Therapie ohne eindeutige Diagnose

  • Liebes Miteinander:

    Ich habe im Juni hier im Forum geschrieben dass ich einen Verdacht auf Glaukom habe. Viele von euch haben mir wertvolle Infos gegeben. Hier möchte ein Update geben. Ich war nun in Ostasien beim Augenarzt, dort wurde mir gesagt es sieht nicht nach Glaukom aus. Heute war ich in der Augenchirurgie München, alle Untersuchungen wiederholt, da waren die Ärzte der Meinung dass es sehr schwierig ist eine Diagnose zu stellen aber sie tendieren zu Glaukom und ich sollte auch wegen meiner starken Myopie (ein Risikofaktor für Glaukom) mit Tropfen beginnen. Monoprost habe ich bekommen.

    Ich werde heute Abend beginnen zu tropfen. Innerlich bin ich schon noch etwas beunruhigt, meint ihr dass es nun richtig ist mit Therapie anzufangen? Danke!

  • Hallo xfg

    Das ist bei starker Myopie wirklich schwer für den Augenarzt zu beurteilen, da der Sehnerveintritt ins Auge hochoval ist und je nach Myopiestärke das Zentrum des Sehnervs kaum bis fast nicht zu erkennen ist.(schau einen Donut von der Seite an)

    Wie sind denn deine Druckwerte?

    Ich bin hoch myop mit -12 /-13 Dioptrien und hatte das Glück, dass der Augenarzt das erkannt hat. Meine Druckwerte lagen damals bei 21/19mmHg, zwar hoch, aber noch nicht ausserordentlich. Sehfeldausfälle hatte ich damals noch nicht.

    Er meinte was mit 70%, was wohl das "Loch" im Sehnerv meinte.

    Im Zweifel für die Drucksenkung ... ich würde auch tropfen.

    Ein Sehfeldtest ist sinnvoll, da das OCT den Sehnervkopf durch den schrägen Sehnerveintritt nicht darstellen kann.

    Die Aussagefähigkeit des Perimetrie-Testes zeigt sich erst im Laufe der Zeit, denn es gibt durch schwankende Konzentration und auch wie das Korrekturglas vor dem Auge sitzt, Schwankungen.

  • Danke sehr für deine Antwort, Mellirosa. Ich habe -9/-7 Dioptrien und mein AID war heute 18/20. Mein Loch ist ebenfalls etwa 70% (65% links und 72% links). Gesichtsfeldtest war heute relativ in Ordnung. Ärztinnen redeteten heute von auffälligem Sehnerv. Ich war mir nicht sicher was sie meinten.

  • Das ist ein Druck im oberen Normbereich. Ich denke, das die Ärztinnen mit dem auffälligen Sehnerv die Veränderungen durch die Druckwerte meinen und deshalb Tropfen zur Drucksenkung verschrieben habe.

    Der Druck schwankt im Laufe eines Tages und er kann dann durchaus auch mal höher sein. Und dann ist er zu hoch und belastet den Sehnerv.

    Um das festzustellen, besteht die Möglichkeit für 24 oder 48h in eine Augenklinik zu gehen und alle 3 Stunden den Druck messen zu lassen, auch nachts.

    Aber jetzt warte erst mal ab wie die Tropfen wirken ... ich habe damals mit Lumigan begonnen, ebenfalls ein Prostaglandin-Analog.

  • Hallo xfg,

    Ich werde heute Abend beginnen zu tropfen. Innerlich bin ich schon noch etwas beunruhigt, meint ihr dass es nun richtig ist mit Therapie anzufangen? Danke

    Das hast ja nun hoffentlich getan!

    Beunruhigt darüber soltest Du nicht sein. Falsch machen kannst Du meiner Meinung nach nichts, wenn der Druck durch Tropfen gesenkt wird.

    Monoprost ist unkonserviert, gilt als sehr gut verträglich, senkt den Druck zuverlässig und muss auch nur einmal am Tag getropft werden.

    Auch wenn die Diagnose in Deinem Fall nicht eindeutig ist, und es vermutlich auch gar nicht sein kann, so würde ich das Risiko, dass Deine Sehnerven ohne Therapie (weitere) Schäden bekommen könnten, höher einschätzen als das möglicher Nebenwirkungen durch die Therapie.

    Ich habe vor über 10 Jahren in ähnlicher Situation - schwer zu beurteilende Sehnerven, unklare Befunde, zu hoher Druck - nach reiflicher Überlegung mit der Therapie begonnen.

    Ich weiß, wie schwer das ist, ohne eindeutige Diagnose zu therapieren. Schon weil man sich mit diesen allabendlich zu tropfenden Tropfen für den Rest seines Lebens chronisch krank fühlt.

    Aber ich finde es besser, prophylaktisch zu tropfen, als es nicht zu tun und damit Schäden zu riskieren, die wenn sie mal da sind, nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

    Über zehn Jahre später tropfe ich immer noch, ohne nennenswerte Nebenwirkungen und meine Sehnerven sind stabil geblieben!

    Bist Du asiatischer Herkunft, da Du Dich dort hast untersuchen lassen?

    Fals ja, könnte es sein, dass Deine ethnische Zugehörigkeit als weiterer Riskofaktor eingeschätzt wurde, der zusätzlich zu Deiner Myopie und den Exkavationen von 0,6-0,7 dazu geführt hat, dass man Dir in München geraten hat, zu therapieren.

    Alles in allem nachvollziebar.

    Ich finde es gut, wenn man die Gründe für eine Thearpie verstehen und für sich annehmen kann.

    Das macht es leichter! Hoffentlich auch für Dich!

    Liebe Grüße und alles Gute

    Chanceline

  • Herzlichen Dank an euch beide!

    Ich komme ursprünglich aus China. Es geht mir seit zwei Jahren tatsächlich nicht wirklich gut mit ausgeprägtem Migräne, vor allem Sehstörung.

    Ich bin damit zunehmend verunsichert geworden und bin aber dann auch skeptisch was Therapie betrifft. Muss immer viel grübeln weil man wie Chanceline es so schön ausgedrückt hat sich chronisch krank fühlt mit den Medis und Tropfen. Ich sorge sehr um meine Eltern die beide über 70 sind und in China leben, ich habe dazu keine Geschwister. Habe Riesenpanik davor dass ich irgendwann mal blind werde, wie ich dann mich um die kümmern kann. Und hier in Deutschland habe ich Kids im Kindergarten bzw. Schulalter. Habe auch Angst dass ich die nicht so unterstützen kann wie ich es möchte wegen meinen Augen.

    andererseits ist es wohl nun der beste Weg schon jetzt zu tropfen und den Augendruck in Griff zu bekommen dass es gar nicht oder erst sehr später zu Erblindung kommt und ich die Jahre noch meine Familie in Deutschland und China so weit unterstützen dürfte.


    Gestern Abend wie geschrieben die ersten zwei Tropfen und heute Früh fühle ich mich echt wohl mit den Augen. Vielleicht auch nur Einbildung:)


    Jedenfalls haben eure Nachrichten mich sehr beruhigt. Herzlichen Dank nochmals!

  • Hallo xfg,

    jetzt wurde die Diagnose Glaukom gestellt, Du sollst tropfen und wirst regelmäßig untersucht. Das kostet Disziplin und Zeit. Ansonsten hat sich aber durch die Diagnose Dein Leben nicht grundsätzlich geändert. Nur weil Du es jetzt weißt, kannst Du auch nicht zunehmend schlechter sehen oder hast wesentliche Einschränkungen. Das Glaukom ist keine akute sondern eine chronische Krankheit. Es schreitet auch nur ganz langsam voran und wird deshalb oft spät erkannt.

    Wenn es jetzt bei Dir schon früh erkannt ist, soll ja gerade durch die Therapie ein weiteres Fortschreiten verhindert werden. Es gibt gute Behandlungsmöglichkeiten, so daß die Chancen für die Erhaltung der Sehfunktion gut sind. Jetzt von Erblindung und von Existenzängsten zu sprechen, ist unangebracht. Versuche, Deine Panik in den Griff zu bekommen. Lebe Dein Leben einfach weiter. Es wird immer Herausforderungen geben, die man nicht erwartet hat. Das Glaukom ist eine davon.

    Hier im Forum gibt es viele spezielle Fälle, auch solche mit schweren Verläufen oder mit starken Ängsten, manchmal muß man aufpassen, daß man sich nicht herunterziehen läßt oder fremde Ängste auf sich überträgt.

    Wenn Du aus China kommst, kennst Du bestimmt Tai Chi und Chi Gong. Ich praktiziere das auch. Das ist super für den seelischen Ausgleich geeignet. Also pflege Deine Seele und blicke optimistisch auf Dein Leben.

    Beste Grüße Malve

  • Hallo xfg!

    Danke sehr für deine Antwort, Mellirosa. Ich habe -9/-7 Dioptrien und mein AID war heute 18/20. Mein Loch ist ebenfalls etwa 70% (65% links und 72% links). Gesichtsfeldtest war heute relativ in Ordnung. Ärztinnen redeteten heute von auffälligem Sehnerv. Ich war mir nicht sicher was sie meinten.

    Ergänzend möchte ich zu den Vorposts noch fragen, ob Deine Eltern auch auffällige Augenbefunde haben?

    Menschen mit asiatischen Wurzeln haben oft ein erhöhtes Risiko an einem Glaukom zu erkranken.

    Ich sorge sehr um meine Eltern die beide über 70 sind und in China leben, ich habe dazu keine Geschwister. Habe Riesenpanik davor dass ich irgendwann mal blind werde, wie ich dann mich um die kümmern kann. Und hier in Deutschland habe ich Kids im Kindergarten bzw. Schulalter. Habe auch Angst dass ich die nicht so unterstützen kann wie ich es möchte wegen meinen Augen.

    Deine Sorge kann ich schon verstehen, aber derzeit brauchst Du Dir ja so keine allzu großen Sorgen um eine Erblindung zu machen.


    Wichtig sind die Kontrollen und die Anwendung einer angeordneten Therapie.

    Viele Grüße
    Sabine