Goniothomie oder Trabekulotomie oder Kanaloplastik

  • Hallo zusammen!

    ich (m41) habe die Diagnose PCOWG seit 1,5 Jahren. Anfangsdruck war über 30, tropfe inzwischen seit gut 1 Jahr 2x tgl. Simbrinza sowie abends Ganfort. Also Maximaltherapie (außer Roclanda) schon ausgeschöpft. Druck liegt jetzt zwischen 17 und 19, was immer noch etwas über diem Ziedruck (15) liegt. Da ich die Tropfen zunehmen schlechter vertrage (Bindehaut- und Lidentzündung und systemischen Nebenwirkungen durch Betablocker) steht wohl doch eine OP an.

    Am rechten Auge wurde ich letztes Jahr 2mal operiert: Katarakt und Netzhautablösung (Glaskörper wurde entfernt). Ist auch beides gut geworden, aber das rechte Auge ist schon deutlich empfindlicher seitdem.


    Zur Glaukom OP habe ich zwei Meinungen eingeholt:


    1) Prof. Erb in Berlin sagt:

    - Goniotomie ab interno (lokal,stationär) oder erstmal abwarten bis Gesichtsfeld schlechter wird (was ich nicht will)
    - "alle kleineren Verfahren wie SLT bringen nicht genug"
    - erstmal nur das rechte Auge weil dort der Sehnerv schon mehr geschädigt ist
    - Ziel: Zieldruck erreichen, dann weiter beobachten
    - ich hatte das Gefühl er ist wohl eher vorsichtig mit OPs. Er wollte auch damals bei der Katarakt OP keine Kombinations-OP machen. Sein Motto ist wohl Step by Step.

    Vorteile: kleinerer Eingriff, Klinikaufenthalt am Heimatort, schnellere Heilung
    Nachteile: nur geringe Drucksenkung zu erwarten?, vermutlich weiterhin 3-4 Wirkstoffe tropfen um Zieldruck zu erreichen, nächste OP in wenigen Jahren?


    2) Frau Prof. Hoffman in Mainz sagt:

    - Trabekulotomie eb externo (mit Sonde) (also kein Filterkissen) oder Kanaloplastik mit Faden
    - "lieber einen größeren Eingriff als viele kleine, das Auge ist durch die vorherigen OPs schon genug beansprucht."
    - Ziel: möglichst wenig Augentropfen zu benötigen über lange Zeit
    - erstmal rechts, dann 3-6 Monate später links
    - "dauernde Entzündung durch die Tropfen machen in Zukunft jeden Eingriff riskanter, Heilung schlechter etc. Deshalb nicht zu lange warten"

    Vorteile: höhere Drucksenkung, längere Wirksamkeit, weniger Augentropfen nötig
    Nachteil: größerer Eingriff, höhere Risiken, längere Nachsorge, nicht am Heimatort


    Grundsätzlich habe ich keine Angst vor den OPs. Ich würde gerne nochmal die Risiken und Wirksamkeit der 3 Verfahren besser verstehen um eine Entscheidung treffen zu können. Wie sind eure Erfahrungen, gab es Komplikationen, wie hoch und anhaltend war die Drucksenkung? Kann man auch erst eine Goniotomie machen und dann die anderen beiden?

    Sind ja doch sehr unterschiedliche Ansätze.

    Viele Dank schonmal

  • Hallo marv,

    so wie ich das sehe, wirst Du sowohl mit der Goniotomie als auch der Trabekulektomie ab externo und der Kanaloplastik nicht tropfenfrei werden, mit dieser Art Operation kommt man nicht unter den episkleralen Venendruck und der liegt bei ca 15 mm Hg. Brauchst Du einen niedrigeren Druck, wirst Du zutropfen müssen. Hast Du denn überhaupt noch Tropfen, die Du gut verträgst?

    Die Goniotomie ist eine Schlitzung des Trabekelmaschenwerks, die wird heutzutage mit dem Trabektom oder dem Kahook dual blade durchgeführt, aber die Wirkungen beim Offenwinkelglaukom sind nach meiner Kenntnis nicht anhaltend außer beim Pex Glaukom, da hat sich das bewährt.

    Die Trabekulektomie ab externo macht den Durchfluß zum Schlemmschen Kanal frei, es gibt dazu auch Publikationen, aber meiner Kenntnis nach hat diese Methode keine weite Verbreitung gefunden. Da würde ich Frau Prof. Hoffmann mal fragen, ob sie eigene Forschungsergebnisse dazu hat oder wie oft das in ihrer Klinik und mit welchen Ergebnissen durchgeführt wurde.

    Es sind alles Operationen im Kammerwinkel, ich sehe jetzt keinen Grund, daß eine durchgeführte Operation die andere auschließen würde, aber das solltest Du noch mal die Operateure fragen.

    Operationen, die eine lange Nachbehandlung erfordern, würde ich immer am Wohnort machen lassen und auch bei den anderen Operationen kann es immer zu unerwarteten Druckanstiegen oder anderen Komplikationen kommen, da wäre man in der Nähe des Operateurs am besten aufgehoben.

    Gruß Malve

  • Die Trabekulektomie ab externo macht den Durchfluß zum Schlemmschen Kanal frei

    Du meintest die Trabekulotomie. Die beiden Begriffe verwechselt man leicht.

    Glaukom mit Gesichtsfeldausfällen, Trabekulotomie an beiden Augen (04/11 + 08/11), vor Katarakt-OP (11/21) stark kurzsichtig.