(Pigmentdisperions-)Glaukom und (Ausdauer-)Sport

  • Hallo liebe alle,

    nachdem ich im Internet vor Monaten zufällig auf den Hinweis gestoßen bin, dass Patient*innen mit Pigmentdispersionsglaukom auf Ausdauersport ("Laufen, Schwimmen, Kampfsport") verzichten sollen und es sich dabei genau um diejenigen Sportarten handelt, die ich gerne verfolge, habe ich seither jeden neuen AA gefragt, ob ich Sporteln bzw. Laufen darf. Die Antwort war bisher immer "ja, das ist kein Problem".

    Da ich aber die Woche vor meinem Sehsturz/Glaukomanfall (durch welchen das Glaukom überhaupt diagnostiziert wurde) sehr intensiv Ausdauertraining gemacht habe, war ich seither immer sehr vorsichtig und habe trotz ärztlichem "Okay" fast vollständig auf Lauftraining verzichtet. Das ist natürlich auch insofern schade, weil es für meine mentale Gesundheit sehr wichtig geworden ist, Langstrecken zu laufen.

    Nun war ich diese Woche bei einem neuen AA, auch Glaukom-spezialisiert, und dieser meinte eben nicht, das sei kein Problem, sondern eine "gute, aber schwierige Frage". Es gebe Studien, dass es dadurch eben zu einer vermehrten Ausschüttung von Pigmenten komme, und ich solle lieber auf Ausdauersport verzichten und stattdessen Kraftsport betreiben.

    Zugegebenermaßen habe ich mich jetzt noch nicht in etwaige Studien eingelesen, würde mich aber sehr interessieren, was eure Erfahrungen mit Glaukom und Sport angeht. Was funktioniert für euch, wo seid ihr eher vorsichtig? Ich will meinem Sehvermögen natürlich kein Risiko aussetzen, habe aber das Gefühl, Sport als Ausgleich für (Glaukom-)Stress zu brauchen.

  • Hallo luan!

    Zugegebenermaßen habe ich mich jetzt noch nicht in etwaige Studien eingelesen, würde mich aber sehr interessieren, was eure Erfahrungen mit Glaukom und Sport angeht. Was funktioniert für euch, wo seid ihr eher vorsichtig? Ich will meinem Sehvermögen natürlich kein Risiko aussetzen, habe aber das Gefühl, Sport als Ausgleich für (Glaukom-)Stress zu brauchen.

    Vorsichtig sein sollte man bei einem Pigmentglaukom tatsächlich mit erschütternden Sportarten, mit Pressatmung (das gilt aber für alle Glaukomformen) und wir hatten wir schon Pigmentglaukomies, die in der Sauna einen Glaukomanfall bekommen haben.

    Da ich aber die Woche vor meinem Sehsturz/Glaukomanfall (durch welchen das Glaukom überhaupt diagnostiziert wurde) sehr intensiv Ausdauertraining gemacht habe, war ich seither immer sehr vorsichtig und habe trotz ärztlichem "Okay" fast vollständig auf Lauftraining verzichtet. Das ist natürlich auch insofern schade, weil es für meine mentale Gesundheit sehr wichtig geworden ist, Langstrecken zu laufen.

    Kurze Erklärung:
    Ein Glaukomanfall ist kein Sehsturz. Als Sehsturz wird auch ein Gefäßverschluss bezeichnet, der auch sehr gefährlich für das Sehvermögen ist. Es gilt nur nicht, dass Glaukomanfall = Sehsturz ist.

    Es gibt Pigmentglaukomies, die vor dem Sport Pilocarpin tropfen, um einen Glaukomanfall vorzubeugen. Aber das muss natürlich unbedingt mit dem AA abgesprochen werden.

    Viele Grüße
    Sabine

  • Hallo luan,

    ich kenne deine Bedenken nur zu gut! Ich habe 10 Jahre Kraftsport betrieben und seit meiner Pigmentdispersionsdiagnose vor 3 Jahren bin ich stark verunsichert, welche sportlichen Aktivitäten in Ordnung sind. Mein AA und unterschiedliche Ärzte in einer Uniklinik meinen ich sollte darauf achten nicht in die Pressatmung zu gelangen, keine Erschütterungen zu bekommen und mein Kopf sollte über dem Herzen bleiben.

    Beim Kraftsport gerät man leicht in die Pressatmung, vor allem wenn auf Muskelversagen trainiert wird. Erschütterungen könnten beim Kampfsport und beim Laufen entstehen und beim Yoga ist der Kopf für ein paar Stellungen unterhalb des Herzens (von der Höhe). Ich selbst habe mich nicht in Studien eingelesen und berichte nur, was Ärzte mir mitteilten.

    Aus Angst vor einem Glaukomanfall oder einer Verschlechterung habe ich 2 Jahre komplett auf Sport verzichtet. Aktuell bin ich im Umbruch und fahre zu Hause auf einem stationären Fahrrad oder gehe Wandern um etwas fürs Herz-Kreislaufsystem zu machen. Ich habe wieder im Gym angefangen, meide jede liegende Übung und versuche moderat zu trainieren. Ich plane die Trainingszeiten so ein, dass ich im Anschluss direkt meine gängigen Augentropfen tropfen kann. Ich hoffe so, dass ein durch die Sportart erhöhter Augendruck direkt behandelt wird.

    Ich habe dadurch meine Flexibilität für den Sport verloren, weil ich so nur noch am Abend was machen kann. Ich fühle mich aber wohler wenn ich weiß, ich kann im Anschluss meine Augentropfen nehmen. Inwiefern es sich auf meinen Sehnerv auswirkt, wird sich zeigen. Aber ganz auf Sport will ich nicht mehr verzichten. Ich geh auch alle paar Monate für einen Tag in die Sauna, weil ich es nicht missen möchte.

    Es ist ein schwieriges Thema und man merkt, dass sich auch Ärzte nicht sicher sind. Vielleicht machst du mit dem Ausdauersport erstmal moderat auf weichen Boden weiter (bspw. Waldwege) und nimmst alle 3 Monate die Kontrollen beim AA wahr. Auf Kampfsport würde ich komplett verzichten, da hier die Erschütterungen durch einen Schlag auf den Kopf bestimmt merkbar sind.

    Ich hoffe es melden sich noch weitere Betroffene zum Thema Sport und wie die damit umgehen.

    Grüße,

    Patrick

    Einmal editiert, zuletzt von Patrick123 (8. August 2025 um 14:00)

  • Hallo liebe alle,

    nachdem ich im Internet vor Monaten zufällig auf den Hinweis gestoßen bin, dass Patient*innen mit Pigmentdispersionsglaukom auf Ausdauersport ("Laufen, Schwimmen, Kampfsport") verzichten sollen und es sich dabei genau um diejenigen Sportarten handelt, die ich gerne verfolge, habe ich seither jeden neuen AA gefragt, ob ich Sporteln bzw. Laufen darf. Die Antwort war bisher immer "ja, das ist kein Problem".

    Da ich aber die Woche vor meinem Sehsturz/Glaukomanfall (durch welchen das Glaukom überhaupt diagnostiziert wurde) sehr intensiv Ausdauertraining gemacht habe, war ich seither immer sehr vorsichtig und habe trotz ärztlichem "Okay" fast vollständig auf Lauftraining verzichtet. Das ist natürlich auch insofern schade, weil es für meine mentale Gesundheit sehr wichtig geworden ist, Langstrecken zu laufen.

    Nun war ich diese Woche bei einem neuen AA, auch Glaukom-spezialisiert, und dieser meinte eben nicht, das sei kein Problem, sondern eine "gute, aber schwierige Frage". Es gebe Studien, dass es dadurch eben zu einer vermehrten Ausschüttung von Pigmenten komme, und ich solle lieber auf Ausdauersport verzichten und stattdessen Kraftsport betreiben.

    Zugegebenermaßen habe ich mich jetzt noch nicht in etwaige Studien eingelesen, würde mich aber sehr interessieren, was eure Erfahrungen mit Glaukom und Sport angeht. Was funktioniert für euch, wo seid ihr eher vorsichtig? Ich will meinem Sehvermögen natürlich kein Risiko aussetzen, habe aber das Gefühl, Sport als Ausgleich für (Glaukom-)Stress zu brauchen.

    Guten Tag, ich leide auch am Pigmentdispersionsglaukom, und ich mache auch regelmäßig Ausdauersport, tatsächlich ist es bei mir so, solange ich den Puls konstant lasse, und nicht in eine Pressatmung komme, wie beispielsweise beim Kraft-Training, merke ich manchmal das es meinen Augen sogar besser geht. Aber ! Sobald das Ausdauertraining mit großer Anstrengung verbunden ist, zb Intervall, oder längeren Sprints wo ich zb mal die Luftanhalte, und der Puls hoch geht, merke ich sofort abends, als auch am nächsten Morgen das es meinen Augen deutlich schlechter geht. Der Augenarzt hat mir gesagt ( Uni-Köln ), dass es beim Sport wie du schon geschrieben hast, zu einer Pigmentausschüttung kommt, deswegen ist intensiver Sport tatsächlich nicht positiv für die Augen, aber so wie ich das verstanden habe, wenn der Puls konstant bleibt, und nicht zu hoch ist, und es nicht zur Pressatmung kommen sollte, kann leichter Ausdauersport Vorteile mit sich bringen.

  • julien89 So wie du es schreibst habe ich das, was ich bisher gelesen und gehört habe, auch verstanden. Kein Sport ist nix, aber leichter Ausdauersport kann fürs Glaukom sogar gut sein.

    Glaukom mit Gesichtsfeldausfällen, Trabekulotomie an beiden Augen (04/11 + 08/11), vor Katarakt-OP (11/21) stark kurzsichtig.

  • julien89 So wie du es schreibst habe ich das, was ich bisher gelesen und gehört habe, auch verstanden. Kein Sport ist nix, aber leichter Ausdauersport kann fürs Glaukom sogar gut sein.

    ja, leider ! Aber durch leichten verbessert sich die Leistung nicht. Das ist das Problem.

  • Tja, mit der Olympiade wird's wohl leider nix. Aber fit bleibt man so trotzdem.

    Glaukom mit Gesichtsfeldausfällen, Trabekulotomie an beiden Augen (04/11 + 08/11), vor Katarakt-OP (11/21) stark kurzsichtig.

  • Guten Tag, ich leide auch am Pigmentdispersionsglaukom, und ich mache auch regelmäßig Ausdauersport, tatsächlich ist es bei mir so, solange ich den Puls konstant lasse, und nicht in eine Pressatmung komme, wie beispielsweise beim Kraft-Training, merke ich manchmal das es meinen Augen sogar besser geht. Aber ! Sobald das Ausdauertraining mit großer Anstrengung verbunden ist, zb Intervall, oder längeren Sprints wo ich zb mal die Luftanhalte, und der Puls hoch geht, merke ich sofort abends, als auch am nächsten Morgen das es meinen Augen deutlich schlechter geht. Der Augenarzt hat mir gesagt ( Uni-Köln ), dass es beim Sport wie du schon geschrieben hast, zu einer Pigmentausschüttung kommt, deswegen ist intensiver Sport tatsächlich nicht positiv für die Augen, aber so wie ich das verstanden habe, wenn der Puls konstant bleibt, und nicht zu hoch ist, und es nicht zur Pressatmung kommen sollte, kann leichter Ausdauersport Vorteile mit sich bringen.

    Danke für die ausführliche Schilderung julien89 !

  • Hallo julien89

    tatsächlich ist es bei mir so, solange ich den Puls konstant lasse, und nicht in eine Pressatmung komme, wie beispielsweise beim Kraft-Training, merke ich manchmal das es meinen Augen sogar besser geht. Aber ! Sobald das Ausdauertraining mit großer Anstrengung verbunden ist, zb Intervall, oder längeren Sprints wo ich zb mal die Luftanhalte, und der Puls hoch geht, merke ich sofort abends, als auch am nächsten Morgen das es meinen Augen deutlich schlechter geht.

    Darf ich fragen, wie genau du merkst, ob es deinen Augen besser oder schlechter geht? Sind die gerötet oder verspannt? Siehst du anders?

    ...Puls konstant bleibt, und nicht zu hoch ist,...

    Hast du Tipps was nicht zu hoch bedeutet?

    luan99 Was hat die Zeit bei dir ergeben, bist du weiterhin sportlich aktiv oder hat es sich verringert?


    Grüße,

    Patrick

  • Hey Patrick,


    wenn ich Krafttraining mache, zb Bankdrücken, Schräckkbank, im Liegen halt (Übungen) , oder im aufrechten sitzen (Schulterdrücken), oder Bizeps-Curls mit der Stange.

    Sobald sich etwas Druck aufbaut, wird mir kurze Zeit danach etwas schwindelig, und manchmal kommt dann so ein Kopfschmerz (Druck im Kopf (Schädeldecke). Aber eher schwindelig. Etwas schwierig zu erklären, wenn ich ganz wenig Gewicht nehme, merke ich es nicht.

    Aber sobald sich halt so ein Druck aufbaut, durch das Gewichte heben merke ich das sofort, dass wurde von Jahr zu Jahr schlimmer.

    Oder, wenn ich Liegestütze mache, oder Klimmzüge, mehr als 2-3 x!, oder wenn ich sprinte und die Luft mal anhalte.

    Wenn ich es dann mal mache, also einfach trotzdem mache, dann merk ich abends, oder am nächsten Morgen, dass meine Augen mehr weh tun, oder ich mehr Augenmigräne habe, oder auch manchmal Übelkeit.

    Daher mache ich nur 30 Prozent, wenn überhaupt! Ich musste jetzt seit 2-3 Wochen pausieren, weil es mir gesundheitlich sehr schlecht geht!

  • Nicht zu hoch bedeutet: Man kann beim Gewichte heben halt nur extrem wenig Gewicht nehmen, sobald sich druck aufbaut ist das definitiv nicht gut, ich habs ja genau beschrieben.

    Ich merke das sofort. Das bedeutet, man muss das Gewicht so anpassen, dass der Körper nicht in diese Pressatmung, Druckpresse kommt. Das ist bei mir leider extrem wenig Gewicht

    Also ich mache zb bei Bankdrücken nur noch 15 kg an jeder Seite, damals 30-35kg. Liegestütze darf man den kopf nur nach vorne richten, blos nicht nach unten. Wenn ich jogge, ohne sprinten, und keine Berg auf mehr ! Wenn du sprintest ( geht der Puls ja hoch ), druck baut sich auf.

    Ich versuche noch hin und wieder Sport zu machen, aber ich bin eins Leistungssportler gewesen, jetzt fühle ich mich beim Training wie ein Rentner, ich kann schon seit 1-2 Jahre nicht mehr ansatzweise an meine Grenzen gehen, dass ist für mich sehr belastend, weil ich so nicht ausgelastet bin, der Sport war der Ort wo ich mich richtig auspowern konnte. Das geht leider nicht mehr.

    Aber das sind auch nur meine Erfahrungen, vllt geht es anderen Menschen ganz anders.
    Ich spreche nur von meinen Erfahrungen, anderen geht es bestimmt ganz anders.

  • Hallo Julian,

    mit Krafttraining, Bankdrücken etc. kenne ich mich überhaupt nicht aus!

    Aber lass Dich einfach mal drücken!

    Ich finde Du machst das ganz super!

    Du hörst auf deinen Körper und passt Dein Training so an, dass es Deiner Augensituation nicht schadet!

    Wie ein Rentner solltest Du dich dabei nicht fühlen - viele hier werden Dich sicher wegen Deiner Fitness beneiden!

    Auch wenn es mit dem Ironman nichts mehr wird - Du wirst einen Ausgleich finden, jung wie Du bist!

    Alles Gute Dir und liebe Grüße

    Chanceline

  • Vielleicht noch eine Idee, sprich doch Mal mit deinem Arzt ob du vorbei joggen kannst und dann gehst du etwas mehr an die Grenze und versuchst Mal direkt messen zu lassen. Weiß nicht ob der Arzt das mitmacht. Aber dann wüsstest du, ob es beim Joggen wirklich ein zu hoher Druck oder ein Gefühl ist.


    Bei der Pressatmung muss ich dir zustimmen, das ist leider definitiv nicht gut fürs Auge.

  • Hallo julien89 ,
    vielen Dank für den Einblick.

    Also ich mache zb bei Bankdrücken nur noch 15 kg an jeder Seite, damals 30-35kg.

    Das ist eine echt große Reduzierung vom Gewicht und ich kann deinen Frust verstehen. Du hast Dir die Leistung über Monate/Jahre aufgebaut und musst nun stark reduzieren. Mit den neuen Gewichten hat man vielleicht nicht das gewünschte Muskelgefühl und Erfolg, aber es ist super, dass du auf deinen Körper hörst und das Training entsprechend anpasst.
    Der Rat von Affectedist super und hoffentlich würde dein AA mitmachen.

    Ich musste jetzt seit 2-3 Wochen pausieren, weil es mir gesundheitlich sehr schlecht geht!

    Tut mir Leid zu hören, ich hoffe Dir geht es schnell wieder besser!


    Grüße,

    Patrick

  • Hallo,

    bei mir hat sich Sporteln leider erheblich verringert, sehr zum Nachteil meiner psychischen Gesundheit. Wenn ich zB. Gewichte hebe, dann merke ich leider sofort, dass es mir nicht gut tut (Augen schmerzen) und auch beim Laufen bekomme ich starke Kopfschmerzen

    luan99 Was hat die Zeit bei dir ergeben, bist du weiterhin sportlich aktiv oder hat es sich verringert?

    Ich war zwar nie Leistungssportler, aber ich kann mich dem Sentiment von julien89 nur anschließen.

    Ich versuche noch hin und wieder Sport zu machen, aber ich bin eins Leistungssportler gewesen, jetzt fühle ich mich beim Training wie ein Rentner, ich kann schon seit 1-2 Jahre nicht mehr ansatzweise an meine Grenzen gehen, dass ist für mich sehr belastend, weil ich so nicht ausgelastet bin, der Sport war der Ort wo ich mich richtig auspowern konnte. Das geht leider nicht mehr.