären.“ War sicherlich nett gemeint, aber hat in mir noch mehr Angst ausgelöst.


    Ich finde, Dein AA hat recht, auch wenn die Formulierung irgendwie unglücklich ist. Wir leben glücklicherweise in einer Region dieser Welt, wo es auch bei fortgeschrittenen Glaukome gute Behandlungsmöglichketen gibt!

    Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute!

    Chanceline

    2 Mal editiert, zuletzt von Chanceline (31. März 2026 um 01:34)

  • Klar ist es keine Frage des Alters, aber es macht schon einen Unterschied ob man schon mit 30 oder 40 massive (und ich habe massive) Gesichtsfeldausfälle und eine Aushölung von 0,9 hat, oder mit 70 ohne Ausfälle diagnostiziert wird (ich möchte auch diesen Patienten natürlich keine Angst und Sorge absprechen). Mit ein bisschen rechnen und Nachdenken ist das Erblinden dann nicht so eine abwegige Gefahr.

    Das sehe ich als frühbetroffener ganz genauso und kann die stereotypen Sätze auch von Ärzten "Heute erblindet man nicht mehr am Glaukom!" nicht mehr hören.

    Die waren es auch letztlich, die zu den größten psychischen Problemen mit dieser Erkrankung geführt haben. Nämlich das Gefühl, doch ganz offensichtlich alles falsch zu machen, wenn die Krankheit trotzdem voranschreitet.

    Und das ist verkehrt. Das hat auch Professor Jünemann in seinem Vortrag gezeigt. Es ist eine in sehr vielen Fällen progrediente Erkrankung, die zu großen Einschränkungen in dem führt, was wir in einem westlichen Industriestaat, der auf maximale Leistung getrimmt ist, so schön "Lebensqualität" nennen.

    Führerschein weg? Kein Geld, um in die Stadt zu ziehen? Pech gehabt. Beruf, für den man den Führerschein braucht? Kein Geld, was anderes zu lernen, und ne Umschulung gibt's nicht? Pech gehabt.

    Diese Ängste sind nicht aus der Luft gegriffen. Wenn das Glaukom bei einem Rentner mit ausreichender Rente diagnostiziert wird, der am besten noch einen Partner mit Führerschein hat, ist das absolut nicht zu vergleichen.

    An "Krankheit" klebt in Deutschland nun mal fast immer inzwischen auch der Aufkleber "Armut".

    Gleichzeitig hilft es aber nicht, nur noch mit zukunftsangst den Tag zu leben, dazu ist das Leben nun auch wieder zu kurz.

    Man darf sich gönnen, zu sagen: "ich habe Angst vor der Zukunft. Meine Situation ist absolut sch...." Aber dann ist es auch Zeit aufzustehen, und sich zu fragen: "An welcher Stelle kann ich meine Situation verbessern?"

    Wenn man nur noch angstvoll zu Hause sitzt, weil man Angst hat, wegen des Glaukoms irgendwann nichts mehr vom Leben zu haben, dann ist die Situation, die man fürchtet, bereits eingetreten.

  • Wenn man nur noch angstvoll zu Hause sitzt, weil man Angst hat, wegen des Glaukoms irgendwann nichts mehr vom Leben zu haben, dann ist die Situation, die man fürchtet, bereits eingetreten.

    Sehr gut formuliert! :thumbup:

    Ich gehöre zu den Menschen, bei denen das Glas (meistens) halbvoll ist, bei anderen ist es halbleer. Deshalb lebe ich gut trotz meiner starken Einschränkungen. Allerdings habe ich zwar ein mickriges Gesichtsfeld, weshalb ich nicht mehr Auto fahren darf, aber einen guten Visus. Und ich gehöre zu den Rentnerinnen mit einem lieben Mann, der mich fährt. Wenn man jünger ist und alles alleine wuppen muss, ist es natürlich schwieriger, das Glas immer halbvoll zu sehen.

    Glaukom mit Gesichtsfeldausfällen, Trabekulotomie an beiden Augen (04/11 + 08/11), vor Katarakt-OP (11/21) stark kurzsichtig.

  • willem494  DieDa  Angsthase60 danke für eure Nachrichten und mutmachenden Worte
    Heute geht es mir schon etwas besser.

    Ich kann es eh nicht ändern, und Willem494 hat recht, es bringt sich nichts nur zu Hause zu sitzen in Depressionen zu verfallen, dann hat man schon verloren. Heute gelingt es mir , mal schauen was morgen ist :)


    Liebe Grüße

    Pigmentdisperspionsglaukom mit Gesichtsfeldausfällen. Trabekulektomie Re und Li (03+05/16)

  • Chanceline danke, dass du dir die Mühe gemacht hast zu versuchen mich zu verstehen und dich einzulesen.


    Ja, wegen eines Ärztefehlers ist es bei mir viel zu spät diagnostiziert worden. Ich bin quasi in ärztlicher Behandlung quasi am Erblinden gewesen. Um es überzogen auszudrücken. Es gab auch eine außergerichtliche Einigung.
    War eine sehr schwere Zeit.

    Vielleicht habe ich dadurch so wenig Vertrauen, es reicht mir nicht wenn der Arzt oder die Ärztin sagt, trainieren sie aber moderat. Ich will wissen was für meine Augen moderat ist.

    Warum ich mich so an den Sport klammere? Mir wurde vor 2 Jahren ein großes Stück Darm entfernt. Meine beiden Krankheiten stehen sich oft im Weg. So darf ich wegen der Augen zb. kein Cortison nehmen, was bei Morbus Crohn aber die erste Wahl ist.

    Nach meiner Operation habe ich etwas für mich entdeckt, das mir neuen Halt gegeben hat: den Sport. Das Fitnessstudio ist zu meiner Kraftquelle geworden. Es hat mir geholfen, wieder Vertrauen in meinen Körper zu finden. Ich wollte mich nie wieder so schwach fühlen.

    Doch so gut mir das Training tut, bringt es auch Angst mit sich. Angst um das kleine Gesichtsfeld das ich noch habe.

    Es war damals die Rede von Pigmentglaukom, das wurde nie mehr erwähnt, auf die Frage welches Glaukom ich nun habe, hält sich mein Arzt bedeckt. Es ist aber ein Offenwinkel und die Schäden sind definitiv durch hohen Druck entstanden.

    Ich habe das Gefühl, dass sich mein linkes Gesichtsfeld verkleinert hat seit kurzem, aber erst seit ich mich so drauf reinsteigere und seit ich den Sport in Frage stelle. Plötzlich bilde ich mir sogar ein, Probleme mit Fokussieren zu haben. Wenn ich meine Brille aufsetze (hab nur Max 1 Dioptrien) ist es deutlich besser. Wahrscheinlich weil sich die Augen nicht so anstrengen müssen.

    Im Februar bei der Kontrolle war noch alles stabil

    Lg Lisa

    Pigmentdisperspionsglaukom mit Gesichtsfeldausfällen. Trabekulektomie Re und Li (03+05/16)

  • Hallo!

    Wenn man nur noch angstvoll zu Hause sitzt, weil man Angst hat, wegen des Glaukoms irgendwann nichts mehr vom Leben zu haben, dann ist die Situation, die man fürchtet, bereits eingetreten.

    Find ich auch super formuliert! Danke!

    Lisa, dass die Situation nicht einfach ist, ist klar. Das kennen wir ja nun Alle hier. Aber nur das Negative zu sehen macht das Leben auf Dauer doch traurig.

    Versuch nach vorne zu schauen. Stabilität ist doch aktuell da und die ist das Ziel!


    Viele Grüße

    Sabine

  • Hallo Lisa,

    ich kann gut verstehen, dass Dir Dein Sport Vertrauen in Deinen Körper gibt. Aber wenn Dich bei der Art Training, dass Du bislang gemacht hast, doch immer die Sorge (sei sie nun berechtigt oder nicht) umtreibt, Du könntest damit Deinen Augen schaden, dann ist das natürlich kontraproduktiv und nimmt Dir die Freude daran.

    Aber da bist Du ja nun, wie ich Deinem Thread zu Pilates entnehme, auf der Suche nach Trainingsmöglichkeiten, die für Deine Augen unproblematisch sind. Das wird Dir ganz sicher gelingen!

    Es war damals die Rede von Pigmentglaukom, das wurde nie mehr erwähnt, auf die Frage welches Glaukom ich nun habe, hält sich mein Arzt bedeckt. Es ist aber ein Offenwinkel und die Schäden sind definitiv durch hohen Druck entstanden.

    Dass die Schäden durch zu hohen Druck entstanden sind, ist schon klar. Es wäre aber dennoch hilfreich zu wissen, ob Du nun tatsächlich ein Pigmentglaukom hast oder nicht.

    Da würde ich doch noch mal ganz konkret nachfragen!

    ich habe das Gefühl, dass sich mein linkes Gesichtsfeld verkleinert hat seit kurzem, aber erst seit ich mich so drauf reinsteigere und seit ich den Sport in Frage stelle. Plötzlich bilde ich mir sogar ein, Probleme mit Fokussieren zu haben. Wenn ich meine Brille aufsetze (hab nur Max 1 Dioptrien) ist es deutlich besser. Wahrscheinlich weil sich die Augen nicht so anstrengen müssen.

    Im Februar bei der Kontrolle war noch alles stabil

    Bei der Kontrolle im Februar wurde ja sicher auch das Gesichtsfeld getestet. Hat sich denn da die Veränderung, die Du selbst wahrnimmst, objektivieren lassen? Hat sich Dein letzter GF-Befund verschlechtert im Vergleich mit den vorangegangenen Tests?

    Abe da Du von stabilen Befunden sprichst, was das ja wohl eher nicht der Fall.

    Vielleich bist Du auch im Moment vor lauter Sorge so sehr auf Deine Augen und Dein Sehen fokussiert, dass Du Ende der eigenen Wahrnehmung nicht mehr so wirklich traust.

    Nun hab erst mal ein paar Tage Ruhe und fröhliche Ostern mit Deiner Familie.:ostern:

    Das wünscht Dir von Herzen

    Chanceline

  • Liebe Chanceline.

    Ja das kann sein, dass ich mich zu sehr fokussiere. Nichts desto trotz werde ich die leise Angst nicht los, es fühlt sich vor allem links komisch an. Ob meine Wahrnehmung mich so täuschen kann? Vielleicht. Leider bin ich auch gerade in ständiges Selbsttesten verfallen. Halte immer ein Auge zu und überprüfe was ich nicht mehr sehen kann.

    Ich überlege, gleich am Dienstag nach den Feiertagen bei meinem Augenarzt anzurufen um zu fragen, ob ich früher kommen kann. Mein regulärer Termin wäre erst am 21.4.


    Im Februar wurde nur Druck gemessen. Im Dezember war der letzte GF Test.

    Ich hänge mal ein GF vom linken Auge an von 2016. Damit man meine Angst versteht. Rechts ist nur ein wenig besser. Ich habe es seither nie mehr ausdrucken lassen. Es schmerzt so sehr.

    Liebe Grüße, danke fürs „Zuhören“ und schöne Feiertage!

  • misslis Dein Gesichtsfeld ist meinem tatsächlich sehr ähnlich, nur ist mein sehender Bereich eher unten. Gut ist, dass dein Zentrum noch intakt ist, so hast du einen guten Visus.

    Bei mir geht es vor allem rechts inzwischen extrem weit Richtung Zentrum, das ist das, was mich am meisten beängstigt. Mit nur dem Eck links unten am linken Auge wäre ich ziemlich hilflos. Aber ich hoffe einfach mal, dass alles lange bleibt wie es ist. Besser wird's ja leider nicht.

    Ich habe gerade nicht alles im Kopf, was du geschrieben hast. Wie sieht es bei dir mit trockenen Augen aus? Wenn meine besonders trocken oder gereizt sind, sehe ich eindeutig schlechter, das kann auch mal - trotz gefühlt literweise Benetzungstropfen - einige Tage gehen.

    Glaukom mit Gesichtsfeldausfällen, Trabekulotomie an beiden Augen (04/11 + 08/11), vor Katarakt-OP (11/21) stark kurzsichtig.