Kurzsichtig +"Entfremdungsgefühl" nach Katarakt-OP

  • Hallo zusammen!


    Ich hatte mich ein Weilchen hier nicht blicken lassen weil mir alles zu viel war (hatte u.a. noch eine 2. Gesundheitsbaustelle dazubekommen). Letzter Stand war, dass mein Druck auf dem re Auge (Engwinkelglaukom) trotz 2-facher Laser-Iridotomie nicht runter sondern eher weiter hoch ging. Da sich (erst auf Nachfrage) auch eine Verschlechterung in den OCTs gezeigt hätte, bekam ich dann von einer Woche auf die andere einen Termin zur Katarakt-OP im Uniklinikum meines Nicht-Vertrauens.


    Die ist jetzt 12 Tage her. Ich sollte eine asphärische Blaufilterlinse bekommen und, als bisher Rechtsichtige mit beginnender Presbyopie, auf gute Fernsicht eingestellt werden. Asphärisch habe ich bekommen, aber ohne Blaufilter und ich bin seither komplett kurzsichtig (Linse hat 26 Dioptrien). Ich kann zwar aber auf dem Auge lesen (mühsam wegen des Glaukoms), sehe aber alles außer ca 60 cm nur verschwommen und krisselig.


    Ich empfinde die Kurzsichtigkeit bisher als einschneidender als den Glaukomschaden alleine (Gesichtsfeldausfall re von ca. 70%). Ich

    fühle mich, als würde es mich ständig in 2 verschiedene Richtungen ziehen. Ich stolpere unterwegs häufig, torkle selbst in der Wohnung leicht, Rücken und Nacken sind schräg und verspannt, re Oberschenkel voller blauer Flecken vom Anstoßen, mittlerweile fahre ich Wände und Kanten rechtsseitig mit den Händen entlang als wäre ich blind etc.


    Ich empfinde das Auge nicht mehr richtig als "mein Auge", sondern nur noch "das Auge" (das Ärger macht). Ich empfinde es als dumm und faul, und "es lügt" - ich kann meinen Seheindrücken, v.a. beim binokulären Sehen, nicht mehr trauen. Am liebsten würde ich das Auge außer beim Lesen permanent abgedeckt lassen damit ich Ruhe habe. Oder, ehrlich gesagt, noch lieber, dass es mir jemand "wegmacht".


    Es belastet mich momentan so sehr, dass ich denke ich wäre besser dran, wenn ich es durch einen Unfall verloren hätte. Momentan wäre ich es jedenfalls am liebsten ganz los. Ich habe u.a. Phantasien davon, mir die Kunstlinse eigenhändig wieder aus dem Auge zu kratzen.


    Dass das völlig irrational ist, weiß ich auch. Ich weiß auch, dass es neurologische/psychiatrische Körperwahrnehmungs-/-identitätsstörungen gibt. Kennt das jemand von euch in Verbindung mit Kunstlinsen-OPs oder hat davon mal gehört? Gehe ich damit (nochmal) zur AÄ oder direkt zum Neurologen/Psychiater??


    Ich hab das Gefühl völlig am Rad zu drehen!

  • Ich weiß ja nicht, ob das Entfremdungsgefühl mit der Kurzsichtigkeit zusammenhängt:


    Musste jemand von euch eine Kunstlinse austauschen lassen, und gab das viele Komplikationen?


    Meine AÄ meinte, Lasern hätte weniger Komplikationen als eine erneute OP zum Linsentausch, aber falls das dasselbe ist wie Lasik könnte man hier im Forum meinen, das wäre der Teufel. Ich verstehe bloß nicht warum (Jaja, dünnere Hornhaut bei der Druckmessung, aber das weiß man ja dann. Aber sonst?).

  • Carla, 26 Dioptrien??? Das kann doch gar nicht sein. Da würdest du auch nicht mal mehr auf die Nähe sehen.


    Ich habe auf jeden Fall auch seit der 1. Katarakt-OP ein Problem mit dem Sehen. Ohne Kontaktlinse habe ich nun rechts -2,25 Dioptrien, links -12,5. Das ist natürlich sehr irritierend und ich halte auch oft das stark kurzsichtige Auge zu, vor allem zum Lesen. Meist trage ich aber links eine Kontaktlinse, damit habe ich dann etwa -1 Dioptrie. Dumm ist, dass rechts mein Fernauge ist und das Gehirn mit dieser Kombination umdenken muss. Abends habe ich immer Kopfschmerzen von der veränderten Situation.


    Bei mir wird sich das zum Glück in wenigen Tagen ändern. Am Donnerstag kommt das zweite Auge dran, dann habe ich da auch irgendwas zwischen -2 und -2,5 Dioptrien. Mit der provisorischen Brille kann ich dann sicher gut sehen.


    Ich denke mal, mit den 26 Dioptrien hast du etwas falsch verstanden, denn dann würdest du außer Farbbrei nichts mehr erkennen. In dem Fall würde das sehende Auge vermutlich auch bald übernehmen. Lasern kann man übrigens nur bis etwa 6 Dioptrien. Würde ich mit Glaukom aber nicht machen lassen. Wenn Murks gemacht wurde, muss die Linse getauscht werden, basta. Ist ja nicht dein Fehler.


    Nach der kurzen Zeit kannst du natürlich keine Kontaktlinse tragen, aber sobald das Auge komplett verheilt ist, vielleicht als Überbrückung bis zum Linsentausch.

    Glaukom mit Gesichtsfeldausfällen, Trabekulotomie an beiden Augen (04/11 + 08/11), vor Katarakt-OP (11/21) stark kurzsichtig.

  • Hallo DieDa,


    die 26 Dioptrien stehen in dem Linsenpass, den ich bekommen habe. Mit dem Refraktionskram kenne ich mich nicht wirklich gut aus, aber die Dioptrien kann man nicht 1 zu 1 von einem Fall auf den anderen übertragen. Du bist ja stark kurzsichtig, ich bisher rechtsichtig.


    Bei einem durchschnittlichen Rechtsichtigen hat die Linse laut meiner AÄ 21,5 Dioptrien. Wenn du auf dem noch nicht operierten Auge -12,5 hast, vermute ich, dass es auf dem anderen vor der OP wohl ähnlich war. D.h. man hat dir zur Korrektur um die 10 Dioptrien von den durchschnittlichen 21,5 abgezogen. Weitere Abweichungen ergeben sich u.a. durch die Länge des Augapfels (Längsachse) und die Position der Linse im Auge.


    Mir wurde ein "Nanophthalmus anterior" bescheinigt bzw. eine flache Vorderkammer. Mein Auge gesamt ist mit 2,1 cm nur wenig, aber eben etwas kürzer als der Durchschnitt. Außerdem wollte der operierende "Chefprof" noch meinen leichten Minus-Astigmatismus mitkorrigieren, warum auch immer. Das alles fließt ja auch in die Berechnung ein - wie auch immer genau.


    Als ich die +26 im Linsenpass gelesen habe, noch mit Verband auf dem Auge, kam mir das trotzdem gefühlt zu hoch vor. Als hätte man mich auf die Nähe statt auf die Ferne einstellen wollen :keineAhnung:


    Soweit ich es verstanden habe, braucht die Heilung 6-8 Wochen. Einen Linsentausch muss/sollte man aber unbedingt vor 8 Wochen durchführen, da dann die Linse in den Kapselsack eingewachsen ist.


    Mit einem Linsentausch habe ich gedanklich keine Probleme, es ist aber halt deutlich riskanter, die Kunstlinse zu zerschneiden und zu entfernen als die Naturlinse.


    Was meinst du bei dir mit Fernauge?


    LG, Carla

  • Nachtrag:


    Vielleicht waren die Dioptrien in deinem Linsenpass ja zufällig in einer ähnlichen Höhe wie du es von deinen Brillen und Kontaktlinsen kennst. Die Brechkraft der natürlichen Augenlinse hat aber eben +/- 20 als Ausgangswert.


    Wenn mit der Kunstlinse bestehende Fehlsichtigkeiten korrigiert werden sollen, dann werden die entsprechenden Korrekturwerte/Dioptrien davon abgezogen (Myopie, - Dioptrien) oder dazugezählt (Hyperopie, + Dioptrien). Das sind dann quasi die "Brillenwerte".

  • Carla, diese Werte, die du nennst, sind mir unbekannt. Aber damit habe ich mich auch nicht beschäftigt.


    Auf meinem Linsenpass von der Kunstlinse steht 10.0 D. Ich hatte davor -12,0 auf dem rechten Auge, -2 Dioptrien sollten es werden. Waren es anfangs auch, nun wurde es während des Einwachsens etwas mehr. Auf jeden Fall stimmt das etwa mit Kontaktlinsen überein.


    Mein "Fernauge" ist das dominante Auge, in meinem Fall das rechte. Zumindest war es bisher so. Nun scheint es sich gerade umzustellen, durch die augenblickliche Situation. Deshalb habe ich abends immer einen Brummschädel. Es gibt verschiedene Tests, um es herauszufinden. Gib mal in der suchmaschine ein "dominantes auge bestimmen".

    Glaukom mit Gesichtsfeldausfällen, Trabekulotomie an beiden Augen (04/11 + 08/11), vor Katarakt-OP (11/21) stark kurzsichtig.

  • Ok, dominantes Auge kenne ich, ich kannte nur den Begriff Fernauge dafür nicht. Musste sich bei mir auch umstellen, das ging bei mir aber schleichend.


    Das stelle ich mir ziemlich unangenehm vor, wenn es sich auf so eine schlagartige Änderung umstellt. Nach der OP des anderen Auges wird es sich ja vermutlich wieder "zurückstellen" (oder?), aber das bedeutet dann ja, dass du den Ärger 2x hast.


    Ich drücke dir die Daumen, dass die Zeit bis zur OP gut und schnell rumgeht!

  • Auf meinem Linsenpass von der Kunstlinse steht 10.0 D. Ich hatte davor -12,0 auf dem rechten Auge, -2 Dioptrien sollten es werden. Waren es anfangs auch, nun wurde es während des Einwachsens etwas mehr. Auf jeden Fall stimmt das etwa mit Kontaktlinsen überein.

    Ah, dann war der Wert bei dir tatsächlich zufällig derselbe wie dein Dioptrien-Korrekturwert.


    Deine Linse wurde auf +20 berechnet, davon hast du 10 zur Korrektur bzw. Abschwächung deiner Myopie abgezogen bekommen, für die Differenz zwischen -12 und -2.


    Und uh-oh, beim Einwachsen können sich die Werte nichmal ändern?!? Mist :frech:

  • Ich weiß ja nicht, ob das Entfremdungsgefühl mit der Kurzsichtigkeit zusammenhängt:


    Musste jemand von euch eine Kunstlinse austauschen lassen, und gab das viele Komplikationen?


    Meine AÄ meinte, Lasern hätte weniger Komplikationen als eine erneute OP zum Linsentausch, aber falls das dasselbe ist wie Lasik könnte man hier im Forum meinen, das wäre der Teufel. Ich verstehe bloß nicht warum (Jaja, dünnere Hornhaut bei der Druckmessung, aber das weiß man ja dann. Aber sonst?).


    Hallo Carla,


    ich habe fast genau die gleichen Dioptrienwerte vor und den Katarakt-OPs gehabt und sah die ersten drei Wochen wie durch ein Aquarium. D.h. mein Gehirn hat meine Glaskörpertrübung und die ganzen Mouches volantes stark wahrgenommen, mir war die ganze Zeit schwindelig.


    Ich hatte auch Angst, dass es so bleibt. Ich merke immer noch einige schwarze Punkte und dass es etwas flimmert, wenn ich einen hellen Hintergrund anschaue, aber mein Gehirn blendet sie überwiegend aus. Wie vor den OPs auch.


    Vielleicht wird es bei dir noch besser.


    LG

  • Ich habe zwei Netzhaut Op und das Gehirn brauchte jedesmal 3 Monate zum neu berechnen sozusagen.


    Lass dir die Werte erklären, vielleicht vom Optiker

    Ohne Musik wäre alles nichts. (frei nach Mozart)

  • Hallo Carla!

    Nachdem, was Du hier beschreibst, kann ich Deine Aussage verstehen mit der Kurzsichtigkeit, ok.


    Wenn Du so große Probleme hast und so viele Unklarheiten bezüglich der korrigierten Werte/Linse bestehen, würde ich mir da noch mal Klarheit verschaffen wollen. Frag in der Klinik, beim Optiker oder beim AA nach.


    Gutes Durchhaltevermögen, bis alles geklärt werden kann.



    LG
    Sabine

  • Optiker war ein guter Tipp, danke! Hab für morgen einen Termin bekommen, lasse mir eine Übergangsbrille bzw. - glas machen. Für 29,- krieg ich ein einfaches Korrekturglas, in angeblich nur 1-2 Tagen. Brillengestell lasse ich das von meiner Lesebrille nehmen.


    Richtiger Sehtest ist erst morgen, aber sie haben mich schonmal durch so eine Brille mit Korrekturglas schauen lassen. Ca. -1,5 kommt anscheinend doch hin, aber ich halte das nicht noch 4-6 Wochen aus.

  • -1,5 Unterschied sind unangenehm, das kann ich bestätigen. Das lässt sich aber mit Brille gut ausgleichen.

    Glaukom mit Gesichtsfeldausfällen, Trabekulotomie an beiden Augen (04/11 + 08/11), vor Katarakt-OP (11/21) stark kurzsichtig.

  • Ich werde ganz sicher nicht auf einem Auge kurzsichtig bleiben, jedenfalls nicht auf Dauer. Hoffe mal, die Brille bringt erstmal schnelle Linderung, bis eine dauerhafte Lösung gefunden ist.