Konträre Aussagen zum OCT

  • Hallo Ihr Lieben,

    ich war heute, um eine zweite Meinung einzuholen, bei einem neuen Augenarzt. Er hat mich sehr gründlich untersucht und auch ein OCT von meinem Sehnerv gemacht. Er zeigte mir, dass die Papille sehr vital und gut durchblutet ist. Es war alles grün. Ich kann dieses positive Ergebnis kaum fassen! Mein vorhergehender Augenarzt meinte, dass die Papille schon sehr hell und schlecht durchblutet wäre. Das war vor drei Monaten.

    Der neue Augenarzt hat mich per direkt Applanation gemessen und einen Druck von 15/16 ermittelt. Er meinte, dass ich nun einen Auslassversuch mit Lumigan machen soll. Ein Glaukom hat er definitiv zum jetzigen Zeitpunkt ausgeschlossen. Wie gesagt, ich kann mein Glück noch kaum fassen.

    Kann es denn sein, dass zwei Ärzte eine OCT Aufnahme so unterschiedlich interpretieren können? Oder kann sich ein schlecht durchbluteter Sehnerv durch eine Drucksenkung so gut erholen? Am liebsten würde ich dem 2. Augenarzt nun glauben oder soll ich sicherheitshalber noch eine 3. Meinung einholen? Hat jemand von euch schon mal Ähnliches erlebt?

    Liebe Grüße

    Selma

  • Hallo Selma,

    prima, dass Dir die Zweitmeinung so ein Ergebnis gebracht hat!

    Deine Frage allerdings verstehe ich nicht!

    ich war heute, um eine zweite Meinung einzuholen, bei einem neuen Augenarzt. Er hat mich sehr gründlich untersucht und auch ein OCT von meinem Sehnerv gemacht. Er zeigte mir, dass die Papille sehr vital und gut durchblutet ist. Es war alles grün. Ich kann dieses positive Ergebnis kaum fassen! Mein vorhergehender Augenarzt meinte, dass die Papille schon sehr hell und schlecht durchblutet wäre. Das war vor drei Monaten.


    Ich weiß, es ging bei Dir um die Blässe der Papillen, die Deine AA festgestellt hatte. Offenbar ist der AA heute bei seiner Untersuchung an der Spaltlampe zu einem anderen Ergebnis gekommen.

    Aber, dass im OCT alles grün war (ich vermutete die RNFL) hat mit der Durchblutung und der Farbe der Papille nichts zu tun!

    Das kann man daran nicht erkennen!

    Wie sah denn das erste OCT überhaupt aus? Gab es da gelbe oder gar rot markierte Bereiche bei der Nervenfaserschicht?

    LG

    Chanceline

  • Hallo Chanceline,

    vielen Dank für deine Antwort. Bei meinem ersten OCT habe ich nur ein Bild von meinem Sehnerven gesehen, aber ich wusste gar nicht, dass es grüne, gelbe und rot markierte Bereiche gibt. Das wurde mir nicht gezeigt bzw. darüber gesprochen.

    Der jetzige Augenarzt hat den Sehnerv mit der Spaltlampe angesehen und ein OCT gemacht. Er meinte nur sehr vitale, gut durchblutete Papille. Von Blässe keine Spur. Alle Bereiche im OCT grün. Auch meinte er, dass eine so gesunde Papille auch einen höheren Druck bis 25 gut wegstecken könnte. Eine medikamentöse Therapie würde er erst ab 26 vorschlagen.

    Tja, der eine Augenarzt schlägt Alarm, der andere gibt Entwarnung. Bin schon etwas verwirrt. Würdest du dir da noch eine dritte Meinung einholen?

    Liebe Grüße

    Selma

  • Hallo Selma,

    nur eine kleine Zwischenfrage, da mir das gerade aufgefallen ist: Du schreibst in einem anderen Thread von dünnem Hornhaut. Da muss man dann normalerweise zum gemessenen Druckwert etwas dazuaddieren. Weiß der zweite Augenarzt davon? Hat er bei dir auch die Hornhautdicke gemessen?

    Liebe Grüße,
    GIDW

  • Hallo GIDW,

    ja genau, ich habe dem Augenarzt von meiner Lasik vor über 20 Jahren berichtet. Er hat auch eine Pachymetrie durchgeführt. Der vorhergehende AA meinte, dass plus 5 addiert werden müsste. Der jetzige AA meinte, dass das viel zu viel wäre und außerdem Luft nach oben besteht. Er meinte, wenn ein Sehnerv völlig gesund aussieht und gut durchblutet ist, kann diesem auch ein Druck von 25 nichts ausmachen. Er würde erst bei ca. 26 medikamentös eingreifen. Als größte Risikofaktoren für die Entwicklung eines Glaukoms nannte er: Afrikanische oder asiatische Herkunft, primäre Glaukome in der Famiie (nicht Sekundäre) und Rauchen. Kurzsichtigkeit war für ihn ein geringerer Risikofaktor.

    Liebe Grüße

    Selma

  • Ps: Ich fand es auch so super, dass er der neue AA mit der Goldmann Methode und nicht mit dem Puster gemessen hat. Er meinte auch, dass die Werte mit dem Puster manchmal sogar um 5 zu hoch sein können. In der alten AA Praxis habe ich mehrfach darum gebeten anders zu messen, aber es hieß immer, dass dies nicht mehr gemacht wird und die Puster sehr genau sind. Gerade bei einer Erstdiagnostik ist es sehr wichtig immer die Goldmann Methode anzuwenden, sagte er.

  • Hallo Selma,

    erstmal meinen Glückwunsch zum Ergebnis der aktuellen Untersuchung.

    Ich bin sprachlos, zu welch unterschiedlichen Einschätzungen zwei Ärzte kommen können.

    Letztlich ist es ja so, dass der erste Arzt deine Sehnerven als so geschädigt gewertet hat, dass noch nicht mal ein etwaiger weiterer Verlauf beobachtet wurde, sondern gleich mit SLT behandelt wurde.

    Ich dachte eigentlich, dass es ärztlicher Goldstandard ist, dass man erstmal schaut, ob sich überhaupt etwas am Befund ändert oder vielleicht einfach nur eine Normvariante vorliegt.

    Es sei denn, der Druck ist so hoch, dass sofortiges Handeln erforderlich ist.

    Im Grunde wurden, wenn man dem zweiten Arzt folgt, also völlig gesunde Augen einem Eingriff unterzogen, auch, wenn es "nur" eine SLT war.

    Das finde ich schon heftig, wenn ich ehrlich sein soll.

    Waren das denn beides niedergelassene Augenärzte?

    Wäre der Besuch einer spezialisierten Augenklinik vielleicht noch eine Option für dich?

    Viele Grüße, Tanja

    Einmal editiert, zuletzt von Tanjalein (18. April 2025 um 12:59)

  • Liebe Tanja,

    vielen Dank für deine Nachricht! Ja, der 2. Arzt nimmt nur Privatpatienten oder Selbstzahler. Er war auch hochmodern ausgestattet. Besonders gut fand ich, dass noch während der Untersuchungen, die eine Assistentin durchführte, er gleich die Ergebnisse übermittelt bekam und gleich interaktiv Rückfragen stellte bzw. weitere Untersuchungen veranlasste. Wenige Minuten später untersuchte er mich noch selbst mit der Spaltlampe und besprach ganz ausführlich alle Ergebnisse v.a. das OCT.

    Er meinte, dass meine Augen völlig gesund sind und er es nicht begreifen kann, dass ich innerhalb kürzester Zeit 4 SLTs bekommen habe. Selbst wenn der Druck damals höher war, war diese Behandlung bei einem gesunden Sehnerven völlig übertrieben. Der vorhergehende AA (Filialleiter einer Augenarztkette) meinte ja, dass der Sehnerv „nicht mehr so taufrisch aussieht und diesen Druck nur noch ca. 2-3 Jahre aushält. Dann kommen die ersten Ausfälle. Auf meiner letzten Rechnung stand als Diagnose „Glaukom beidseits“, obwohl es erst hieß, dass es noch nicht soweit wäre. Da musste ich schon schlucken.

    Der jetzige AA hat mir ein komplett grünes OCT vorgelegt und von einer sehr vitalen Papille gesprochen. Von Glaukom keine Spur. Ich habe ihn ungläubig angestarrt und meinen Ohren kaum getraut.

    Ich bereue es wirklich sehr, dass ich mir vor der Behandlung keine 2. Meinung eingeholt habe. Die SLTs waren sicher nicht gut. Haben z.T. auch zu erheblichen Drucksteigerungen geführt und seit der letzten SLT habe ich auch Glaskörpertrübungen, die ich zuvor nicht kannte. Das kann natürlich auch ein Zufall sein, aber man kommt nun halt schon ins Grübeln.

    Eine spezialisierte Augenklinik ist sicherlich eine gute Idee. Ich bin noch am Überlegen. Das jetzige OCT und das sicherer kompetente Auftreten des neuen AA geben mir aber gute Hoffnung.

    Liebe Grüße

    Selma

  • Ich würde mir mal vom ersten AA die Ausdrücke des OCT geben lassen.

    Klar, man kann nicht mit dem OCT des zweiten AA vergleichen, aber… ich habe mittlerweile 4 OCTs, das letzte war ‚besser‘ oder fast gleich wie das erste. Die dazwischen wollten meinen AA dazu veranlassen, mir weitere Tropfen zu verordnen.


    In der Glaukomsprechstunde sprach man von Messungenauigkeiten (Stabilität) und es hieß, der Druck müsste nicht weiter runter.

    Auch hieß es dort ‚Tropfen macht schon Sinn‘, wegen Kurzsichtigkeit, pos. Familienanamnese…. Aber, ob es 100% ein Glaukom ist, hat man mir dort nicht bestätigt: Man sagte nur: ‚es ist schon sehr wahrscheinlich‘.

    Allerdings gibt es in meinem OCT gelbe und wenige rote Bereiche.

    Wenn es in deinen ersten OCT auch nur grüne Bereiche gibt, dann würde ich wohl auch erstmal warten und in einem Jahr ein neues OCT machen lassen.

  • Hallo Selma,

    Inzwischen hat sich doch geklärt, dass es nicht um konträre Aussagen zu einem OCT geht, sondern darum, dass zwei AAs deine Befunde in Teilen verschieden bewerten und daraus unterschiedliche Konsequenzen für die Therapie ableiten.

    Schon AA1 hatte auf Nachfrage gesagt, dass Du kein Glaukom hast, was AA2 ja nun bestätigt!

    Vergleiche einfach die beiden OCTs! Daraus sollte sich ergeben, warum Dir beide kein Glaukom bescheinigen!

    Was es mit dieser von AA1 festgestellten Papillenblässe auf sich hatte, wird sich schwerlich klären lassen. Also freu Dich einfach darüber, dass AA2 vitale und gut durchblutete Sehnerven attestiert.

    Nachhaken allerdings würde ich was die Korrektur des per Applanation gemessenen Drucks angeht. Schließlich entscheidet sich daran, ob Du überhaupt OHT hast und ob diese behandlungsbedürftig ist.

    AA1 hatte nach der Formel korrigiert: pro Dioptrie per Lasik korrigierter Fehlsichtigkeit = + 0,5 mmHg beim AID. Bei Dir also + 5 mmHg. Das ist schon ein Wort!

    AA2 hält das für zu hoch!

    Du schreibst, er hat Pachymetrie gemacht! Wie war das Ergebnis? Wie dick oder dünn ist Deine Hornhaut?

    Normalerweise korrigiert man auf Basis der mittels Pachymetrie ermittelten zentralen Hornhautdicke den gemessenen AID nach der Dresdner Korrekturtabelle:

    pro ~25 µm Abweichung von 550 µm den AiD um +/- 1mmHg nach unten oder oben.

    Ich weiß nicht, ob das nach einer Lasik genauso gemacht werden kann. Das wäre die zu klärende Frage.

    Mit Lumigan hast du jetzt 15/16. Wie stellt sich das korrigiert dar?

    Wenn man davon ausgeht, dass Lumigan den Druck etwa um ein Drittel senkt, dann wirst Du vermutlich ohne Tropfen unkorrigiert so bei 22/23 landen.

    Also ist die Frage nach dem Korrekturfaktor schon wichtig um zu entscheiden, ob es ohne Therapie geht.

    Um Deine Frage zu beantworten:eine dritte Meinung würde ich im Moment nicht einholen, sondern bei AA2 bleiben. Aber die Frage, ob es ohne Tropfen geht, würde ich doch noch mal sehr genau unter Berücksichtigung Deiner Problematik mit der hohen Myopie und der Lasik besprechen.

    Aber nun ist erst mal abzuwarten, wie sich der Druck ohne Lumigan entwickelt. Da wäre dann auch ein Tagesdruckprofil eine gute Idee!

    Im Bereich des Möglichen scheint mir auch noch, dass die SLT doch wirkt, und den Druck noch etwas weiter runter bringt. Du weißt, das kann einige Zeit dauern!

    Ich hatte selber mal einen Auslassversuch und drücke Dir die Daumen, dass Du unter Berücksichtigung aller Faktoren schlussendlich ohne Tropfen auf der sicheren Seite bist.

    Dabei solltest Du aber auch auf Dein eigenes Sicherheitsbedürfnis Rücksicht nehmen! Wenn Du mit einem Wirkstoff gut klar kommst, kann es vernünftig sein, prophylaktisch zu tropfen.

    LG

    Chanceline

  • Chanceline hat mal wieder alles super zusammengefasst.

    Natürlich hört sich alles von AA2 viel besser an. Aber ich würde nicht unbedingt aufs Tropfen verzichten wollen, wenn der Druck dauerhaft bei 25 liegt. Selma Sammle alle Informationen, die du von den beiden Augenärzten kriegen kannst, dann kannst du dir ein besseres Bild machen und (mit Hilfe des Forums) eine Entscheidung treffen.

    Glaukom mit Gesichtsfeldausfällen, Trabekulotomie an beiden Augen (04/11 + 08/11), vor Katarakt-OP (11/21) stark kurzsichtig.

  • Ihr Lieben,

    vielen lieben Dank für eure ganze Mühe und die vielen guten Anregungen!!!

    AA2 meinte, dass die Hornhaut immer noch ausreichend dick wäre und der gemessene Wert nur minimal nach oben korrigiert werden müsste. Was er gar nicht verstanden hat war, dass AA1 alle 3 Monate eine Gesichtsfeldmessung vorgeschlagen hat. Auch finde ich die Aussage, dass der Sehnerv nicht mehr ganz taufrisch aussieht und den Druck höchstens noch 2-3 Jahre durchsteht schon sehr konträr zu dem was ich jetzt von AA2 gehört habe. Ganz zu schweigen von der schlecht durchbluten sehr hellen, fast weißen Papille.

    Naja, ich starte nun erstmal meinen Auslassversuch mit Lumigan. Nach 2 Wochen lasse ich wieder den Druck bestimmen und werde auch um ein Tagesdruckprofil bitten. Ab 25mmHg fange ich auf jeden Fall wieder mit Tropfen an.

    Ganz liebe Grüße und schöne Osterfeiertage euch allen!

    Selma

  • Ähnlich sind auch meine Gedanken wie bei Chanceline.

    Auch habe ich mich gefragt, ob der Druck evtl. erst nach der SLT runter gegangen ist und deshalb jetzt diese guten Werte zu verzeichnen sind.

    Auch bei mir hat sich jetzt eine ganz andere Drucksituation ergeben als noch vor drei, fünf oder sieben Jahren - dazwischen lagen dann einige SLT's, die immer gewirkt haben.

    Gruß von Katzenstube

    2 x Duokopt - 1 x Monoprost - 3 x Clonid Opthal Sine 1/8

    Einmal editiert, zuletzt von Katzenstube (19. April 2025 um 10:56)

  • Hallo Selma,

    AA2 meinte, dass die Hornhaut immer noch ausreichend dick wäre und der gemessene Wert nur minimal nach oben korrigiert werden müsste.

    das verstehe ich nicht.

    Schließlich sind Dir per Lasik -10 Dioptrien korrigiert worden. Da muss doch ganz schön viel von der Hornhaut abgetragen worden sein, oder sehe ich da was falsch?

    Wenn man mal von der Korrekturformel von AA1 ausgeht, dann haben die -10 Dioptrien Dich etwa 125 mµ an Hornhautdicke gekostet.

    Da müsstest Du vor der Lasik eine extrem dicke Hornhaut gehabt haben, wenn diese jetzt immer noch wenig unter der Norm von 550 mµ liegt.

    Alles was einem nicht plausibel scheint, sollte man sich erklären lassen, finde ich. Sonst geht man möglicherweise von falschen Voraussetzungen aus.

    Welchen Wert hat die Pachymetrie denn konkret ergeben?

    LG

    Chanceline