• Hallo zusammen,

    ich hatte in dem letzten Vortrag von Prof. Jünemann das Stichwort Nicotinamid aufgeschnappt. Das hatte mich gleich sehr interessiert und neugierig gemacht, weil ich in meinem Berufsleben produktionstechnisch damit zu tun hatte.

    Von daher habe ich vorhin an einem Webinar von Dr. Aakriti Shukla von der Columbia University teilgenommen. Sie leitet dort u.a. eine Forschungsgruppe, die sich mit den Auswirkungen von Nicotinamid und Pyruvat auf das Glaukom befasst.

    Klinische Studien sind am Laufen und werden wohl bis 2028 abgeschlossen werden. Aktuell wird eine Gabe von Nicotinamid in 3g/Tag als sehr sinnvoll beschrieben. Bei Pyruvat ist man noch nicht so weit, dort geht es um 1g/Tag. Risiken scheinen wohl insbesondere Leberschädigungen zu sein. besonders gilt es hier, auf die Qualität der Stoffe zu achten. Das sehr ähnliche Niacin scheint wohl nicht geeignet zu sein und führt zu Problemen.

    Forschungen zu der Thematik scheint es wohl zurzeit auf der ganzen Welt zu geben, in Europa allerdings nur in Schweden, UK und Italien.

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    Nicotinamid wirkt hauptsächlich auf die Mitochondrien und stellt nicht nur die Funktion der Mitochondrien wieder her sondern auch deren Struktur. Festgestellt wurde, dass Glaukom zu einem verringerten Volumen der Chritae in den Mitochodrien führt. In klinischen Vorstudien konnte man durch die Behandlung mit Nicotinamid eine Veränderung in der Vitalität der Mitochondrien feststellen. Und wenn die Mitochondrien gut funktionieren, dann funktioniert auch der Stoffwechsel sowie die retinalen Ganglienzellen..

    Ich fand den Vortrag und die anschließende Diskussion wirklich sehr interessant und wollte das Thema hier mal positionieren. Vor mehr als einem Jahr gab es hierzu bereits mal einen Thread zu Nicotinamid.

    Herzliche Grüße

    Wolfgang

  • Danke Wolfi und Andrea, sehr informativ.

    Zuvor diskutiert:

    saw
    12. Dezember 2023 um 12:56

    Ich konnte mich bisher nicht zu einer Einnahme entscheiden.

    Diese Warnung ist vom April 2025:

    https://www.aao.org/eye-health/tip…if,prescription)%20you're%20taking.

    Ich will die Studienergebnisse 2028 abwarten.

    LG

    Tee

    watch?v=0DcTUdMy0-Y

  • Hallo Tee!

    Ich sehe es auch kritisch, Prof. Jünemann hat in seinem Vortrag Niacin <100 mg täglich empfohlen, soweit ich mich erinnere mit der Begründung, dass eine höhere Dosierung zu Leberschäden führen kann.

    Lg Uke

  • Hallo und danke für die interessanten Infos!

    Ich hab mir auch nach dem Jünemann Vortrag Niacin (Hexanicotinat) bestellt, aber noch nicht genommen. Eine Kapsel a 50 mg.

    Habe das Gefühl, ich kenne mich zu wenig aus und darum zöger ich noch. Allein die unterschiedlichen chemischen Verbindungen - offenbar ist da auch die Dosierung sehr unterschiedlich:

    Niacin (Nicotinsäure) ist nicht Nicotinamid. Da gelten ja völlig unterschiedliche Empfehlungen zur Maximaldosiis.

    Zitat der Verbraucherzentrale: "Das BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) empfiehlt in Nahrungsergänzungsmitteln nicht mehr als 160 Milligramm Nicotinsäureamid (Nicotinamid, Niacinamid), 4 Milligramm Nicotinsäure (also NIACIN) oder 4,4 Milligramm Inosithexanicotinat (Inositolniacinat) pro Tag."

    Demnach wären ja schon 100 mg Niacin irre viel

    Prof. Jünemann hat in seinem Vortrag Niacin <100 mg täglich empfohlen,

    .... schließlich empfiehlt das BfR nicht mehr als 4 mg.

    Ich muss erst noch mal checken, ob Jünemann von Niacin oder Niacinamid gesprochen hat.

  • Hallo Wolfi und Tee

    Schaut hier:

    Positionsstatement der American Glaucoma Society und der American Academy of Ophthalmology zur Verwendung von Nikotinamid zur Glaukom-Neuroprotektion – 2025

    Amerikanische Glaukomgesellschaft, Amerikanische Akademie für Augenheilkunde

    Die American Glaucoma Society (AGS) und die American Academy of Ophthalmology (AAO) empfehlen folgende Richtlinien für die Verwendung von Nikotinamid:

    1. Nikotinamid ist nicht für Glaukom zugelassen und seine Sicherheit ist unbekannt. Wenn Dosen < 3 Gramm Nikotinamid pro Tag vom Patienten oder Arzt in Betracht gezogen werden, ist die Zusammenarbeit mit dem Hausarzt notwendig und es sollten regelmäßige Leberfunktionstests durchgeführt werden.
    2. Angesichts des Potenzials für medikamentinduzierte Leberschäden wird die Verwendung von Nikotinamid in hohen Dosen (≥ 3 Gramm/Tag) außerhalb klinischer Studien, in denen die Leberfunktion genau überwacht wird, nicht empfohlen.
    3. Patienten sollten über mögliche Nebenwirkungen von Nicotinamid informiert werden und gebeten, diese je nach Schwere der Präsentation sofort ihrem Hausarzt oder der Notaufnahme zu melden. Wenn sie in eine klinische Studie aufgenommen werden, sollten Patienten mit Symptomen diese ebenfalls den Studienforschern melden. Forscher und/oder betroffene Patienten sollten diese Daten dem Safety Reporting Portal der Food and Drug Administration (https://www.safetyreporting.hhs.gov/) zur Verfügung stellen.
    4. Patienten mit aktueller oder früherer Lebererkrankung sollte keine Nikotinamid-Supplementierung angeboten werden.
    5. Während Niacin eine Form von Vitamin B3 ist und Nicotinamid sein Amidderivat, sind Niacin und Nikotinamid nicht austauschbar.23 Niacin wird in Studien zum menschlichen Glaukom nicht als neuroprotektives Mittel getestet und ist in hohen Dosen als hepatotoxisch bekannt.28,29 Daher raten die AGS und die Akademie dringend von der Verwendung von Niacin anstelle von Nikotinamid zur Glaukom-Neuroprotektion ab.
  • Herzlichen Dank für Eure Kommentare,

    es war ein wirklich sehr interessanter Vortrag von Frau Dr. Shukla, wobei der Vortrag selbst mit vielen Folien etwa 25 Minuten dauerte und die Fragenbeantwortung weitere 35 Minuten. Im Diskussionsteil steckten die interessantesten Informationen.

    Ich möchte 2 Kernsätze wiederholen und näher erläutern:

    Das sehr ähnliche Niacin scheint wohl nicht geeignet zu sein und führt zu Problemen.

    Niacin oder besser Nicotinsäure ist, wie Malve richtig erläutert hat, das Ausgangsprodukt. Der größte Teil der Produktion wird in einer Dehydratisierung mit Ammoniak umgesetzt zu Nicotinamid. Mein langjähriger Arbeitgeber betreibt die wohl größte Anlage in Europa, ca. 10.000 t/a, die zumeist als Nicotinamid in die Tierernährung gehen. Ich war beim Neubau unserer Herstellanlage in die technische Weiterentwicklung eingebunden.

    Niacin und Nicotinamid sind beides Formen von Vitamin B3. Niacin hat aber einen großen Nachteil bezüglich der Verträglichkeit, insbesondere hat es eine deutlich gefäßerweiternde Wirkung (Niacin-Flush). Niacin scheint gemäß der amerikanischen Forscher in Bezug auf Glaukom wenig neuroprotektive Vorteile in Richtung Glaukom zu bringen.

    Nicotinamid hat den Nachteil, dass die eingebaute Ammoniakgruppe, durch den Körper abgebaut werden muss. Das erfolgt in der Leber. Das Abbauprodukt ist Harnstoff, was in Anbetracht von Menge und Funktion der Leber ggf. zu Problemen führen kann.

    Klinische Studien sind am Laufen und werden wohl bis 2028 abgeschlossen werden.

    Da heißt es wirklich abwarten! Frau Dr. Shukla konnte zu den laufenden Studien keine Aussagen machen, da wie üblich, ein Teil der Probanden Placebos bekommt und sie natürlich nicht weiß welche. Die Probanden sind zwischen 21 und 85 Jahren alt. Besonderes Augenmerk hat das Monitoring der Leberwerte.

    Was mich noch etwas umtreibt ist der Sachverhalt, dass es zu Pyrovat keinerlei Rückmeldungen gegeben hat. Pyrovat wird aktuell zur Leistungssteigerung im Sport eingesetzt und ist in der angedachten Menge von 1g/d als wirklich unkritisch zu sehen. Aber die vermutete neuroprotektive Wirkung in Richtung Glaukom scheint wohl auch noch nicht abgesichert zu sein?

    Herzliche Grüße

    Wolfgang

    malve, vielen Dank für das Positionspapier der American Glaucoma Society...
    Das ist eines der Papiere, welches die Vortragende, Frau Dr. Shukla verfasst hat.
    Das Columbia Dept.of Opthalmology scheint übrigens gute Unterstützung von den Esteé -Lauder-Erben und speziell dieses Glaukomprojekt von der Epstein Teicher Foundation (hat nichts mit Jeffrey zu tun) zu bekommen.

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  • @wofi

    Es gibt im Moment viele Meinungsäusserungen zu den Vitaminstudien. Der Punkt ist, dass von offizieller Seite der amerikanischen Ophthalmologen Warnungen vor unkontrollierter Einnahme ausgesprochen werden.

    Nin willst du das wirklich nehmen? Siehe oben unter Punkt 5. Niacin wurde in den Studien noch nicht mal getestet!

  • Hallo Malve,

    Ich habe Niacin besorgt, weil Prof jünemann im Vortrag von Niacin sprach. Aber ich nahm es noch nicht, weil mir klar wurde, dass ich mich vorher besser informieren muss...und das wurde ja auch bei obigen Beiträgen bestätigt

  • Bis sich herausgestellt hat, ob extrem hohe Dosen therapeutisch wirksam - und ungefährlich - sind kann man ja versuchen sich erst mal über die Nahrung optimal mit Nicotinamiden zu versorgen: Sie sind in hohen Konzentrationen in Innereien, Fleisch, Geflügel und Fisch enthalten. Auch in braunem Reis und Avocados - aber damit allein den Bedarf zu decken ist wohl schwierig.

    Die Grundlage ist eine nährstoffreiche Ernährung, egal ob gegen Hautkrebs oder Glaukom, wobei täglich(!) nährstoffreiche tierische Lebensmittel eine essentielle Rolle spielen.

    Und einmal in der Woche Leber: nicht nur Niacin, auch Vitamin A und B12, beides sehr wichtig für Augen, Nerven, Gehirn.

    Frühlingsgrüße

    Uli