Neuroretinitis

  • Hallo zusammen,


    ich weiß nicht mehr, wers war, aber jmd. hier war auch von einer Bartonelleninfektion betroffen:


    . WIESE: Neuroretinitis bei Bartonellose


    Im Januar 1997 stellte sich eine sonst gesunde 20-jährige Patientin mit einem plötzlichen Visusabfall des rechten Auges auf 0,6 bei uns vor. Weder funduskopisch noch fluoreszensangiographisch fanden sich an den Augen Auffälligkeiten. Innerhalb von drei Monaten kam es ohne Therapie wieder zu einem Visusanstieg auf 1,0. Die Ursache blieb unklar.


    Eineinhalb Jahre später erlitt die Patientin erneut einen plötzlichen massiven Visusverlust, jetzt auf dem linken Auge. Bei der Untersuchung konnten keine Auffälligkeiten entdeckt werden. Ein 2 Wochen später durchgeführtes Fluoreszenzangiogramm zeigte jedoch eine Exsudation der linken Papille mit begleitender Vaskulitis im Bereich der temporalen Gefäßbögen. Eine serologische Untersuchung ergab einen signifikant erhöhten IgG-Titer für Bartonella henselae. Wir behandelten über fünf Tage mit Azithromycin. Innerhalb von drei Monaten kam es zu einer begleitenden Vitritis. Bei langsamem IgG-Titerabfall stieg der Visus bis auf 1,0 an.


    Wir vermuten als Ursache der Augenerkrankung eine Infektion mit Bartonella henselae. Dieser Keim ruft bei immunkompetenten Menschen die Katzenkratzkrankheit hervor, deren typischer Verlauf durch erythematöse Papeln und Pusteln am Erregereintritt, regionale Lymphknotenschwellungen und teilweise hohes Fieber charakterisiert ist. Als atypisch bezeichnet man alle Verlaufsformen mit systemischer Beteiligung, z.B. Enzephalitis, Myokarditis, Leberbefall.


    Bei immuninkompetenten Patienten ist Bartonella henselae Erreger der bazillären Angiomatose mit Kapillargefäßproliferationen im Bereich der Haut und der Schleimhäute. Klinisch ähnelt die bazilläre Angiomatose einem Karposisarkom.


    Am Auge verursacht Bartonella henselae häufig das okulo-glanduläre Syndrom nach Parinaud mit granulomatöser Konjunktivitis. Weiterhin kann, wie bei unserer Patientin, das Augeninnere befallen werden. Die dabei auftretende Neuroretinitis läßt sich nicht von einer durch andere Erreger bedingte Neuroretinitis unterscheiden. Wegweisend ist vor allem die Frage, ob der Patient Kontakt mit Katzen hatte. aeber 80% der Katzen von Patienten mit Bartonella-Infektion zeigten Antikörper gegen Bartonella henselae (im Vgl. zu etwa 38% der Kontrollkatzen). Die Prognose ist gut. Die allermeisten Patienten erlangen innerhalb von 3 bis 12 Monaten wieder vollständiges Sehvermögen. Ob Antibiotika die Verlaufsdauer verkürzen ist fraglich. Einen Einfluß auf das Endergebnis scheinen Antibiotika nicht zu haben. Bei hochfieberhaften Verlaufsformen wird jedoch Azithromycin empfohlen, und zwar 500 mg am ersten Tag, dann 250 mg täglich über weitere vier Tage.


    Literatur:


    Soheilian M, Markomichelakis N, Foster C.S. Intermediate Uveitis and Retinal Vasculitis as Mani-festations of Cat Scratch Disease. Am J Ophthalmol 1996; 122 No 4: 582-584
    Ulrich GG, Waecker NJ, Meister SJ, Peterson TJ, Hooper DG. Cat Scratch Disease Associated with Neuroretinitis in a 6-Year-old Girl. Ophthalmol 1992; 99:246-249
    Jones DB. Cat-Scratch Disease. JS Pepose: Ocular Infection and Immunity (Mosby1996): 1389-1397
    Reed JB, Scales DK, Wong MT, Lattuada CP, Dolan MJ, Schwab IR. Bartonella henselae: Neurore-tinitis in Cat Scratch Disease. Ophthalmol 1998; 105:459-466
    Sander A. Katzenkratzkrankheit. Hofmann, Infektiologie-24.Erg.Lfg 2/98



    auf der gleichen HP steht auch ein Zusammenhang zwischen Borrelliose und Neuroretinitis
    Augenbeteiligung bei Borreliose
    T. Neß


    Hintergrund. Bei der Borreliose handelt es sich um eine Infektion mit Bakterien (in Europa der Stämme Borrelia burgdorferii sensu lata). Mit einer manifesten Erkrankung muss in 0,3%- 1,2% nach einem Zeckenbiss gerechnet werden. Nach dem milden Winter wird mit einer Zunahme der Zecken und damit auch der mit ihnen verbundenen Erkrankungen, der FSME und der Borreliose, gerechnet.
    Klinik. Im frühen Stadium I kommt bei weniger als der Hälfte der Betroffenen das bekannte Erythema migrans vor, eine von der Bissstelle sich ausbreitende Rötung.
    Im Stadium II nach Wochen (6-8) oder Monaten können weitere Folgen wie z.B. ein Lymphozytom auftreten. Typisch für dieses Stadium ist eine Polyradikulitis, oft des Nervus Fazialis. Weitere Augenmanifestationen sind Ausfälle anderer Hirnnerven (Doppelbilder), eine Papillitis oder Neuroretinitis. Seltener sind eine Staungspapille bei Meningitis, follikuläre Konjunktivitis, Episkleritis, retinale Vaskulitis, Chorioretinitis, Vitritis oder interstielle Keratitis. Andere Manifestationen, wie die in den USA häufige Lyme Arthritis oder eine Karditis sind bei uns sehr viel seltener.
    Als Spätstadien bei unbehandelten Patienten gibt es selten eine Enzephalopathie oder eine Akrodermatitis atrophicans.
    Diagnostik. Eine weiterführende Diagnostik ist bei typischem Erythema migrans nicht erforderlich. Eine Serokonversion nach Therapie erfolgt nur in 70-80%.
    Im Stadium II sollte eine Serologie erfolgen. Beachten muss man aber, dass die Antikörper, IgG und IgM, oft über Jahre bis Jahrzehnte persistieren. Sie sind deshalb weder bei Rezidiven noch bei persistierenden Beschwerden hilfreich. Im Zweifel muss ein Nachweis (PCR oder autochtone Anitkörperproduktion) aus der Läsion, Liquor oder Vorderkammer, erfolgen.
    Therapie. Eine Impfung wie gegen FSME gibt es leider noch nicht. Deshalb ist das rasche Entfernen der Zecken wichtig, denn die Borrelien wandern aktiv aus dem Darm der Zecke in den Wirt. Dies braucht mindestens 24 bis 48 Stunden. Wird die Zecke vorher entfernt, ist keine Infektion mit Borrelien zu befürchten.
    Beim Erythema migrans wird mit Doxycyclin behandelt (Alternativen: Amoxicillin, Cefuroxin,. Azithromycin oder Erythromycin).
    Im Stadium der Neuroborreliose und bei Augenbeteiligung sollte intravenös über 2-3 Wochen behandelt werden (Cefriaxon, Penicillin oder Cefotaxin). In randomisierten Studien konnte allerdings gezeigt werden, dass wiederholte Antibiotika-Behandlungen bei persistierenden Beschwerden sinnlos sind



    vgl. Klinikum Freiburg

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