Trabekulotomie und Linsenwechsel also Katarakt-OP

  • Hallo zusammen,

    ich bin 65 Jahre alt und habe im Februar 2025 unerwartet erfahren, dass ich ein fortgeschrittenes Pigment-Glaukom habe. Ich war in der Augenklink Uni-Marburg, um dort einen Riss in der Netzhaut zu behandeln. Im April 2025 hatte ich in diesem Klinikum einen Termin für eine 24-Stunden Augendruckuntersuchung. Im Anschluss hat man mir gesagt, dass ich auf dem rechten Auge eine Trabekulotomie und Linsenwechsel benötige. Danach soll das auch auf dem linken Auge durchgeführt werden. (Ich bin kurzsichtig - beide Augen ca. -5,5). Als Zieldruck hat man bei mir 12mmHg bestimmt. Ich habe den Augendruck nach Jahren erst im Dezember 2024 gemessen. Damals ohne Benutzung der Augentropfen hatte ich den Augendruck bei RA 19 und LA 20. Zurzeit, seit Juli 2025 (ich tropfe 5x täglich – Clonid-Ophtal, DorzoComp-Vison, und Roclanda) habe ich den Augendruck bei 11 auf beiden Augen. Ich glaube besonders der Antiblocker Timolol – Bestand von Dorzo-Comp hat den Augendruck stark gesenkt. Vorher mit weniger Augentropfen war der Druck ein bisschen höher. Die Nebenwirkungen haben diese Augentropfen allerdings auch.

    Da ich mir im April 2025 die zweite Meinung einholen wollte, ob eine penetrierende Glaukom-OP bei mir wirklich nötig ist, habe ich mir einen Termin in der Glaukom-Sprechstunde an der Uni-Mainz im Augenklinikum gemacht. Dort hat mir Prof. Alexander Schuster am 04.09.25 gesagt, dass bei mir der Zieldruck 14 mmHg betragen sollte, und dass ich eigentlich eine TRABEKULEKTOMIE benötige. Da ich vorläufig keine Trabekulektomie haben möchte, hat er mir zu Trabekulotomie in Marburg geraten.

    Jetzt ist meine Frage: Welche Erfahrungen habt ihr mit Trabekulotomie und Linsenwechsel gemacht?

    Was muss ich bei dieser OP beachten? Muss man danach nicht mehr tropfen bzw. weniger tropfen? Muss man danach ständig irgendwelche Medikamente nehmen? Welche postoperativen Komplikationen kann es geben? Was haltet ihr von dieser Operation? Ich wäre für jeden Erfahrungsbericht dankbar. Ich habe Angst vor dieser OP und überlege, ob ich noch an einer anderen Uni-Klink (z.B. Würzburg) anfragen soll, ob eine minimal invasive OP für mich in Frage kommt.

    Das problematische ist, dass ich jahrelange mein Glaukom nicht bemerkt habe und dass ich weiterhin nicht das Gefühl habe, dass ich schlecht sehe.

  • Hallo Danuta,

    Ich lese bei deiner Beschreibung fast meine Geschichte. Starke Myopie, POWG, Marburg TO mit Katarakt-Op. In Mainz war ich auch mit TE Empfehlung.

    Damals hatten sie in Mainz eine COCO ( mod. Form der CPK) gemacht. Dann hatte ich noch eine SLT ... und dann immer noch Druckspitzen von 17 bei ZD 12

    Als ich in Mainz meinte, ich will keine TE wegen Risiko, aber eine tiefe Sklerektomie, habe ich den Namen eines Arztes in Bonn bekommen.

    Bei der Vorstellung in Bonn meinten die Ärzte zur TO, dass sich diese meistens wieder verschliesst. Und die Position der Schlitzung ungünstig für eine tiefe Sklerektomie ist ... ansonsten wäre dieser Eingriff eine gute Wahl.

    Jetzt ist die ganze OP -Geschichte erstmal aufgeschoben, denn mit einem mal sehr gute Druckwerte ...

    LG Mellirosa

  • Willkommen bei uns Danuta

    Du scheinst wie ich ein Normaldruckglaukom (NDG) zu haben. Auch ich musste vor 15 Jahren 6 x täglich tropfen mit drei verschiedenen Präparaten. Damit wurde mein Zieldruck von 15 nicht erreicht und ich hatte auch Nebenwirkungen. So wurde eine Kanaloplastie geplant, die aber an einem Auge nicht durchführbar war und in eine Trabekulotomie umgewandelt wurde.

    Ich hatte sehr großes Glück, denn bei manchen führen Kanaloplastie oder Trabekulotomie nur zu zwei Jahren Tropffreiheit. Bei mir hielt es elf Jahre an. Was für eine Erleichterung!

    Man kann die OPs in Vollnarkose oder mit örtlicher Betäubung durchführen. Ich habe mich wegen meines niedrigen Blutdrucks für die zweite Variante entschieden. Da bekam ich eine Spritze in den Wangenknochen und konnte danach das Auge nicht mehr bewegen, also nicht blinzeln. Ich bekam ein Tuch mit Loch über das Gesicht. Die OP dauert normalerweise etwa eine halbe Stunde, in der man sich natürlich nicht bewegen darf. Wegen kleiner Komplikationen (deshalb die Änderung von geplanter Kanaloplastie zu Trabekulotomie) dauerte es bei mir, wenn ich mich recht erinnere, aber beinahe eineinhalb Stunden.

    Wegen dieser Komplikationen war mein Auge danach ziemlich angegriffen und es dauerte mehrere Monate, bis ich wieder richtig gut scharf sehen konnte. Vor allem hatte ich eine extreme Hornhautverkrümmung. Doch als alles verheilt war, konnte ich sehen wie zuvor und hatte perfekte Druckwerte.

    Bei mir wurde damals noch kein Linsentausch durchgeführt, ich war ja erst Mitte fünfzig und hatte noch keinen Katarakt. Möglicherweise ist das Ergebnis zusammen mit Katarakt-OP sogar besser.

    Nach der OP muss man natürlich einige Wochen lang irgendwelche entzündungshemmenden Tropfen und Salben verwenden, daran kann ich mich aber nicht mehr genau erinnern. Danach musste ich keine Medikamente für die Augen mehr nehmen, nur Benetzungstropfen, da meine trockenen Augen leider nicht besser wurden.

    Ich war mit den OPs extrem glücklich, da sie mir so lange Zeit Tropfenfreiheit und zugleich Stabilität in meinem bereits sehr reduzierten Gesichtsfeld gebracht haben und würde es genauso wieder machen. Erst seit etwa einem Jahr muss ich wieder tropfen, aber nur einmal abends.

    Glaukom mit Gesichtsfeldausfällen, Trabekulotomie an beiden Augen (04/11 + 08/11), vor Katarakt-OP (11/21) stark kurzsichtig.

  • Hallo Danuta, hallo DiDa

    ich bin neu hier und nenne mich PEX weil bei mir das PEX-Glaukom diagnostiziert wurde. Eine Katarakt OP hat vor 12 Jahren an dem betroffenen Auge stattgefunden. Danach wurde der Druck höher (21) und inzwischen ist der Sehnerv geschädigt.

    Ich spüre einen Druck an der Nasenwurzel und sehe manchmal helle Kreise an der Außenseite des Auges wandern. Im inneren Rand habe ich Sehausfälle. Inzwischen ist nach mehreren Versuchen mit Augentropfen der Druck bei 12. Die Augenklinik Mainz nannte mir einen OP Termin für Trabekolektomie.

    Also dieselbe Empfehlung wie bei dir.

    Hallo DiDa , deine hilfreichen Beschreibungen habe ich gerade gesehen. Musste bei dir nachoperiert werden? Wie häufig wird der Druck nachgeprüft?

    LG PEX

  • Willkommen hier PEX

    Eine Trabekulektomie ist eine vollkommen andere OP, dazu kann ich dir nicht sagen. Ich hatte eine Trabekulotomie.

    Glaukom mit Gesichtsfeldausfällen, Trabekulotomie an beiden Augen (04/11 + 08/11), vor Katarakt-OP (11/21) stark kurzsichtig.

  • Hallo mellirosa,

    herzlichen Dank für deine Antwort. Wann hast du die Empfehlung für die Trabekulotomie in Marburg bekommen? Bzw. wie lange funktioniert das jetzt gut nur mit dem Tropfen also ohne OP? Wie oft musst du tropfen? Musstest du nach SLT weniger tropfen? Als ich im April 2025 im Uni Klinikum Marburg die Empfehlung für die Trabekuletomie und Katarakt-OP (ich habe keinen Grauen Star, neue Kunstlinsen sollen dafür sorgen, dass das Kammerwasser besser abfließt) bekommen habe, dann habe ich mich auch gefragt, warum man nicht versucht den Augendruck zuerst mit den Tropfen zu senken. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht mal einen Augenarzt. In Marburg nimmt keine Praxis neue Patienten an. Jetzt bin ich seit Mai in der Artemis Klinik in Dillenburg als Patientin und seit Juli 2025 nehme ich diese Tropfen, die meinen Augendruck auf 11 mmHg senken.

    LG – Danuta

  • Hallo DieDa,

    herzlichen Dank für deinen Post. Du hast mir sehr viel Angst vor der Trabekulotomie-OP genommen. Ich freue mich auch sehr für dich, dass alles so gut verlaufen ist und dass du seit 15 Jahren kaum tropfen musst und vor allem, dass bei dir die Krankheit nach den OPs offensichtlich nicht mehr fortschreitet. Ich bin zwar Mitte 60, aber ich habe keinen Katarakt. Wie ich schon oben geschrieben habe, sollen neue Kunstlinsen laut Ärzte dafür sorgen, dass das Kammerwasser besser abfließt. Deswegen wird das als Kombi-OP angeboten.

    LG Danuta

  • Hallo PEX,

    ich befasse mich mit dem Thema Glaukom-OPs seit Kurzem, aber ich vermute, so wie DieDa, dass man dir in Mainz TRABEKULEKTOMIE empfohlen hat. (Bei mir haben sie das auch am 04.09.25 gemacht.) In Marburg soll bei mir Trabekulotomie durchgeführt werden.

    Viele Grüße – Danuta

  • Dort hat mir Prof. Alexander Schuster am 04.09.25 gesagt, dass bei mir der Zieldruck 14 mmHg betragen sollte, und dass ich eigentlich eine TRABEKULEKTOMIE benötige. Da ich vorläufig keine Trabekulektomie haben möchte, hat er mir zu Trabekulotomie in Marburg geraten.

    Jetzt ist meine Frage: Welche Erfahrungen habt ihr mit Trabekulotomie und Linsenwechsel gemacht?

    Was muss ich bei dieser OP beachten? Muss man danach nicht mehr tropfen bzw. weniger tropfen? Muss man danach ständig irgendwelche Medikamente nehmen? Welche postoperativen Komplikationen kann es geben? Was haltet ihr von dieser Operation? Ich wäre für jeden Erfahrungsbericht dankbar. Ich habe Angst vor dieser OP und überlege, ob ich noch an einer anderen Uni-Klink (z.B. Würzburg) anfragen soll, ob eine minimal invasive OP für mich in Frage kommt.

    Hallo Danuta.

    Die Trabekulektomie und die Trabekulotomie sind nicht gleichwertig.

    Es gibt Richtlinien, wann eine Trabekulektomie erfolgen soll. Es hängt vom Glaukomschaden, dem Zieldruck und der Progressionsgeschwindigkeit ab.

    Sicherlich hat Professor Schuster Dir aufgrund Deines Befundes daher die Trabekulektomie empfohlen.

    Es ist eine invasive Op, bei der das Auge aufgeschnitten und ein neuer Abflußweg angelegt wird. Danach hat man ein Filterkissen unter der Bindehaut. Die Op ist mit Risiken verbunden unter anderem kann das Sehen schlechter werden, aber wenn es gut klappt kann man sehr niedrige Druckwerte erreichen und braucht danach nicht mehr zu tropfen.

    Die Trabekulotomie ist eine minimalinvasive Op, das Auge wird nicht aufgeschnitten, es ist der gleiche Op Weg wie bei einer Katarakt Op, daher minimal invasiv. Man hat danach auch kein Filterkissen. Das Op Risiko ist gering, nicht größer als bei einer normalen Katarakt Op.

    Wenn die Op erfolgreich ist, kann man Druckwerte von 15 mm Hg erreichen, das heißt, Du wirst weiter tropfen müssen.

    Oft ist die Wirkung der Trabekulotomie nicht von langer Dauer, dann bist Du wieder da, wo Du jetzt stehst, es ist also eine Übergangslösung vor der Trabekulektomie um diese noch etwas hinauszuzögern.

    Die Trabekulotomie wird vor allem in Kombi mit Katarakt Op durchgeführt.

    Der Linsentausch kann auch zur Drucksenkung beitragen, wenn man Glück hat (war bei mir nicht der Fall) und wenn die Trabekulotomie nicht wirkt, war die Op wenigstens nicht umsonst, denn ein Linsentausch ist sowieso nötig, wenn man älter wird. Das ist nur eine Frage der Zeit. Und da Du schon Mitte 60 bist, kann man die Katarakt Op auch vorziehen, obwohl Du noch keine starke Linsentrübung hast. Das ist nicht unüblich.

    Gruß Malve

    Und wenn dann doch wieder eine Trabekulektomie zur Diskussion steht, ist es sowieso gut, wenn vorher schon der Linsentausch stattgefunden hat.

    Gruß Malve

  • Hallo Danuta,

    Die Karakt-Op mit TO war 2021 und hatte zuerst eine gute Drucksenkung. Ich habe allerdings immer getropft und 2022 gab es schon wieder Druck-Ausreisser.

    Nach den OPs hatte ich allerdings kurze extreme Druckanstiege, die sich die Ärzte nicht erklären konnten (je 1x pro Auge auf über 40, was mit Glaupax behandelt wurde und sich danach von allein wieder regelte und nicht wiederholte)

    Katarakt-OP ohne Katarakt würde ich nicht machen, denn ob der Druck sinkt ... bei mir war das schnell vorbei. Auch die TO hat sich wieder schnell verschlossen. Ich habe immer Prostaglandine getropft, kann sein, dass sich die TO deshalb so schnell verschlossen hat. Und die Bonner Ärzte meinten, dass sei oft so.

    Trotz meiner starken Myopie trauere ich meinen Naturlinsen hinterher ...

    Die Wirkung der SLT hat sehr lange auf sich warten lassen. Ca. 6 Monate ... und ich habe die ganze Zeit getropft. Wenn ich jetzt im Januar in Bonn bin zum 48h-Profil, werde ich ja sehen wie die Drücke sind und dann auch mit den Ärzten reden über weitere Massnahmen und Tropfenreduzierung und so ... immer Minimalinvasiv. Und TE ist schon ein tiefer Eingriff.

    Dir alles Gute zur richtigen Entscheidung

    Mellirosa

  • Nachtrag: den Linsentausch soll man nicht zu spät machen, denn mit zunehmendem Alter wird die Linse immer starrer (Altersweitsichtigkeit). Da die Linse in einem Sack sitzt und mit Ultraschall zertrümmert und dann abgesaugt wird, wird das immer schwieriger ...

    Das vielleicht als Grund, dass Linsentausch ohne Trübung gemacht wird. Aber das können dir die Ärzte sicher erklären. Wie Malve erklärte: der Druck KANN sinken

  • Hallo mellirosa, Hallo malve,

    herzlichen Dank für Eure Antoworten, Hinweise, Informationen und vor allem Eure Erfahrungsberichte. Ich habe inzwischen Einiges über Trabekulektomie gelesen (nicht nur im Internet, auch eine relativ neue Doktorarbeit von der Uni-Mainz). Ich habe mir auch eine Vorlesung dazu an der Uni-Marburg angehört, wo Dr. Schröder sagte, dass der Erfolg bei dieser OP nur bei 65 bis 70% liegt. Deswegen möchte ich möglichst lange ohne diese OP auskommen und hoffe, dass die Trabekulotomie für eine Weile hilft. (Ein Video wie die Trabekulektomie durchgeführt wird, habe ich auch gesehen.)

    Liebe Grüße - Danuta